Von Bären und Bullen – Wie wir über den Kurs von Kryptowährungen sprechen

In unseren Kursanalysen fallen Worte, die nicht für jeden auf Anhieb verständlich sind. Mal ist der Bitcoin-Kurs bullish, dann ist der Ethereum-Kurs bearish – von MACD, Resistance und RSI ist die Rede. Damit auch Einsteiger mit diesen Begriffen etwas anfangen können, hier eine kurze Erklärung.



Ganz grob herunter gebrochen: Geht es mit dem Kurs bergab, ist er bearish (bärisch), geht es bergauf, ist er bullish (bullisch). Man kann sich das bildlich ganz einfach merken: Der Bär schlägt mit seiner Pranke nach unten, der Bulle stößt mit seinen Hörnern nach oben.

Die Grundstimmung im Bärenmarkt ist also letztlich in Bezug auf den Kursverlauf negativ – es geht bergab. Wann dieser Bärenmarkt beginnt, ist nicht immer leicht zu sagen – die Stimmung kann an den Märkten recht schnell umschlagen, vor allem die Nachrichtenlage kann hier wichtig sein. Als zum Beispiel im letzten Jahr China oder dieses Jahr Südkorea Regulierungen bzw. Verbote ankündigte, gerieten viele Anleger in Panik – die Stimmung war insgesamt bearish. Für Anleger muss ein bearisher Kurs jedoch keinesfalls etwas Negatives sein: Wer den richtigen Moment erwischt, fängt den Bären im richtigen Moment ab und kauft sich ein, denn irgendwann wird der Markt wieder bullish. Auch kann man auf den sinkenden Kurs wetten – das heißt dann Shorting. Wie das funktioniert, steht unter anderem hier. An dieser Stelle geht es jedoch um das Gegenstück – die Long-Position.

Der Bullenmarkt ist im Prinzip das Gegenstück zum Bärenmarkt – es geht bergauf. Die Stimmung ist in Bezug auf den Kursverlauf positiv, man geht davon aus, dass es weiter bergauf geht. Anleger, die im richtigen Moment zugeschlagen haben, freuen sich über steigende Kurse. So weit so gut. Doch wann wird ein Bärenmarkt zum Bullenmarkt und vice versa? Hier kommen die Begriffe Resistance und Support ins Spiel.

Resistance, Support und der Kurs

Um es wieder kurz zu halten: Resistance ist der Widerstand und Support ist die Unterstützung des Kurses. Bei beiden handelt es sich um Level im Kursverlauf, an denen der Kurs in der Vergangenheit Schwierigkeiten beim Anstieg oder Fall hatte. Die Resistance hindert ihn daran, weiter nach oben durchzubrechen, der Support hindert den Kurs daran, noch tiefer zu fallen.

Wenn der Kurs sich also auf diese Punkte zubewegt, kann an solchen Stellen aus einem Bullen- ein Bärenmarkt werden und umgekehrt. Er testet diese Linien – je öfter er an ihnen dreht, desto stärker werden sie. Durchbricht der Kurs diese Linien jedoch, ist es wahrscheinlich, dass der Kurs in dieselbe Richtung weiterläuft.

EMA, MACD, RSI – einfach erklärt

Der EMA oder exponentieller gleitender Mittelwert ist eine spezielle Form des gleitenden Mittelwerts, der die aktuellen Kursbewegungen stärker berücksichtigt als die älteren. Wenn der Kurs darunter fällt, agiert der EMA oft als Resistance, wenn er darüber ist, als Support.

