Bitcoin aktuell 

Dieses Protokoll erzeugt 60 Prozent aller Bitcoin-Transaktionen

Fast 60 Millionen Transaktionen in nur 90 Tagen. Ein Token hat das Bitcoin-Netzwerk in diesem Sommer stärker beschäftigt als alle anderen Anwendungen zusammen.

Jan-Malte Minnerup
Teilen
Eine Bitcoin-Münze vor blauem Hintergrund

Beitragsbild: Shutterstock

| Ein Großteil der Bitcoin-Aktivität geht auf automatisierte DIESEL-Mints zurück

Wer bei DIESEL an eine italienische Modemarke oder die hohen Spritpreise an der Tankstelle denkt, liegt hier komplett falsch. In den vergangenen Monaten hat sich auf Bitcoin eines der aktivsten Protokolle entwickelt, über das ein erheblicher Teil aller BTC-Transaktionen läuft – und doch hat kaum jemand davon gehört. Die Rede ist von dem Metaprotokoll Alkanes, über das zusätzliche Anwendungen und Token auf der Blockchain abgebildet werden können. DIESEL ist einer dieser Token und der Hauptgrund für die große Zahl an Alkanes-Transaktionen. Dabei galt das Protokoll anfangs selbst unter vielen Bitcoin-Kennern eher als kleines Experiment am Rand des Netzwerkes. Sie alle wurden eines Besseren belehrt und vielleicht ist das gerade erst der Vorgeschmack auf die nächste Welle von Metaprotokollen.

Sechs von zehn Bitcoin-Transaktionen

Zwischen dem 23. Juni und dem 20. September registrierte SUBFROST, das Unternehmen hinter einem großen Teil der Alkanes-Infrastruktur, ganze 59,9 Millionen Alkanes-Transaktionen. Innerhalb des Untersuchungszeitraums von 90 Tagen entsprach das 61,1 Prozent aller Bitcoin-Transaktionen. Für die wirtschaftliche Aktivität auf der Blockchain ist das Protokoll allerdings weniger bedeutend, als es diese Zahl zunächst vermuten lässt. Gemessen an dem gesamten Bitcoin-Blockgewicht entfielen gerade einmal 40,3 Prozent auf das Protokoll und nur 13,4 Prozent der gezahlten Transaktionsgebühren.

Alkanes macht Bitcoin programmierbar

Dennoch hat Alkanes einen großen Einfluss auf Bitcoin und die dahinterliegende Blockchain. Als sogenanntes Metaprotokoll ermöglicht das ursprünglich als Experiment gestartete Protokoll die programmierbare Logik, die über BTC-Transaktionen ausgelöst wird.

Dafür können Entwickler Programme schreiben, die anschließend über spezielle Indexer interpretiert werden. Ein normaler Bitcoin-Node weiß dabei nicht, dass eine bestimmte Transaktion beispielsweise einen DIESEL-Mint oder eine andere Alkanes-Funktion ausführt. Das Bitcoin-Protokoll selbst überprüft nur die zugrunde liegende Transaktion auf ihre Richtigkeit und fügt sie der Chain hinzu. Die Relevanz dieser Unterscheidung zeigte sich unter anderem Anfang Juli, als ein Angreifer einen Fehler in der Auswertung des Alkanes-Zustandes ausnutzte und dadurch 1,47 Millionen Phantom-DIESEL erzeugte. Diese künstlich erzeugten Token tauschte er anschließend gegen 82,3 frBTC ein. Bitcoin selbst war von dem Vorfall aufgrund der anderen Infrastrukturebene nicht betroffen.

Ein DIESEL-Motor steckt hinter Millionen Transaktionen

Es ist aber nicht so, dass Millionen Menschen seit Kurzem angefangen haben, unterschiedlichste Anwendungen auf Bitcoin zu nutzen und so die Zahl an Alkanes-Transaktionen in die Höhe schießen lassen. Fast die gesamte Aktivität geht auf das Minting von DIESEL zurück. Dabei handelt es sich um einen Token innerhalb des Alkanes-Systems, dessen Minting direkt im Protokoll verankert ist. Bei jedem Bitcoin-Block wird eine bestimmte Menge DIESEL ausgeschüttet, wobei sich die Emission an der aktuellen Bitcoin-Blocksubvention orientiert.

