Die Prinzipien des Vanguard-Gründers 

John Bogle: Dieser Bitcoin-Kritiker macht BTC-Anleger reich

Bitcoin sollte man laut Vanguard-Gründer John Bogle “wie die Pest” meiden. Warum seine Tipps der BTC-Rendite dennoch helfen – und er womöglich der erste Hodler war.

Tobias Zander
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Bitcoin-Kritiker und Vanguard-Gründer John Bogle

Beitragsbild: picture alliance / reuters

| John Bogle (1929 -2019) gilt als eine Ikone der Börsenwelt

Vanguard, der zweitgrößte Vermögensverwalter der Welt, hält auch 2026 Abstand zu Bitcoin. Zwar sind die Spot ETFs anderer Anbieter inzwischen über die Plattform zugänglich, aber eigene BTC-Produkte schließt das Unternehmen weiterhin aus. Das passt zur Linie des legendären Firmenpatriarchen, denn John Bogle riet noch 2017 dazu, Bitcoin “wie die Pest” zu meiden. Sein Denken prägt Vanguard bis heute. Wer sich jedoch näher mit Bogle beschäftigt, merkt schnell, dass gerade Bitcoin-Anleger viel von seinen Prinzipien lernen können. Welche drei Investment-Lektionen dabei besonders wichtig sind und warum Bogle sogar als Vorläufer der “Hodl”-Kultur gelten kann.

1) Buy and Hold Bitcoin: In Jahrzehnten denken, nicht in Monaten

Mit der Gründung der Vanguard Group im Jahr 1976 verfolgte John Bogle das Ziel, Investieren auch für Kleinanleger attraktiv zu machen. Bis dahin blieb dem Durchschnittsbürger meist nur die Wahl zwischen teuren Fondsmanagern und riskantem Stock Picking. In beiden Fällen blieb die Rendite häufig hinter dem Markt zurück.

Mit dem Vanguard 500 Fonds, der den US-Leitindex S&P 500 einfach abbildet, löste Bogle jedoch eine Revolution in der Finanzwelt aus. Seine Pionierarbeit macht es heute sogar in Deutschland möglich, schon mit kleinen ETF-Sparplänen langfristig Vermögen aufzubauen.

Zahlreichen Krisen zum Trotz steigt der S&P500 Index 8 Prozent p.a. I Quelle: Dividendenadel

Ob Aktien- oder Bitcoin-Sparplan: Wer langfristig investieren will, der legt am besten möglichst früh los. Denn selbst kleine, regelmäßige Beträge können über die Jahre schließlich zu beachtlichem Vermögen anwachsen. Statt auf den perfekten Einstiegszeitpunkt zu warten, sollten Anleger lieber einen der wichtigsten Grundsätze von Bogle, Buffett und Co. beherzigen: Time beats Timing.

Der Vanguard-Gründer sagte dazu: “Die Vorstellung, dass eine Glocke läutet, um zu signalisieren, wann Anleger in den Markt ein- oder aussteigen sollten, ist einfach unglaubwürdig. Nach fast 50 Jahren in diesem Geschäft kenne ich niemanden, der dies erfolgreich und konsequent getan hat.”

Dranbleiben lohnt sich, ob Bitcoin, S&P500 oder Gold I Quelle: TradingView

Auch bei Bitcoin zeigt sich, dass es wichtiger ist, überhaupt investiert zu sein, als den perfekten Einstiegszeitpunkt zu treffen. Schließlich legte die Krypto-Leitwährung seit dem Beginn der Dekade um beeindruckende 700 Prozent zu. In einem Markt mit langfristigem Aufwärtstrend ist Buy and Hold damit meist die bessere Strategie, als unentschlossen an der Seitenlinie auszuharren.

2) Die langfristige Bedeutung der Kosten, ganz gleich ob Aktien oder Bitcoin

John Bogle warnte Anleger vor regelmäßigem Trading – nicht nur wegen des Risikos, beim Market Timing falschzuliegen. Privatanleger steigen häufig erst dann in gefragte Wachstumswerte wie Tech-Aktien ein, wenn diese bereits überbewertet sind, und verkaufen wieder, sobald die Euphorie nachlässt. Dazu kommen hohe Broker-Gebühren und fällige Steuern. Vor allem über lange Zeiträume können solche Kosten die Rendite spürbar belasten.

“Unabhängig davon, wie effizient oder ineffizient die Märkte sein mögen, müssen die von den Anlegern als Gruppe erzielten Renditen genau um den Betrag der ihnen insgesamt entstehenden Kosten hinter den Marktrenditen zurückbleiben. Das ist die zentrale Tatsache des Investierens”, schreibt Bogle in einem seiner bekanntesten Essays dazu.

