Während Bitcoin der Eskalation im Nahen und Mittleren Osten samt Ölschock trotzt, sorgt Treasury-Pionier Strategy für Aufsehen. Die Stablecoin-ähnliche Vorzugsaktie Stretch konnte vergangene Woche mit einem Vielfachen des bisherigen Handelsvolumens die Aufmerksamkeit des Krypto-Space auf sich ziehen und ermöglichte so erneut einen massiven Bitcoin-Kauf. Ein wesentlicher Grund für die jüngste Stabilität bei der Kryptowährung sind also massive Käufe von Saylors Bitcoin-Imperium. Die Entwicklung sorgt jedoch auch für eine grundlegende Überarbeitung des Strategy-Playbooks – mit potenziell massiven Auswirkungen auf Bitcoin und die MSTR-Stammaktie.
Rekordvolumen bei Stretch
Während Strategy zu Beginn der Bitcoin-Akkumulation noch auf Wandelanleihen setzte, dominieren nun die Vorzugsaktien. Dabei handelt es sich um schuldenähnliche Finanzierungsinstrumente, die jedoch offiziell Eigenkapital sind. Zudem haben die Perpetual-Varianten aus dem Hause Strategy keine Fälligkeit, sodass ein Default ausgeschlossen ist. Aus dem Potpourri an Preferred Shares sticht STRC klar heraus. Bereits im August 2025 prophezeite Makro-Analystin Lyn Alden:
Ich glaube, dass die $STRC-Vorzugsaktie in diesem Zyklus eine geradezu unstillbare Nachfrage verzeichnen wird. Diese Rendite von 9 Prozent in Verbindung mit Mechanismen zur Volatilitätsminimierung, verpackt in einem regulierten und liquiden Wertpapier, trifft genau den Sweet Spot des Marktes.
Die Story rund um STRC ist nicht nur das hohe Handelsvolumen, sondern die Konstanz aus außergewöhnlich starken Sitzungen sowie einem engen Handel rund um den Nennwert von 100 US-Dollar. STRC legte bereits am 10. und 11. März Rekordsitzungen mit rund 3,7 Millionen gehandelten Aktien hin. Am 12. März wurde diese Marke nochmals deutlich übertroffen. Der Tracker STRC.live sprach von 7,3 Millionen gehandelten Aktien und einem Tagesvolumen von rund 740 Millionen US-Dollar. In der vergangenen Woche konnte über STRC so das Sechsfache des 4-Wochen-Durchschnitts an BTC akquiriert werden. Über sämtliche Finanzierungsquellen hinweg investierte Strategy rund 1,6 Milliarden US-Dollar in Bitcoin.
Am 12. März war für Anleger die letzte Gelegenheit das Papier vor der monatlichen Dividendenausschüttung zu kaufen. Das ist für die Kursdynamik entscheidend, denn rund um diesen Termin steigt natürlich der Anreiz, STRC zu halten oder noch einzusteigen. In den Tagen vor dem Stichtag handelt STRC daher in der Regel besonders stabil nahe 100 US-Dollar.
Was ist STRC überhaupt?
STRC ist eine unbefristete Vorzugsaktie von Strategy. Anders als die Stammaktie MSTR richtet sich das Papier nicht primär an Anleger, die maximalen Hebel auf den Bitcoin-Kurs suchen, sondern eher an Investoren, die laufende Erträge wollen, die risikoadjustiert auf einem verhältnismäßig hohen Niveau liegen.
STRC zahlt monatliche Dividenden und ist so konstruiert, dass der Kurs möglichst nahe am Nennwert von 100 US-Dollar bleibt. Angepeilt wird die Spanne zwischen 99 und 100 US-Dollar. Um dies zu erreichen wird die Dividende regelmäßig angepasst. Gestartet ist sie mit 9 Prozent, derzeit liegt der annualisierte Satz bei 11,50 Prozent.
Parker White, CIO von DeFi Development Corp., prophezeit: Sollte sich dieses Wachstumstempo Monat für Monat fortsetzen, könnte Michael Saylor theoretisch irgendwann Bitcoin im Volumen von einer Milliarde US-Dollar pro Tag kaufen. Doch wie genau funktioniert der Mechanismus dahinter?
Die Kapitalmaschine hinter STRC und MSTR
Wenn STRC oberhalb oder am Nennwert von 100 US-Dollar handelt, gibt Strategy neue STRC-Papiere in den Markt. Der Erlös aus diesen Verkäufen fließt dem Unternehmen in US-Dollar zu. Anschließend nutzt Strategy das Kapital, um weitere Bitcoin zu erwerben.
Gleichzeitig möchte Strategy, dass die Verschuldungsquote auf dem aktuellen Niveau von rund 33 Prozent bleibt (Saylor betrachtet die Vorzugsaktien als Fremdkapital), also verkauft das Unternehmen etwa das Doppelte der STRC-Ausgabe in MSTR und kauft dann mit dem Erlös wieder BTC. MSTR könnte daher perspektivisch das sekundäre Finanzierungsvehikel werden, das lediglich dazu dient, die Leverage Ratio infolge der STCR-Ausgabe auf dem bestehenden Niveau zu halten. Die Strategie kann also quasi beliebig skaliert werden, ohne Verschuldungsquote und Kreditrisiko zu erhöhen.
Fazit
Die Rekordwoche bei STRC zeigt vor allem eines: Strategy ist dabei, seine Bitcoin-Strategie auf eine neue Stufe zu heben. Gelingt es dem Unternehmen, über STRC und parallel über MSTR dauerhaft frisches Kapital einzuwerben, wächst nicht nur die eigene Kaufkraft, es wächst auch der strukturelle Einfluss von Michael Saylor und Strategy auf den Bitcoin-Markt.
Darin liegt neben der bullischen Lesart aber womöglich auch der stärkste Bear Case. Das Risiko ist nicht so sehr, dass das Modell scheitert, sondern dass es zu gut funktioniert. Wenn Strategy seinen BTC-Bestand immer weiter ausbaut und dauerhaft zu einem der dominantesten Käufer im Markt wird, verschiebt sich auch die Wahrnehmung von Bitcoin selbst. Aus einem dezentralen, von keiner Instanz kontrollierten Asset könnte in der öffentlichen Erzählung allmählich ein Markt werden, dessen Dynamik von einem einzelnen, kapitalmarktgetriebenen Akteur mitgeprägt wird.
Für Bitcoin wäre das ein paradoxes Szenario. Einerseits stützen die Käufe den Kurs und stärken das institutionelle Narrativ. Andererseits geht es immer mehr um die grundsätzliche Frage, wie viel Dominanz durch einen einzelnen Treasury-Akteur der Markt noch als bullish wertet – und ab welchem Punkt dieser Erfolg selbst zum Problem für Bitcoin wird.