In den ersten Monaten nach dem Start von DIESEL im Januar 2025 war die Aktivität noch vergleichsweise gering. Pro Tag wurden lediglich einige Hundert DIESEL-Mints ausgeführt. Der Grund lag im ursprünglichen Mechanismus, bei dem innerhalb eines Blocks nur ein Gewinner zum Zug kam. Später änderte sich der Mechanismus so, dass mehrere Transaktionen innerhalb eines Blocks eine Belohnung erhielten. Auf diese Weise stieg die Anzahl der täglichen Mints sprunghaft auf Hunderttausende, an besonders aktiven Tagen konnten es auch mal eine halbe Million sein.

Das erklärt auch, warum die große Zahl an Alkanes-Transaktionen nicht mit einer ebenso großen wirtschaftlichen Aktivität gleichzusetzen ist. Beim DIESEL-Mint können Nutzer dieselbe Aktion immer wieder ausführen und entsprechend automatisieren. Darum sind ihre Transaktionsgebühren mit 130 Satoshis auch sieben- bis achtmal so günstig wie alle anderen BTC-Transaktionen.

Warum viele Beobachter stattdessen Runes sahen

Dennoch kann man dem Protokoll seine Größe innerhalb des Bitcoin-Netzwerkes nicht absprechen. Dass eine derart große Aktivität für viele unbemerkt geblieben ist, liegt an der technischen Konstruktion von Alkanes. DIESEL-Mints werden innerhalb eines Runestones transportiert. Dabei handelt es sich um Datenstrukturen, die ursprünglich für das Runes-Protokoll auf Bitcoin genutzt werden und es ermöglichen, zusätzliche Token auf Bitcoin auszugeben.

Viele DIESEL-Transaktionen enthalten daher Informationen, die ein Runes-Indexer als gewöhnliche Runes-Aktivität einordnet. Erst ein spezieller Alkanes-Indexer liest die zusätzlichen Daten aus und erkennt, dass mit BTC-Transaktion auch einen DIESEL-Mint ausführt. Am deutlichsten zeigt sich das beim UNCOMMON•GOODS Token, dessen Mints zu 99 Prozent DIESEL enthalten.

Neun von zehn OP_RETURN-Einträge auf Bitcoin entfielen zwischen April und Juni auf Alkanes I Bitcoin Block Space Weekly

Darüber hinaus spielt Alkanes auch bei der gespeicherten Datenmenge eine große Rolle. Ihre Datensätze sind mit durchschnittlich 21 Bytes vergleichsweise klein und entsprechend lediglich wenigen Wörtern Text, machen seit dem Start von DIESEL dennoch 79 Prozent aller über OP_RETURN geschriebenen Daten aus.

Ist DIESEL Spam oder legitime Bitcoin-Nutzung?

Innerhalb der Bitcoin-Community steht man solchen Metaprotokollen und ihren Token jedoch nicht nur positiv gegenüber. Ihre Kritiker argumentieren seit Jahren, dass sie den begrenzten Blockspace für Aktivitäten beanspruchen, die mit Bitcoins ursprünglicher Funktion als Geldsystem wenig zu tun haben. Die Gegenposition lautet, dass der Gebührenmarkt darüber entscheiden soll, welche Transaktionen einen Platz im nächsten Block erhalten. Wer eine ausreichende Gebühr bezahlt, konkurriert unter denselben Regeln um den vorhandenen Platz.

Für die Miner ist jedoch vor allem entscheidend, wie viel die Transaktion finanziell einnimmt und da macht der DIESEL-Token inzwischen einen Anteil von fast 16 Prozent aller BTC-Gebühren aus. An einzelnen Tagen Ende Juni lag der Wert sogar oberhalb von 25 Prozent. Weil die Transaktionsgebühren aktuell aber nur einen kleinen Teil der Belohnungen ausmachen, relativiert sich dieser Anteil bei einer Gesamtbetrachtung wieder.

Für jeden gefundenen Block erhalten die Miner derzeit 3,125 BTC, was bei durchschnittlich 144 Blöcken pro Tag etwa 450 neuen BTC entspricht. Dazu kommen täglich ungefähr 220.000 US-Dollar aus Transaktionsgebühren, die zusammengenommen allerdings bei einem Wert von weniger als 0,1 Prozent der gesamten Mining-Belohnungen liegen.

Das könnte dich auch interessieren