Experte mit bullischer Prognose 

Bitcoin: Eine Million US-Dollar bis spätestens 2032?

“Bitcoin ist kein dummer Stein wie Gold”, sagt Mark Moss. Der Host von “Market Disruptors” sieht die Kryptowährung vor einer neuen Wachstumsphase und erklärt, was ihren Kurs wieder antreiben könnte.

Philipp Baumgartner
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Bitcoin-Prognose, goldene Bitcoin-Münze vor einer Skyline im Sonnenuntergang

Beitragsbild: Shutterstock

| Trotz steigender Zinsen bleibt Mark Moss bei seinem Kursziel für Bitcoin

Die US-Notenbank Fed hat im September erstmals seit Juli 2023 die Zinsen erhöht. Der US-Staat muss für neue Schulden inzwischen so viel zahlen wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr. Steigende Zinsen gelten grundsätzlich als Gegenwind für Bitcoin, weil sichere Anlagen damit wieder attraktiver werden. Also schlechte Vorzeichen für den Bitcoin-Kurs?

Mark Moss lässt sich davon nicht beirren. Im Interview mit Bitcoin Magazine bekräftigt der Unternehmer sein Kursziel von rund einer Million US-Dollar im Zeitraum 2030 bis 2032. Gold hält er für ein Relikt des alten Geldsystems, Bitcoin dagegen profitiere zusätzlich von einer Zukunft, in der auch KI-Agenten digitales Geld brauchen.

Warum steigende Zinsen positiv sind

Am 16. September hat die Fed den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben, bis Jahresende rechnen die Notenbanker mit mindestens einem weiteren Schritt. Moss hält die Entscheidung für weniger bedeutend, als sie auf den ersten Blick wirkt. Er nennt sie “so etwas wie eine symbolische Zinserhöhung“, mit der die Fed vor allem ihr Gesicht wahren wolle, und erwartet deshalb für die Sitzung Ende Oktober eine Pause.

Wichtiger als der Leitzins ist ohnehin, was am Anleihemarkt passiert. Am 23. September lagen die Zinsen auf zehnjährige US-Staatsanleihen bei 5,11 Prozent und damit so hoch wie seit 2007 nicht mehr. Häufig gilt das als Warnsignal, weil die USA immer mehr Schulden aufnehmen und dafür Käufer finden müssen. Es gibt aber eine zweite Erklärung, denn auch eine kräftig wachsende Wirtschaft treibt die Zinsen nach oben. Wie stark die US-Wirtschaft gerade zulegt, zeigt das Schätzmodell GDPNow der Atlanta Fed, einer der regionalen Notenbanken der Fed.

Zuletzt hat die Atlanta Fed ihre Schätzung für das dritte Quartal von fünf auf 3,7 Prozent gesenkt, vor allem wegen schwächerer Zahlen aus dem Außenhandel. Das ist trotzdem deutlich mehr als die 1,5 Prozent aus dem Vorquartal und mehr, als die meisten Ökonomen erwartet hatten. Das deckt sich mit dem, was Moss beobachtet: „Die Wirtschaft läuft auf Hochtouren“, sagt er und verweist auf die Milliardeninvestitionen in künstliche Intelligenz. Zinsen, die wegen einer starken Wirtschaft steigen, sind aus seiner Sicht kein Problem für Bitcoin. Den Beleg liefert für ihn der Bitcoin-Kurs selbst, der trotz der höheren Zinsen auf über 85.000 US-Dollar geklettert ist.

Kleinanleger verkaufen, Institutionen kaufen

Der Rückgang vom Rekordhoch im Oktober 2025 bis auf ein 21-Monats-Tief nahe 58.000 US-Dollar Ende Juni hat viele Kleinanleger zermürbt. Sie verkaufen, während große Adressen zugreifen. Im August legten Wallets mit mindestens 100 Bitcoin laut CryptoQuant rund 60.000 Bitcoin zu, kleinere Wallets gaben zusammen etwa 47.000 ab. Wie gelassen langfristige Anleger durch den Rückgang gekommen sind, zeigt eine Auswertung des Analysehauses Glassnode.

Die violette Linie zeigt, wie weit der Bitcoin-Kurs über dem durchschnittlichen Einstiegspreis der Langzeitanleger liegt, also jener, die ihre Bitcoin seit mindestens rund fünf Monaten halten. Ein Wert unter 1 bedeutet, dass sie im Schnitt im Minus liegen. In allen früheren Bärenmärkten seit 2015 rutschte die Kennzahl am Tiefpunkt unter diese Marke, diesmal blieb sie darüber und steigt bereits wieder. Die Langzeitanleger hatten deshalb wenig Grund zu verkaufen. Auch große Institutionen kaufen weiter: JP Morgan stockte seine Anteile am Bitcoin Spot ETF von BlackRock im zweiten Quartal um rund ein Viertel auf.

Die S-Kurve hinter der Bitcoin-Prognose

Neue Technologien verbreiten sich meist nach einem ähnlichen Muster. Dieses Muster ist als die S-Kurve bekannt. Lange tut sich wenig, dann steigt die Nutzung steil an, bis sie bei hoher Verbreitung wieder abflacht. Wie das aussieht, zeigt der Blick auf US-Haushalte und Technologien wie dem Farbfernseher oder dem Handy.

Bitcoin-Prognose und S-Kurve, Verbreitung von Technologien in US-Haushalten seit 1860
Das Handy setzte sich deutlich schneller durch als das Festnetztelefon | Quelle: Our World in Data

Das Festnetztelefon brauchte für diesen Weg mehrere Jahrzehnte, das Handy setzte sich in deutlich kürzerer Zeit durch. Bitcoin steht aus Moss’ Sicht gerade im steilen Mittelteil dieser Kurve. Den Anfang hätten Privatanleger mit kleinen Beträgen gemacht, jetzt stiegen Institutionen und Staaten mit Hunderten Milliarden US-Dollar ein. Bislang fielen die prozentualen Zuwächse von Bitcoin mit jedem Zyklus kleiner aus, weil ein größerer Markt mehr frisches Geld braucht, um sich zu verdoppeln. Da die Menge an Bitcoin fest begrenzt ist, könne sich dieser Trend nun umkehren.

Daraus ergibt sich sein Kursziel von einer Million US-Dollar im Zeitraum 2030 bis 2032. Bitcoin würde damit nach seiner Rechnung 1,25 Prozent des weltweiten Vermögens ausmachen, das Anleger zur Wertaufbewahrung halten. Auf demselben Pfad hält Moss bis 2040 sogar 10 bis 14 Millionen US-Dollar je Bitcoin für erreichbar.

Das ganze Interview mit Mark Moss könnt ihr hier sehen.

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