Der Kurs von Bitcoin (BTC) versucht die Sorgen um den andauernden Konflikt im Nahen Osten abzuschütteln und gewinnt seit Beginn des Iran-Kriegs in der Spitze um 16 Prozent gen Norden. Aktuell versuchen die Bullen den nächsten Ausbruchsversuch aus der Seitwärtsrange zu starten. Welche Kurslevels nun für Anleger relevant werden und wie die Chance für eine nachhaltige Anstiegsbewegung charttechnisch einzuschätzen sind, skizziert diese Bitcoin-Kursanalyse.
Wichtige Chartniveaus für die kommenden Handelstage
Bitcoin, und mit ihm auch die Mehrheit des Altcoins-Sektors stemmt sich in den letzten Tagen gegen die Kursschwäche in weiten Teilen des internationalen Aktienmarktes. Während der technologielastige Aktienindex KOSPI in Südkorea historische Tagesabschläge erlebt, versucht die Krypto-Leitwährung die Rangeoberkante der vier Wochen andauernden Seitwärtsphase zu überwinden. Unterstützt wird die jüngste Kurserholung von neuerlichen Zuflüssen in die Bitcoin Spot-ETFs in einer Höhe von 1,46 Milliarden US-Dollar in den letzten sieben Handelstagen. Anleger an der Wallstreet scheinen den nachlassenden Verkaufsdruck von BTC für vermehrte Einstiege zu nutzen.
Nachdem Bitcoin seine 20-Tagelinie (EMA20, rot) im Bereich des 2021er-Allzeithochs zurückerobert haben dürfte, ist der erste wichtige Widerstand überwunden. In der letzten Bitcoin-Kursanalyse wurde bereits auf einen möglichen Befreiungsschlag hingewiesen. Erst wenn der BTC-Kurs in den kommenden Tagen jedoch nachhaltig über das Hoch vom 8. Februar bei 72.232 US-Dollar ausbrechen kann, ist eine Folgebewegung in Richtung der brauen Zielzone zwischen 73.636 US-Dollar und 75.355 US-Dollar wahrscheinlich. Mit dem gleitenden Durchschnitt EMA50 (orange) sowie dem 23er Fibonacci-Retracement finden sich in diesem Bereich gleich mehrere charttechnische Hürden. Prallt der Kurs hingegen erneut an der Rangeoberkante gen Süden ab und fällt unter die Kursmarke von 70.528 US-Dollar zurück, ist mit einer Richtungsentscheidung um die EMA20 zu rechnen. Ein erneuter Abverkauf unter die Zone bei 69.000 US-Dollar, könnte Bitcoin unmittelbar zurück bis an das heutige Tagestief bei 67.431 US-Dollar führen.
Bullishes Kursszenario für die aktuelle Erholungsbewegung
Bullishe Kursziele: 72.232 USD, 73.636/75.355 USD, 76.877 USD, 78.233/78.653 USD, 80.524/81.236 USD, 84.462/84.645 USD
Die Bullen scheinen weiter gewillt, den Ausbruch aus der Seitwärtsrange der letzten Wochen für eine technische Gegenbewegung gen Norden zu nutzen. Eine Stabilisierung oberhalb der EMA20 ist ein erstes Indiz für die gestiegene Wahrscheinlichkeit eines Kursausbruchs. Auch das sich aufbiegende obere Bollingerband untermauert die Chance auf weiter steigende Kurse. Kann sich Bitcoin oberhalb der 70.528 US-Dollar behaupten und in der Folge die Marke von 72.232 US-Dollar pulverisieren, rückt die braune Widerstandszone zwischen 73.636 US-Dollar und 75.355 US-Dollar in den Fokus. Mit dem Tief aus dem April 2025 bei 74.553 US-Dollar, der EMA50 sowie dem 23er Fibonacci-Retracement der aktuellen Erholungsbewegung fungiert dieser Bereich als nächster Dreh- und Angelpunkt.
Prallt der Kurs auch hier nicht nachhaltig gen Süden ab und behauptet sich oberhalb der 72.000 US-Dollar steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Trendfortsetzung gen Norden weiter an. Eine anhaltende Kurserholung dürfte Bitcoin auf direktem Weg bis 76.877 US-Dollar springen lassen. Optimalerweise wird auch dieses Kursniveau dynamisch überwunden und die Aufwärtsbewegung beschleunigt sich in Richtung der grauen Zielzone zwischen 78.233 US-Dollar und 78.653 US-Dollar.
Bitcoins maximale Erholungsziele
Sollte sich die Situation in der Golf-Region in den kommenden Wochen nachhaltig beruhigen und die Öl-Lieferungen durch die Straße von Hormus sind wieder möglich, könnte Bitcoin über das Vormonatshoch bis in die grüne Resistzone zwischen 80.524 US-Dollar und 81.236 US-Dollar vordringen und damit das Tief aus dem November 2025 von unten testen. Dreht der Kurs auch hier nicht dynamisch gen Süden um, ist ein Kurssprung bis an den multiplen Widerstand aus Dezembertief, 38er Fibonacci-Retracement und offener CME-Kurslücke zwischen 84.462 US-Dollar und 84.645 US-Dollar vorstellbar. Unverändert fungiert dieser Bereich vorerst als maximales Erholungsziel.
