Kommentar 

Krypto-Haltefrist: Jetzt muss die CDU der SPD standhalten!

Bitcoin schlechter behandeln als Gold und langfristige Anleger stärker belasten: Die geplante Abschaffung der Krypto-Haltefrist ist für mich steuerpolitisch widersprüchlich und standortpolitisch kurzsichtig. Ein Kommentar.

Sven Wagenknecht
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Man sieht den deutschen Reichstag und rechtsbündig steht ein Mann mit schwarzem Rollkragenpullover und verschränkten Armen.

Beitragsbild: Shutterstock, Bildmontage

| Die kommenden Tage könnten darüber entscheiden, ob die Krypto-Haltefrist abgeschafft wird. Wird sich die CDU gegen die SPD durchsetzen können?

Ich bin gegen die Abschaffung der Krypto-Haltefrist. Nicht primär aus Eigennutz, sondern weil ich davon überzeugt bin, dass es ein Fehler ist, Bitcoin anders als Gold zu besteuern. 

Was mich ganz besonders an dem Vorstoß der SPD, der grundsätzlich auch Unterstützung aus dem Lager der Grünen und Linken erhält, stört: Der Eindruck drängt sich auf, dass es weniger um eine sachgerechte Krypto-Besteuerung als um neue Steuereinnahmen geht. Und zwar möglichst bei einer Gruppe, von der man offenbar ausgeht, dass sie nicht zur eigenen Wählerschaft gehört. Anstatt sich technologieoffen und investitionsfreundlich zu zeigen, versuchen Politikvertreter entsprechender Coleur, die Krypto-Branche in eine Schmuddelecke zu stellen. 

Zucker, Tabak, Plastik und Krypto

Bezeichnend war schon der Auftakt der Debatte: Finanzminister Lars Klingbeil stellte die neue Krypto-Besteuerung im Frühjahr neben höheren Tabaksteuern sowie Zucker- und Plastikabgaben vor. Eine Zukunftstechnologie in diese Reihe zu stellen, sagt viel über das politische Verständnis von Krypto aus. 

Besonders absurd ist die Schlechterstellung der Langzeitinvestoren gegenüber  Spekulanten, die unterjährig kaufen und verkaufen. Für Letztere kann die Abschaffung der Krypto-Haltefrist sogar zum Steuergeschenk werden, während langfristiger Vermögensaufbau und Altersvorsorge bestraft werden.

Wenn man mit zweierlei Maß messen möchte, muss man das auch begründen können. Bei Gold, Kunst oder Immobilien Haltefristen zum steuerfreien Verkauf zu ermöglichen und bei Bitcoin nicht, ist nur schwer nachvollziehbar. Ob eine solche Ungleichbehandlung verfassungsrechtlich Bestand hätte, dürfte im Zweifel ohnehin die Gerichte beschäftigen.

Fatales Signal: Krypto ist in Deutschland unerwünscht

Die Auswirkungen der Anti-Krypto-Politik sind bereits heute sichtbar. Krypto-Unternehmen lassen sich lieber im Ausland nieder und unnötige neue Mittelsmänner wie der Kryptowertpapierregisterführer erschweren die Etablierung der Tokenisierung.

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Hinzu kommt, dass Blockchain-Infrastrukturen für autonom agierende KI-Systeme strategisch wichtiger werden, etwa für Identitäten, Zahlungen und Smart Contracts. Eine große Chance für Deutschland und seine digitale Souveränität, die man entweder ignoriert oder nicht versteht.

Abschaffung Krypto-Haltefrist: mehr symbolischer Nutzen

Für fiskalisch überschaubare Mehreinnahmen riskiert man einmal mehr die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Man will nicht einmal die Umsetzung von DAC8 abwarten, die ab 2027 erstmals eine deutlich bessere Datengrundlage für den Krypto-Markt schaffen soll. Noch schwerer wiegt für mich das Signal, das man an Protokolle, Tech-Unternehmer und Krypto-Investoren sendet: “Wir wollen oder brauchen euch hier nicht.”

Jetzt ist die CDU am Zug. Sie hat sich bislang gegen die Abschaffung der Krypto-Haltefrist gestellt. Knickt sie nun gegenüber der SPD ein, wäre das mehr als ein steuerpolitischer Fehler.

Doch was denkst du über die geplante Abschaffung der Krypto-Haltefrist? Teile uns deine Meinung gerne bei der BTC-ECHO Community Umfrage mit. Diese läuft noch bis zum 12. Oktober 2026.

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