Stablecoin-Regulierung 

USDT droht das Aus auf US-Börsen – Tether läuft die Zeit davon

USDT ist der größte Stablecoin der Welt und könnte trotzdem ab Juli 2028 von regulierten US-Börsen verschwinden. Warum ausgerechnet Tethers Milliardenreserven zum Problem werden könnten.

Jan-Malte Minnerup
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Tether

Beitragsbild: picture alliance

| Tethers USDT könnte von den US-Börsen verschwinden

Dass es in den USA zum Teil chaotisch zugeht, ist nicht neu. Dass sich Unternehmen jetzt aber auf Regularien vorbereiten müssen, deren Umsetzung auch zwei Jahre vor der endgültigen Frist noch nicht abschließend feststeht, ist dennoch ein spezieller Umstand. Der im Juli 2025 verabschiedete GENIUS Act verlangt von Stablecoin-Anbietern, dass sie eine vollständige Deckung ihrer Token mit klar definierten Reservewerten vorweisen. Die zuständigen US-Behörden hätten bis zum 18. Juli 2026 eigentlich entsprechende Regelungen zur Ausführung der gesetzlichen Vorgaben liefern müssen. Diese Frist ließen sie jedoch verstreichen, sodass zentrale Vorgaben weiterhin nur als Entwurf vorliegen. Für den größten Stablecoin-Anbieter Tether läuft jetzt die Zeit und vor allem die Zusammensetzung ihrer USDT-Reserven könnte zum Problem werden.

Was ab Juli 2028 wirklich passiert

Wenn ein Unternehmen sich nicht bis Juli 2028 an die neuen Vorgaben angepasst hat, darf es von Börsen und anderen Krypto-Dienstleistern nicht weiter an amerikanische Kunden angeboten werden. Da Tether inzwischen in El Salvador und damit außerhalb der USA ansässig ist, müssen sie darüber hinaus vorweisen, dass die Stablecoin-Aufsicht in ihrem Land mit dem amerikanischen System vergleichbar ist.

Anschließend müssen sie sich bei der US-Bankenaufsicht OCC registrieren und einer Prüfung durch US-Behörden zustimmen. Diese schauen auch, ob ausreichend Reserven bei US-Finanzinstituten gehalten werden, um die Rückgabewünsche der amerikanischen Kunden bedienen zu können. Zusätzlich muss Tether technisch in der Lage sein, den rechtlichen Anforderungen aus Amerika Folge zu leisten. Das betrifft insbesondere das Einfrieren bestimmter Token im Falle von Geldwäsche und anderer krimineller Machenschaften.

Der Besitz von USDT auf selbstverwalteten Hardwarewallet fällt allerdings nicht unter die neuen Regelungen. Der GENIUS Act nimmt die privaten Wallets bislang noch aus dem Gesetzesvorhaben aus und konzentriert sich auf den Handel über institutionelle Anbieter von Kryptowährungen.

Die Zusammensetzung ist das Problem

Die Deckung ihrer USDT ist aktuell nicht das Kernproblem, dem sich Tether gegenübersieht. Nach Unternehmensangaben vom 31. März standen Tethers Verbindlichkeiten von damals 183,5 Milliarden US-Dollar Vermögenswerten von 191,8 Milliarden gegenüber. Daraus ergab sich ein Überschusspuffer von 8,23 Milliarden US-Dollar. Der Anstieg um 500 Millionen US-Dollar an Verbindlichkeiten im letzten Halbjahr dürfte dieser Puffer weiterhin abdecken und eine fehlende Reserve wäre nicht das Problem.

Zum Problem werden könnte für Tether jetzt aber die Zusammensetzung ihrer Reserve. Einen Großteil davon hält das Unternehmen in liquiden Anlagen. Zuletzt beliefen sich die Positionen in kurzfristigen US-Staatsanleihen auf 141 Milliarden US-Dollar, die als unbedenklich gelten. Gleichzeitig wiesen sie aber weitere 20 Milliarden US-Dollar in physischem Gold und sieben Milliarden US-Dollar in Bitcoin aus.

Diese beiden Assetklassen werden voraussichtlich darüber entscheidet sein, ob das Aufsichtssystem in El Salvador und die Reservepolitik von Tether als ausreichend vergleichbar mit dem amerikanischen Modell anerkannt wird. Hintergrund ist, dass beide Assets Schwankungen unterliegen und dies gegebenenfalls daher nicht als ausreichend liquide und sicher von den US-Behörden anerkannt werden.

Tethers Plan B ist bereits auf dem Markt

Der Stablecoin-Primus hat allerdings bereits an einer Alternative gearbeitet. Am 27. Januar 2026 startete der Konzern mit dem USAT-Stablecoin. Dieser wurde ausdrücklich für den neuen amerikanischen Rechtsrahmen entwickelt. Herausgeber des Tokens ist offiziell die bundesrechtlich regulierte Anchorage Digital Bank. Das US-Finanzdienstleistungsunternehmen Cantor Fitzgerald übernimmt die Verwahrung und Verwaltung der Reserven.

Damit würde Tether künftig zweigleisig fahren und einem den USAT-Stablecoin für den amerikanischen Markt haben und den USDT-Stablecoin für internationale Krypto-Börsen. Ob es für Tether ausreicht eine getrennte Reserve für US-Kunden zu haben, oder ob sie ihre gesamte Deckungsstruktur verändern müssen, ist wegen der noch nicht abgeschlossenen Detailregeln bislang offen.

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