Wie sich höhere Kosten langfristig auf die Rendite auswirken I Quelle: onedayinjuly

Für Bitcoin-Investoren kann sich eine langfristige Buy-&-Hold-Strategie sogar besonders lohnen, denn in Deutschland gilt die Jahreshaltefrist. Wer seine BTC mindestens ein Jahr hält, kann sie später unter Umständen steuerfrei verkaufen. Außerdem lohnt es sich, die Kosten verschiedener Krypto-Börsen und Broker zu vergleichen, da sich Handels- und Auszahlungsgebühren teils deutlich unterscheiden. Hier findet ihr die besten Anbieter im Überblick.

BTC-Sparer sollten zudem im Blick behalten, dass Bitcoin als dezentrales, hartes Geld eines Tages die Grundlage eines neuen Geldstandards werden könnte. Aber selbst wenn Bitcoin am Ende “nur” der wichtigste alternative Wertspeicher wird, ist das Potenzial enorm: Die Marktkapitalisierung von Gold liegt weiterhin rund 24-mal höher als die des digitalen Konkurrenten. Würde Bitcoin allein zu Gold aufschließen, läge der BTC-Kurs bei mehr als 1,5 Millionen US-Dollar. Warum also voreilig verkaufen und dabei unnötige Kosten in Kauf nehmen?

3) Emotionen kontrollieren: Bitcoin-Anleger brauchen einen kühlen Kopf

Ohne Emotionen wäre das Leben wohl recht langweilig, doch an der Börse können sie sehr teuer werden. John Bogle warnte daher davor, sich bei Anlageentscheidungen von Instinkten leiten zu lassen. Viele Anleger verhalten sich zyklisch: Sie verkaufen bei fallenden Kursen aus Angst und steigen bei steigenden Kursen aus Gier ein. Für die Rendite ist das äußerst kontraproduktiv.

“Wenn es Ihnen schwerfällt, sich einen Verlust von 20 Prozent an der Börse vorzustellen, sollten Sie nicht in Aktien investieren”, kommentierte Bogle nüchtern. Für Bitcoin gilt das umso mehr: Starke Kursschwankungen sind hier die Regel. So fiel der BTC-Kurs im Krypto-Winter 2022 auf 15.740 US-Dollar, was ein Minus von über 75 Prozent gegenüber dem vorherigen Allzeithoch bedeutet. Auch im derzeitigen Bärenmarkt korrigierte Bitcoin zeitweise mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Allzeithoch und markierte im Februar ein Jahrestief bei etwa 60.000 US-Dollar.

Die Angst regiert derzeit den Krypto-Markt I Quelle: BTC-ECHO, alternative.me

Wer seine Emotionen besser im Griff behalten will, sollte nur Geld investieren, auf das er im Zweifel mindestens fünf Jahre verzichten kann. So lassen sich kurzfristige Schwankungen leichter aushalten. Auch der Fear & Greed Index kann helfen, die aktuelle Marktstimmung einzuordnen. Phasen starker Angst erwiesen sich in der Vergangenheit häufig als günstige Einstiegsgelegenheiten für langfristig denkende Investoren.

Hinzu kommt ein weiterer Vorteil von Sparplänen: Sie automatisieren die Investmententscheidung. Statt sich immer wieder zu fragen “Soll ich oder soll ich nicht?”, erfolgt der Nachkauf unabhängig vom Kurs. Ein wöchentlicher oder monatlicher BTC-Sparplan kann langfristige Bitcoin-Anleger deshalb wirksam vor den eigenen Emotionen schützen.

John Bogle auch für Bitcoin-Sparer ein Vorbild

Viele Bitcoiner fühlen sich der Hodl-Kultur eng verbunden und setzen vor allem auf Bitcoins langfristigen Wert als digitalen Wertspeicher. Eine hawkishe Aussage des Fed-Chefs hier, eine Mt.-Gox-Auszahlung dort – wer in Jahren oder Jahrzehnten denkt, für den verlieren solche Ereignisse und die daraus entstehenden kurzfristigen Kursrückgänge schnell an Bedeutung.

Auch wenn John Bogle von Assets ohne Cashflow wie Gold oder BTC nichts hielt, teilte er mit den Hodlern die Vorliebe für extrem langfristiges Investieren. Auf die Frage, was langfristige Geldanlage am Aktienmarkt bedeute, antwortete er: “Ich würde sagen für immer – oder ein lebenslanges Investment. Es hat keinen Sinn, etwas Kürzeres zu tun.”

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Dieser Artikel wurde erstmals am 19. August 2024 veröffentlicht. Vor Wiederveröffentlichung wurde er inhaltlich geprüft und gegebenenfalls angepasst.

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