Kommentar 

Quantencomputer als Bitcoin-Killer? So ein Unsinn!

Bitcoin vor dem Aus durch Quantencomputer? Warum das Szenario mehr Panik als Substanz enthält. Ein Kommentar.

Sven Wagenknecht
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Ein im Aufbau befindlicher Quantencomputer des Start-ups IQM Germany steht in einem Rechenzentrum. rechts daneben steht ein Mann mit einem schwarzen Rollkragenpullover.

Beitragsbild: picture alliance/dpa, Foto-Montage

| Eine neue Angst hat Bitcoin-Investoren fest im Griff: Quantencomputer. Warum es sich dabei um ein Panik-Narrativ handelt

Jede Stimmung braucht ihr Narrativ. Und weil die Stimmung im Krypto-Sektor aktuell ausgesprochen mies ist, muss wie alle Jahre wieder ein neues Bitcoin-Untergangsszenario her. Die Energiedebatte über den angeblich absurd hohen Stromverbrauch liegt längst hinter uns. Angesichts des explodierenden KI-Energiebedarfs wirkt sie heute so lächerlich, dass selbst Bitcoin-Kritikern dieses Argument peinlich geworden ist. Dafür haben sie nun ein neues Apokalypse-Szenario auserkoren: Quantencomputer.

Quantencomputer: Theorie ungleich Praxis

Seit einigen Monaten geistert nun das nächste Todesszenario herum. Quantencomputer, die angeblich nichts Besseres zu tun hätten, als Bitcoin zu knacken, sodass über Nacht alles wertlos wäre. Liest man die Kommentare, scheinen tatsächlich einige Investoren deshalb Abstand zu nehmen.

Auf den ersten Blick klingt das logisch, in der Theorie ist es denkbar. In der Praxis zeigen sich allerdings schnell Risse, für die man keine Quantenphysik studiert haben muss. Niemand kann seriös vorhersagen, wann Quantencomputer Private Keys hacken könnten. Fragt man zehn Experten, bekommt man zehn Prognosen. Es gibt keinen Konsens, keine belastbare Zeitachse.

Bitcoin hacken? Spieltheoretisch absurd!

Zudem werden Quantencomputer nicht von Start-ups entwickelt beziehungsweise kontrolliert, sondern von wenigen Großmächten. Wahrscheinlich würden die USA oder China vorne liegen. Warum sollten ausgerechnet diese Staaten, die selbst Bitcoin halten, den eigenen Besitz entwerten? Naheliegender wäre es doch, kritische Infrastruktur, staatliche Verschlüsselung oder militärische Systeme ins Visier zu nehmen. Es geht um Macht und strategische Vorteile, nicht darum, den Bitcoin-Algorithmus zu knacken. Seine Fähigkeiten offenzulegen, indem man Bitcoin hackt, wäre spieltheoretisch dumm.

Bitcoin ist außerdem kein statisches System. Sollte sich eine reale Bedrohung abzeichnen, gäbe es technische Reaktionsmöglichkeiten. Mit dem neuen Bitcoin Improvement Proposal (BIP) 360 existiert bereits ein Ansatz der Community, die potenzielle Quantengefahr frühzeitig anzugehen.

Was ist eigentlich mit Gold und Softwareunternehmen?

Die Quantenangst ist daher kein Bitcoin-Problem, sondern ein Internet-Problem. Wer Bitcoin wegen Quantencomputern abschreibt, müsste konsequenterweise auch Online Banking, Cloud-Infrastruktur und staatliche IT infrage stellen.

Wenn man schon jede technologische Disruption zum Anlass nimmt, Anlageklassen zu beerdigen, dann bitte konsequent. Softwarefirmen wegen KI. Gold wegen Asteroidenabbau oder künstlicher Herstellung. Die Zukunft ist per Definition unvorhersehbar, und keine Anlageklasse ist davor gefeit.

Wer wirklich glaubt, dass ein unkontrollierter Quantenangriff bevorsteht, sollte eher in Konserven und Generatoren investieren als in Bitcoin. Alle anderen sollten sich von der schlechten Stimmung nicht verrückt machen lassen. 

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