Bedrohen Stablecoins tatsächlich das Geschäftsmodell klassischer Banken? Nach monatelangen Warnrufen legt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) erstmals belastbare Daten dazu vor. Für die Branche dürfte das Ergebnis beruhigend sein, denn die Kontrolle liegt offenbar weiterhin bei den Geldinstituten selbst.
Die Ökonomen Rashad Ahmed und Iñaki Aldasoro werteten für ihr Arbeitspapier Wochendaten von Januar 2019 bis Juni 2025 aus. Dabei berücksichtigten sie den Bitcoin-Kurs, die Renditen von US-Staatsanleihen sowie die allgemeine Lage an den Finanzmärkten.
Ein Hundertstel Prozentpunkt genügt
Der zentrale Befund, um den es sich letztendlich handelt, ist eine äußerst kleine Zahl. Steigen die durchschnittlichen Einlagenzinsen der US-Banken um einen einzigen Basispunkt, also um 0,01 Prozentpunkte, verlangsamt sich das Wachstum der Stablecoin-Marktkapitalisierung über die folgenden zehn Wochen bereits spürbar. Statt rund 15 Prozent wären es dann noch etwa 12 Prozent.
Nach einer alternativen Berechnung der Autoren fällt der Effekt sogar dreimal so stark aus, das Wachstum sänke dann auf etwa sechs Prozent. Methodisch ist diese Variante allerdings angreifbar, wie die Forscher selbst einräumen.
Entscheidend ist in beiden Fällen: Der Stablecoin-Markt wächst langsamer, schrumpft aber nicht. Niemand tauscht seine Stablecoins zurück, nur weil die Sparzinsen ansteigen. Auffällig ist auch, dass der Zusammenhang bei Circles USDC deutlich stärker ausfällt als bei Tethers USDT, was die Autoren auf die engere Verbindung von USDC zu US-Nutzern zurückführen.
Was die Studie nicht zeigt
Trotz der deutlichen Entwarnung ist die Aussagekraft begrenzt, denn neben dem Ausbleiben messbarer Einlagen- oder Kreditverluste könnte das vorherrschende Hochzinsniveau die Ergebnisse verfälschen.
Noch wichtiger ist ein zweiter Punkt. Da die Datenerhebung im Juni 2025 endete, fehlen jüngere Entwicklungen wie verzinste Stablecoins und tokenisierte Geldmarktfonds vollständig. Diese Produkte verschieben die Rechnung, weil sie den Zinsvorteil der Banken aushebeln. Citi und Coinbase etwa bieten inzwischen Firmenkonten an, auf denen Guthaben automatisch in Stablecoins wandern und dort bis zu 3,75 Prozent abwerfen.
In den USA war das Argument, verzinste Stablecoins könnten Einlagen abziehen, welcher mit unter einer der Gründe für das Scheitern des Clarity Act im September war.
Für die Banken besteht nach Ansicht der Ökonomen vorerst kein Grund zur Sorge: Denn über ihre eigene Zinspolitik halten sie das entscheidende Gegenmittel nach wie vor selbst in der Hand.