Bearishe Chartziele für die nächsten Handelswochen
Bearishe Kursziele: 70.528 USD, 69.000 USD, 67.431 USD, 65.578/64.694 USD, 63.019/62.165 USD, 60.001 USD, 58.164/57.485 USD, 55.055/53.959 USD, 50.641/49.050 USD
Die Bitcoin-Bären zeigen erste Ermüdungserscheinungen. Der Abverkauf zu Kriegsbeginn im Iran wurde von den Bullen im Bereich der 63.000 US-Dollar gekontert und auch die deutlichen Kursrücksetzer in Europas und Asiens Aktienmärkten konnten Bitcoin nicht von seiner Erholungsbewegung abhalten. Um ihre Chancen zu wahren, muss die Verkäuferseite nun zwingend zurück aufs Parkett kommen um den BTC-Kurs an der Oberkante der Seitwärtsrange zu deckeln. Ein erstes Lebenszeichen wäre ein Tagesschlusskurs unterhalb der 72.232 US-Dollar gefolgt von einem zeitnahen Abverkauf unter die 70.528 US-Dollar. Analog zum Fehlausbruch Mitte Januar käme es sodann zu einem Kräftemessen um die 20-Tagelinie bei 69.000 US-Dollar. Sollte Bitcoin auch diese Marke aufgeben, wäre das als deutliches Warnsignal zu werten. Insbesondere fallende Kurse an der Wallstreet dürften die Wahrscheinlichkeit für weiteren Abverkauf zurück unter die 67.431 US-Dollar sodann erhöhen.
Abermals käme der starke orange Unterstützungsbereich um das 78er Fibonacci-Retracement der Korrekturbewegung ausgehend vom Allzeithoch in den Fokus. Spätestens in der orangen Supportzone zwischen 65.578 US-Dollar und 64.694 US-Dollar kommt die Stärke Bären auf den Prüfstand. Zuletzt konnte dieser Bereich mehrfach nicht per Tagesschlusskurs durchbrochen werden. Eine Aufgabe dieses wichtigen Supportclusters würde die Chance auf einen Rückfall bis an die letzten Zwischentiefs im blauen Unterstützungsbereich zwischen 63.019 US-Dollar und 62.165 US-Dollar deutlich erhöhen. Sollte es den Bären beim dritten Versuch gelingen diesen Bereich zu durchstoßen, wäre ein Retest des Jahrestiefs bei 60.001 US-Dollar nicht mehr zu verhindern.
Worst Case für Bitcoin
Sollte sich die Situation im Persischen Golf zu einem Flächenbrand ausweiten und der Ölpreis schießt nachhaltig gen Norden, würde sich die Wahrscheinlichkeit eines Anstiegs der Inflation deutlich erhöhen und die US-Notenbank müsste an ihrer strikten Geldpolitik festhalten. In der Folge dürften Anleger insbesondere Risk-Assets verkaufen was auch bei Bitcoin zu einem Rückfall auf neue Jahrestiefs führen könnte. Fällt der BTC-Kurs sodann unter die Marke von 60.001 US-Dollar, käme der Unterstützungsbereich um das 88er Fibonacci-Retracement zwischen 58.164 US-Dollar und 57.485 US-Dollar in den Fokus. Zuletzt war dieser Bereich im Handelsjahr 2024 ein relevantes Make-or-Break Niveau. Kann sich Bitcoin hier nicht nachhaltig stabilisieren und eine schnell über das Jahrestief zurückspringen, wäre ein Abverkauf bis in den roten Supportbereich zwischen 55.117 US-Dollar und 53.959 US-Dollar nicht ausgeschlossen. Der Realized Price bei 54.900 US-Dollar fungiert unverändert als wichtige Onchain-Unterstützung.
Der Blick auf die Indikatoren
Der RSI im Tageschart könnte kurz davor stehen, ein frisches Kaufsignal zu generieren. Ein Ausbruch über die 55 auf Tagesschlussbasis würde dem Bitcoin-Kurs weiteren Rückenwind verleihen. Auch auf Wochensicht kann sich der RSI-Indikator aus seinem überverkauften Zustand befreien und tendiert aktuell wieder leicht gen Norden. Erst ein Sprung zurück in die neutrale Zone würde die Wahrscheinlichkeit weiterer Kursrücksetzer in den kommenden Wochen reduzieren.
Disclaimer: Die auf dieser Seite dargestellten Kursschätzungen stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind lediglich eine Einschätzung des Analysten.
Die Chartbilder wurden mithilfe von TradingView erstellt.
USD/EUR-Kurs zum Redaktionsschluss: 0,86 Euro.

