Pavel Durov macht auf seinem Telegram-Kanal eine Ankündigung, die den GRAM-Token innerhalb von Stunden um knapp 11 Prozent nach oben getrieben hat: Diesen Sommer werde Telegram eine native Non-Custodial-Gram-Wallet in jede Telegram-App integrieren. Instant, gebührenfrei, für über eine Milliarde Nutzer.
Die Nachricht teilte er zuerst auf Telegram selbst, bevor sie auf X erschien, was den ersten Kurssprung erklärte. Aktuell notiert GRAM bei rund 1,52 US-Dollar.
“Make TON Great Again”
Wer versteht, warum diese Ankündigung so viel Aufmerksamkeit erzeugt, muss acht Jahre zurückschauen. 2018 plante Telegram einen eigenen Token namens Gram und sammelte 1,7 Milliarden US-Dollar von institutionellen Investoren ein, bis heute einer der größten Private Sales in der Krypto-Geschichte. Die SEC stoppte das Vorhaben 2020 mit einer Klage, Telegram zahlte 1,2 Milliarden zurück, dazu eine Strafe von 18,5 Millionen Dollar, und zog sich aus dem Projekt zurück.
Die Community entwickelte die Blockchain unter dem Namen Toncoin weiter. Im Mai 2026 übernahm Durov direkt die Kontrolle: Telegram löste die TON Foundation als primäre treibende Kraft ab und wurde zum größten Validator des Netzwerks. Toncoin stieg daraufhin innerhalb von 24 Stunden um rund 36 Prozent. Im Juni 2026 stimmte die Community mit über 80 Prozent dafür, den Token zurück in Gram umzubenennen. Durov nennt die Kampagne “Make TON Great Again”.
Was Non-Custodial bedeutet
Der entscheidende Unterschied zur bestehenden Wallet-Lösung in Telegram liegt in der Struktur. Die bisherige Wallet-Funktion wird von The Open Platform betrieben, ist standardmäßig custodial und kommt auf rund 150 Millionen registrierte Nutzer, während die neue Gram-Wallet nativ in die App integriert ist und einen anderen Weg geht: Nutzer generieren eine lokale 24-Wörter-Seed-Phrase und halten ihre privaten Schlüssel selbst, Telegram hat keinen Zugriff darauf. Wer die Phrase verliert, verliert damit auch den Zugang.
Ein konkretes Datum oder technische Dokumentation hat Durov bislang nicht veröffentlicht, die gesamte Ankündigung besteht bislang aus dem einzelnen Telegram und X-Post. Ungeklärt ist auch, wie Telegram die Zero-Fee-Transaktionen dauerhaft finanzieren will, denn Skeptiker weisen zu Recht darauf hin, dass Netzwerkgebühren irgendwo anfallen müssen, auch wenn Nutzer davon nichts merken. Und ob die neue Wallet die bisherige ersetzt oder beide parallel weiterlaufen, steht ebenfalls noch in den Sternen.
