KI und Krypto werden als Buzzwords häufig in einen Topf geworfen. Das NEAR Protocol und Bittensor haben zuletzt gezeigt, dass es aber auch konkreter geht: Beide Projekte haben Updates veröffentlicht, die ihren Token direkt an echte KI-Nutzung koppeln, ein Schritt, der auch künftig für KI-Agenten von großer Bedeutung sein dürfte.
NEAR macht Staking zur Zahlungsmethode für KI
NEAR Protocol ist eine Blockchain, die sich zunehmend auf künstliche Intelligenz und KI-Agenten ausrichtet. Jetzt hat NEAR eine neue Funktion namens Staking für NEAR AI eingeführt. Statt KI Dienste per Kreditkarte oder Abo zu bezahlen, staken Nutzer NEAR Token und erhalten dafür monatlich Guthaben für KI Leistungen. Zwei Anwendungen stehen zur Wahl: Agent Hosting, bei dem gestakte NEAR im festen Verhältnis in ein Guthaben umgerechnet werden, und Cloud Staking, bei der die Staking Rendite selbst zu Rechenguthaben wird.
Das Guthaben lässt sich für Anfragen an Modelle von Anbietern wie Anthropic oder OpenAI nutzen, verarbeitet über eine geschützte Umgebung, die verhindert, dass die Anbieter selbst die Anfragen einsehen können. Möglich macht das eine sogenannte Trusted Execution Environment, eine hardwaregesicherte Umgebung, in der Anfragen isoliert verarbeitet werden. Selbst NEAR AI selbst kann dabei nicht einsehen, was verarbeitet wird. Wer staked, bezahlt seine KI-Nutzung quasi aus der Staking-Rendite, ohne den eigentlichen Bestand aufzugeben. Wer die Token entstaked, verliert einfach das Guthaben, behält aber sein Kapital.
Anfang August bekam NEAR noch aus anderer Richtung Aufmerksamkeit. Grayscale reduzierte im Zuge eines Rebalancings seines Decentralized AI Fund die NEAR-Position. Trotz der Kürzung bleibt NEAR mit über 31 Prozent weiterhin die größte Einzelposition im Fonds.
Bittensor bekämpft strukturellen Verkaufsdruck
Bittensor ist ein dezentrales Netzwerk für maschinelles Lernen. Teilnehmer trainieren und bewerten dort gemeinsam KI Modelle und erhalten dafür den Token TAO. Organisiert ist das Ganze in sogenannten Subnets, kleinen spezialisierten Märkten für einzelne Aufgaben wie Textverarbeitung oder Bildklassifikation, aktuell laufen 128 davon parallel.
Die Marktkapitalisierung von Bittensor liegt bei rund 2,27 Milliarden US-Dollar, der tatsächliche Jahresumsatz aller aktiven Subnets bewegt sich dagegen nur zwischen 3 und 15 Millionen US-Dollar. Ein wiederkehrendes Problem des Netzwerks war bislang genau dieser strukturelle Verkaufsdruck. Validatoren mussten ihre Belohnungen automatisch gegen TAO verkaufen, unabhängig davon, wie gut das Netzwerk eigentlich lief.
Anfang August hat Bittensor darauf reagiert und das Upgrade Root Reborn eingeführt. Validatoren reinvestieren ihre Erträge jetzt in ausgewählte Subnets, statt sie automatisch zu verkaufen. Das soll den mechanischen Verkaufsdruck um bis zu 33 Prozent im Jahr senken und macht Validatoren zu einer Art Fondsmanager, die gezielt in die leistungsfähigsten Subnets investieren.
Kritik kam vom Validator Yuma, einem der größten Teilnehmer im Netzwerk. Aus dessen Sicht verschafft das neue System einzelnen Validatoren zu viel Einfluss darüber, welche Subnets zusätzliches Kapital erhalten. Der Verkaufsdruck könnte damit zwar sinken, dafür drohen neue Interessenkonflikte.
Ob Root Reborn dieses Problem tatsächlich löst, muss sich erst zeigen. Gemeinsam mit dem neuen Staking-Modell von NEAR zeigt das Upgrade aber, wohin sich der KI-Krypto-Sektor bewegt: Token sollen nicht mehr nur vom KI-Narrativ profitieren, sondern eine konkrete Funktion innerhalb der jeweiligen Netzwerke übernehmen.
