Michael Saylor hat eine einfache Lösung 

“Es ist offiziell: Die Weltordnung ist zusammengebrochen”

Ray Dalio erklärt die Nachkriegsordnung für beendet. Michael Saylor greift das als Argument für Bitcoin auf – hat er recht?

Moritz Draht
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Ray Dalio, Gründer von Bridgewater Associates

Beitragsbild: picture alliance

| Ray Dalio sieht die Weltordnung im Umbruch

Ray Dalio hält sich nicht mit leisen Zwischentönen auf. Nach der Münchner Sicherheitskonferenz, auf der mehrere westliche Spitzenpolitiker das Ende der bisherigen Weltordnung offen aussprachen, erklärte der Hedgefonds-Manager und Bridgewater-Gründer auf X: Die Nachkriegsordnung sei zerbrochen, die Ära der regelbasierten Stabilität vorbei. Statt regelbasierter Stabilität dominiere künftig offener Wettbewerb zwischen Machtblöcken – auch über Kapital, Technologie und Märkte.

Eine Diagnose, die im Krypto-Sektor auf offene Ohren stößt. Strategy-Gründer Michael Saylor reagierte auf X mit einem knappen Satz auf Dalios Analyse: “Wenn Sie glauben, dass die Weltordnung zusammenbricht, erwerben Sie den Vermögenswert ohne Gegenpartei”. Gemeint ist natürlich: “Bitcoin”.

Die Logik dahinter: In einer Welt, in der Staaten Finanzsysteme als Machtinstrument einsetzen, gewinnt ein Vermögenswert wie Bitcoin an Attraktivität, da er keine Forderung gegenüber einer Bank, einem Staat oder einer Institution darstellt. Ein unzensierbares, dezentrales Geldsystem, das sich dem Zugriff und der Steuerung entzieht – so zumindest das Argument.

Finanzinfrastruktur als Machtmittel

Dalio beschreibt, dass Konflikte heute selten mit militärischer Gewalt beginnen. Zunächst werden Zölle verhängt, Technologien eingeschränkt, Vermögenswerte eingefroren. Der Zugang zu Kapitalmärkten wird politisch reguliert. Währungen und Zahlungssysteme sind daher Teil von politischen Auseinandersetzungen.

Das ist kein theoretisches Szenario. Sanktionen gegen Staaten, eingefrorene Devisenreserven und der Ausschluss aus internationalen Zahlungssystemen haben gezeigt, wie eng Finanzinfrastruktur und Geopolitik miteinander verknüpft sind. Vermögenswerte im klassischen System unterliegen stets einer staatlichen Ordnung – und damit auch politischen Entscheidungen.

Bitcoin unterscheidet sich augenscheinlich strukturell davon. Das Netzwerk kennt keinen Emittenten und keine zentrale Instanz, die Transaktionen stoppen kann. In diesem Sinne existiert keine klassische Gegenpartei. Genau darauf zielt Saylors Argument.

Die praktischen Grenzen

Allerdings: So einfach ist es nicht. Bitcoin mag auf Protokollebene keine Gegenpartei kennen, doch seine Nutzung ist in der Praxis an regulierte Schnittstellen gebunden. Börsen unterliegen nationalem Recht. Wallet-Adressen können sanktioniert werden. Kapitalzuflüsse und -abflüsse laufen meist über Bankensysteme. Auch das Mining ist an Energiepreise, Infrastruktur und nationale Regulierung gekoppelt. Vollständig außerhalb staatlicher Einflussmöglichkeiten operiert das System nicht.

Bitcoin ist zudem weiterhin stark schwankungsanfällig. Historisch reagierte Bitcoin in Stressphasen eher wie ein Risiko-Asset. Ob Bitcoin in einer geopolitischen Krise tatsächlich als sicherer Hafen wahrgenommen würde, lässt sich mit Blick auf die Historie bezweifeln.

Was folgt daraus für Bitcoin?

Dalio selbst liefert keine direkte Empfehlung für Kryptowährungen. Er spannt nur den Rahmen und verweist dabei auf historische Muster: Hohe Verschuldung, interne Spannungen und geopolitische Rivalität führen häufig zu expansiver Geldpolitik. Seine Analyse zielt dabei nicht auf einzelne Anlageklassen, sondern auf einen grundlegenden Macht- und Ordnungswandel.

Für Assets wie Gold waren solche in der Vergangenheit ein hilfreiches Umfeld. Analog wird Bitcoin häufig als digitales Gold bezeichnet. Die jüngste Entwicklung spricht jedoch nicht eindeutig dafür: Während Gold von geopolitischer Unsicherheit profitierte, zeigte sich Bitcoin deutlich volatiler. Die Krypto-Leitwährung mag eine mögliche Antwort auf diese Entwicklung sein, aber keine widerspruchsfreie.

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