Nach Veröffentlichung der Quartalszahlen fiel die Coinbase-Aktie am Donnerstag im nachbörslichen Handel zunächst um rund sieben Prozent. Im vorbörslichen Handel am Freitag reduzierte sie das Minus zumindest auf rund vier Prozent.
Dabei konnte die Krypto-Börse ihren Anteil am weltweiten Krypto-Handelsvolumen auf einen Rekordwert steigern und deutliche Fortschritte bei der Diversifizierung ihres Geschäfts erzielen. Belastet wurde der Kurs jedoch durch schwache Finanzkennzahlen.
Der Umsatz sank im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent auf 1,22 Milliarden US-Dollar und blieb damit unter den Erwartungen. Unter dem Strich verbuchte Coinbase einen Verlust von rund 359 Millionen US-Dollar.
Prognosemärkte wachsen rasant
Besonders stark entwickelte sich das Geschäft mit Prognosemärkten. Die Zahl der gehandelten Kontrakte und die damit erzielten Einnahmen stiegen gegenüber dem Vorquartal um 106 Prozent. Auf das Jahr hochgerechnet erwirtschaftet der Geschäftsbereich inzwischen mehr als 100 Millionen US-Dollar.
Neue binäre Kontrakte, die erst gegen Ende des Quartals eingeführt wurden, verdreifachten nach Angaben des Unternehmens die Zahl der täglich aktiven Trader. Die täglichen Einnahmen lagen zuletzt viermal so hoch wie noch im Mai.
Auch im Kerngeschäft gewann Coinbase weitere Marktanteile. Der Anteil am weltweiten Krypto-Handelsvolumen stieg von 9,1 auf 10,3 Prozent – der dritte Rekordwert in Folge. Damit wächst die Plattform trotz einer insgesamt rückläufigen Handelsaktivität schneller als der Gesamtmarkt.
Coinbase wird unabhängiger von Bitcoin
Die Zahlen unterstreichen die sogenannte Strategie der “Everything Exchange”, mit der Coinbase sein Angebot über den klassischen Krypto-Handel hinaus erweitert. Dazu zählen neben Prognosemärkten auch Derivate, tokenisierte Aktien, Zahlungen und Kreditprodukte.
Das Geschäft mit dem Stablecoin USDC legte ebenfalls zu. Durchschnittlich hielten Kunden rund 20 Milliarden US-Dollar in Coinbase-Produkten – ein neuer Höchstwert. Die Einnahmen aus Abonnements und Dienstleistungen erreichten 555 Millionen US-Dollar und machten damit fast die Hälfte des Nettoumsatzes aus.
Inzwischen stammen 88 Prozent der Nettoerlöse aus Bereichen außerhalb des Bitcoin-Spot-Handels. Zudem erzielte Coinbase das 14. Quartal in Folge ein positives bereinigtes EBITDA.
Anleger konzentrierten sich dennoch auf den Umsatzrückgang, den Nettoverlust und die schwächere Handelsaktivität. Die Reaktion zeigt, dass neue Geschäftsfelder zwar zunehmend an Bedeutung gewinnen, den zyklischen Rückgang des klassischen Krypto-Handels bislang aber noch nicht vollständig ausgleichen können.
Währenddessen droht CEXes wie Coinbase zudem Konkurrenz aus dem traditionellen Finanzsystem, denn die Sparkasse und BW-Bank öffnen sich nun für Krypto.

