Ob die einjährige Haltefrist für Bitcoin und andere Kryptowährungen abgeschafft wird, ist weiter offen. Im Bundestag wurde heute über eine Petition beraten, die sich für den Erhalt der bisherigen Steuerregeln einsetzt. Mehr als 44.000 Menschen haben sie unterstützt. Vertreter des Bundesfinanzministeriums (BMF) machten in der Anhörung zwar deutlich, dass die geplante Reform noch innerhalb der Bundesregierung abgestimmt wird. An dem Vorhaben, Krypto-Gewinne künftig unabhängig von der Haltedauer zu besteuern, hält das Ministerium bislang jedoch fest.
Was sich bei der Krypto-Steuer ändern soll
Bislang können Privatanleger Bitcoin und andere Kryptowährungen nach mehr als einem Jahr grundsätzlich steuerfrei verkaufen. Nach den Plänen des BMF soll diese Möglichkeit für künftig angeschaffte Kryptowerte entfallen. Gewinne würden dann unabhängig von der Haltedauer grundsätzlich mit 25 Prozent Kapitalertragsteuer zuzüglich möglicher Zuschläge besteuert. Für vor 2027 gekaufte Kryptowährungen ist ein Bestandsschutz vorgesehen.
Bei der Anhörung kam auch die einjährige Haltefrist für Gold zur Sprache. Ein Vertreter des BMF brachte die Möglichkeit ins Spiel, die Steuerfreiheit nach einem Jahr für weitere Wirtschaftsgüter abzuschaffen. Hintergrund war die Diskussion über eine Sonderregelung für Kryptowährungen, die das Ministerium für schwer begründbar hält. Konkrete Pläne, die Gold-Haltefrist abzuschaffen, gibt es bislang aber nicht.
Wie geht es mit der Bitcoin-Haltefrist weiter?
BTC-ECHO verfolgte die Anhörung vor Ort und sprach im Anschluss mit den Beteiligten. Dr. Ingo Heuel, der die Petition als Steuerexperte unterstützte, äußerte insbesondere Kritik an den unterschiedlichen Schätzungen zu den erwarteten Steuereinnahmen: “Das zeigt ja, dass es überhaupt noch nicht beschlussreif ist”, so der Rechtsanwalt gegenüber BTC-ECHO. Auch für eine steuerliche Sonderbehandlung von Kryptowährungen sieht Heuel keinen überzeugenden Grund.
Steuerberaterin Afra Stöhr sieht nach der Anhörung noch Spielraum für Änderungen. “Ich nehme von der Anhörung mit, dass noch nicht final entschieden ist, ob die Haltefrist abgeschafft wird oder nicht”, sagt die Mitgründerin der auf Krypto-Steuern spezialisierten Kanzlei SWTAX gegenüber BTC-ECHO. Petentin Nicole Nowak zeigte sich zumindest über den konstruktiven Austausch “positiv überrascht”.
Auch Ulrike Lierow-Schad vom Blockchain Bundesverband übte grundsätzliche Kritik an den Reformplänen. “Deutschland braucht bei Kryptowerten Rechtssicherheit und Innovationsimpulse statt vorschneller Steueränderungen”, erklärt sie. Die Reform könnte private Anleger gegenüber institutionellen Investoren benachteiligen und zusätzliche Bürokratie schaffen. Zunächst gelte es, die Daten aus dem europäischen DAC8-Meldesystem abzuwarten und auf Grundlage dessen eine Steuerregelung zu entwickeln.
Bereits am 14. Oktober könnte sich das Bundeskabinett mit der Reform befassen. Sollte die Bundesregierung den Entwurf verabschieden, wäre das Gesetzgebungsverfahren damit noch nicht abgeschlossen. Anschließend müssten Bundestag und Bundesrat darüber beraten.
Welche Folgen eine Abschaffung der Haltefrist für Anleger hätte und warum sich die Initiative “Pro Haltefrist” dagegen einsetzt, erklärt Mitinitiator Stefan Rönz im Interview mit BTC-ECHO.

