Der Krypto-Markt kommt weiterhin nicht aus dem Knick. Bitcoin, Ethereum und Co. straucheln und Anleger suchen händeringend nach Erklärungen. Doch während in vielen Diskussionen Zollkonflikte oder allgemein zunehmende geopolitische Spannungen thematisiert werden, geht die eigentlich entscheidende Entwicklung völlig unter – nämlich die am Anleihemarkt. Dort zeigt sich derzeit deutlich, wie ungemütlich das makroökonomische Umfeld für Bitcoin ist.
US-Staatsanleihen: Vertrauen runter, Renditen rauf
Seit November steigen die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen wieder. Immer weniger Investoren sind bereit, die hohe Verschuldung der USA zu den aktuellen Renditen zu finanzieren. Zusätzlich untergräbt Donald Trumps Politik das Vertrauen. Seine Angriffe auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank schrecken selbst große Anleihekäufer ab.
Die Folgen sind konkret: Der dänische Pensionsfonds AkademikerPension hat im Zuge der Grönland-Causa US-Staatsanleihen im Wert von rund 100 Millionen US-Dollar verkauft. Der schwedische Pensionsfonds Alecta hat es ihm gleichgetan und rund 8 Milliarden US-Dollar an US-Staatsanleihen abgestoßen. Auch der Anleiheriese Pimco will seine US-Bestände reduzieren.
Carry Trade: Japans jahrzehntelange Nullzinspolitik ist an ihre Grenze gestoßen
Steigende Renditen von US-Staatsanleihen erhöhen die Finanzierungskosten für Staaten, Unternehmen und Haushalte, was wiederum Auswirkungen auf bestimmte Anlageklassen hat. Besonders leiden Risiko-Assets ohne Cashflow. Bitcoin gehört damit zu den ersten Verlierern, denn höhere Anleiherenditen erhöhen die Opportunitätskosten und entziehen dem Markt Liquidität.
Zusätzlicher Druck kommt aus Japan. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen liegt inzwischen bei rund 2,3 Prozent, so hoch wie zuletzt im Jahr 1999. Die Folge ist eine Rückabwicklung des Yen-Carry-Trades: Kapital fließt zurück nach Japan, während US-Anlagen verkauft werden. Auch das belastet Bitcoin und den Krypto-Markt.
Schuldeninflation = höhere Bitcoin-Kurse
Für die USA und andere Staaten gibt es keinen anderen Ausweg – absurde Wirtschaftswunder oder Schuldenschnitt mal ausgenommen – als die Inflationierung der Staatsschulden. Als knappes und nicht beliebig inflationierbares Gut profitiert Bitcoin daher langfristig von der stark steigenden Staatsverschuldung. Schließlich müssen die zusätzlichen Zinskosten finanziert werden, was rein rechnerisch nur durch eine Ausweitung der Geldbasis geht.
Kurzfristig müssen Krypto-Investoren – und auch Donald Trump – auf eine sinkende Inflation und geldpolitische Lockerung durch die Notenbanken auf dieser Welt hoffen. Bis dahin bleibt wenig anderes als Durchhaltevermögen. Eine Tugend, die sich in der Geschichte von Bitcoin bislang immer ausgezahlt hat.