Die MACD-Linie steht für Moving Average Convergence/Divergence und ist auf das Verhalten zwischen drei gleitenden Mittelwerten ausgerichtet. Sie gibt Informationen über die langfristige Kursentwicklung. Wird sie positiv, ist das ein bullishes Signal, wird sie negativ, ist es ein bearishes Signal. RSI steht hingegen für Relative Strength Index und gibt Auskunft darüber, wie sich der Kurs innerhalb der letzten Zeit verhalten hat. Damit zeichnet der RSI vor allem aktuelle Trends nach. Ein RSI über 50 spricht für eine bullishe, unter 50 für eine bearishe Kursentwicklung. Weiterhin kann ein RSI dabei helfen, Trendumkehrungen zu erkennen: Ein RSI über 70 spricht für einen überkauften Markt, während ein RSI unter 30 als überverkauft gilt. Gerade ein niedriger RSI war schon oft ein Vorbote einer Trendwende.

Wann soll ich jetzt kaufen?

Die technische Analyse beziehungsweise Chartanalyse versucht, eine Einschätzung zu formulieren, aus der man weitere Handelsstrategien ableiten kann. Die Basis für die Handelsstrategien liefert die Einschätzung weiterer Kursverläufe.

  • Wenn das Ergebnis einer technischen Analyse eine bullishe Einschätzung ist, geht der Analyst von einer positiven Kursentwicklung aus. Eine Long-Position beziehungsweise der Kauf von Coins, die in der Analyse betrachtet werden, wäre die Basis einer weiteren Handelsstrategie. In den Analysen wird weiterhin ein Support angegeben, der als Stop-Loss, beziehungsweise als eine Art doppelter Boden verstanden werden kann. Sollte der Kurs auf dieses Level zurückfallen, kann man darüber nachdenken, die Position abzustoßen: also Verkaufen. Die Resistance kann als eine Abschätzung genutzt werden, die angibt, wie weit die Reise gehen kann – es handelt sich dabei um ein Ziel, bis wohin sich ein Kurs entwickeln kann. Hier kann man ein Target setzen, ein Ziel, bei dem der Coin gewinnbringend verkauft wird – oder zumindest die Situation neu analysiert wird.
  • Im Fall einer bearishen Einschätzung wird angenommen, dass sich der Kurs weiter bergab bewegt. Für jene, die überlegen, in einen Coin zu investieren, ist die Kenntnis über ein Ende des aktuellen Bärenmarktes hilfreich. Der Support gibt dann an, an welcher Stelle mit einem Bounce, einem Wiedererstarken des Kurses aus Sicht des Analysten, zu rechnen ist. Auf Basis der Kursanalyse kann man dann über eine Long-Position nachdenken. Die Resistance ist ein weiteres Maß, welches für eine Long-Position interessant ist: Steigt der Kurs über diese Resistance, würde das auch auf ein Ende des aktuellen Bärenmarktes hindeuten, was ebenfalls einen guten Zeitpunkt zum Einkauf darstellt.

Beide Fälle beziehen sich auf Neueinsteiger. Für Investoren, die schon länger dabei sind, ist es sinnvoll, sich die Langzeitsupports anzuschauen. Wenn diese durchbrochen werden, ist das ein sinnvolles Ausstiegssignal. Ehemalige Supports, die nach einem dramatischen Kursfall eine Resistance darstellen, sind dann interessante Wiedereinstiegspunkte.

Wer es übrigens ganz genau wissen will, darf gerne in unseren Tutorials lesen. Und nun: Viel Spaß mit unseren Kursanalysen!

Diese Erklärung entstand in Kooperation mit unserem Analysten Dr. Philipp Giese, dessen technische Kursanalysen nun hoffentlich auch für Einsteiger leichter verständlich sind.

BTC-ECHO

Über Phillip Horch

Phillip HorchPhillip Horch hat im Oktober 2017 sein Masterstudium in Literatur-Kunst-Medien an der Uni Konstanz abgeschlossen und arbeitet seitdem als freier Journalist. Bereits während seinem Studium hat er für verschiedene Magazine geschrieben und fasst nun in Berlin Fuß. Im Fokus seines journalistischen Schaffens stehen vor allem die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung, sodass er sich seit einiger Zeit auch mit dem Themenkomplex Blockchain und Kryptowährungen befasst.

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