Die globale Finanzordnung gerät ins Wanken, denn immer mehr Staaten stellen die Dominanz des US-Dollars infrage. Protektionistische Maßnahmen belasten den Welthandel und der im Hintergrund schwelende Iran-Konflikt könnte die Entwicklung nun zusätzlich beschleunigen. Zeitweise stand sogar im Raum, Schiffsmaut in der Straße von Hormus nicht mehr in US-Dollar, sondern in Yuan oder Bitcoin zu verlangen. Wackelt der Thron von König Dollar? Drei Experten erklären im Gespräch mit BTC-ECHO, welche Rolle Bitcoin in einer multipolaren Welt spielen könnte.
“Durch Bitcoin kann man ein System verlassen und in ein anderes wechseln”
Arthur Hayes ist heute CIO bei Maelstrom und trat bereits 2014 als Mitgründer der Krypto-Börse BitMEX in Erscheinung. Der Milliardär gilt als Experte in Sachen Geldpolitik und erkennt in Bitcoin den Hauptprofiteur einer sich wandelnden geopolitischen Ordnung:
“Bitcoin hilft dabei, verschiedene fragmentierte Finanzökosysteme zu verknüpfen. Ich habe kürzlich mit jemandem aus China gesprochen, der schon vor Covid dort war. Er sagte, dass es viel schwieriger geworden ist, Geld nach China hinein und aus China heraus zu transferieren, da man beispielsweise keine Banküberweisungen mehr von außerhalb nach China tätigen kann und umgekehrt. Dann gibt es natürlich noch die Vereinigten Staaten, die viel Lärm darum machen, dass man als Ausländer nur noch bestimmte Arten von Vermögenswerten besitzen soll. Und jedes Land wird so ähnlich vorgehen. Es wird also bestimmte Dinge geben, die erlaubt sind, und bestimmte Dinge, die nicht erlaubt sind. Bestimmte Personen dürfen Geld an bestimmte andere Personen überweisen.”
“Zum Glück kann bei Bitcoin aber wirklich jeder jedem Geld überweisen, solange man über einen Internetzugang verfügt, deshalb ist Bitcoin als Kanal für den Kapitalfluss so wichtig. Natürlich hat Gold diese Rolle bereits in der Vergangenheit gespielt, aber es ist eben sehr schwierig, Gold schnell um die Welt zu transportieren. Selbst wenn man nicht an Bitcoin als ultimatives Ziel für sein Kapital glaubt, dann ist es vielleicht trotzdem eine gute Möglichkeit, ein System zu verlassen und in ein anderes zu wechseln. Man nimmt also sein Fiat-Geld, kauft Bitcoin, transferiert die Coins an einen anderen Ort und verkauft es schließlich dort wieder gegen Fiat-Geld, wo man tatsächlich Fiat-Geld haben möchte.”
“Bitcoin könnte zu einem wichtigen Bestandteil jedes Portfolios werden”
Saad Ahmed ist Gemini-Direktor für den Asiatisch-Pazifischen Raum (APAC). Der Brancheninsider erkennt in Bitcoin den legitimen Nachfolger von Gold als neutrale Weltreservewährung:
“Ich bin offensichtlich ein Anhänger von Bitcoin als Reservewährung. Und gerade jetzt befinden wir uns am Ende dieses 80-jährigen Zyklus, in dem wir das Ende der Dominanz oder Hegemonie des US-Dollars erleben. Die Menschen werden daher nach einer Anlage suchen, die ihnen eine Art sicheren Hafen bietet. Gold ist bereits seit Tausenden von Jahren Geld, aber Bitcoin könnte einen Teil davon ersetzen. Würde nur ein kleiner Teil des Kapitals, das derzeit in Gold angelegt ist, in Bitcoin fließen, könnte die Kryptowährung alleine dadurch zu einem wirklich wichtigen Bestandteil jedes Portfolios werden wird. In einer multipolaren Welt wird das ganz klar der Fall sein.”
“Zwei konkurrierende Weltmächte halten enorme Bitcoin-Bestände”
Armani Ferrante begann bei Alameda Research, noch bevor FTX überhaupt existierte. Heute ist er CEO der von ihm mitgegründeten Krypto-Börse Backpack und betont den Vorteil der ultimativen Neutralität von Bitcoin:
“Das wirklich Schöne an Bitcoin ist, dass es wahrscheinlich die einzige Kryptowährung der Welt ist, die sowohl von der US-Regierung als auch von der chinesischen Regierung in großem Umfang gehalten wird, wobei jede von ihnen bis zu 200.000 BTC besitzt. Und das sind die beiden Weltmächte, die ständig miteinander im Konflikt stehen, ständig miteinander konkurrieren und ständig zwei unterschiedliche, gegensätzliche Ansichten darüber haben, wie die Zukunft aussehen wird. Möglich ist das wegen der erstaunlichen Neutralität und Dezentralisierung von Bitcoin, was einen Eindruck davon vermittelt, warum es in der Weltwirtschaft eine immer wichtigere Rolle spielen wird.”
“Es ist der einzige echte Vermögenswert, über dessen Wert sich alle einig sind und der unabhängig davon verwendet werden kann, wer man ist, in welchem Land man lebt, welche politische Meinung man vertritt oder welcher Religion man angehört, und das wird mit der Zeit nur noch wichtiger werden. Ich glaube nicht, dass es einen anderen Vermögenswert gibt, der das leisten kann, mit Ausnahme von Gold vielleicht. Sicherlich aber keine einzelne Fiat-Währung, weder der US-Dollar noch der Renminbi, und so wird es zu diesem Symbol werden, von dem alle gemeinsam sagen können, dass es die wichtigste Währung der Welt ist.”
Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel erschien erstmals am 21. Oktober 2025 und wurde vor der erneuten Veröffentlichung überprüft und gegebenenfalls angepasst.
