Die Tokenisierung soll den Aktienmarkt grundlegend verändern und immer mehr Krypto-Börsen bringen entsprechende Angebote auf den Markt. Doch nun warnt der Internationale Währungsfonds (IWF) vor erheblichen Schwankungen der noch jungen Handelsplätze. In seinem neuen Global Financial Stability Report kommt der IWF zu dem Ergebnis, dass tokenisierte Aktien 50 Prozent stärkeren Kursschwankungen unterliegen als ihre traditionellen Pendants. Zudem ist ihre Liquidität deutlich geringer.
Die Untersuchung zeigt allerdings auch, dass die neuen Handelsmöglichkeiten durchaus auf Nachfrage stoßen und mehr als die Hälfte des Handels außerhalb der regulären US-Börsenzeiten stattfindet. Gut 80 Prozent der untersuchten Geschäfte betrafen zudem Geschäfte im Umfang von weniger als eine vollständige Aktie.
Geringe Liquidität erhöht die Risiken
Das größte Problem sieht der IWF aber vor allem am außerbörslichen Handel. Wenn die traditionellen US-Börsen geschlossen sind, fehlt ein laufend aktualisierter Referenzpreis für die zugrundliegenden Aktien. Dadurch lässt sich für Anleger schwerer beurteilen, ob der aktuelle Tokenpreis dem tatsächlichen Wert des jeweiligen Unternehmens entspricht.
Dazu kommt, dass auf den neuen Handelsplätzen bislang vergleichsweise wenige Käufer und Verkäufer aktiv sind, sodass schon kleinere Aufträge größere Kursbewegungen auslösen können. Ende Juli 2026 umfasste der Markt tokenisierter Vermögenswerte etwa 65 Milliarden US-Dollar, davon entfielen aber lediglich 2,3 Milliarden US-Dollar auf tokenisierte Aktien. Mehr als 70 Prozent dieses Teilmarktes konzentrierten sich dabei auf die Angebote von Ondo Finance und Backed Finance. Mit zunehmender Verbreitung könnten Liquiditätsengpässe und die stärkere Verflechtung mit traditionellen Finanzmärkten nach Ansicht des IWF jedoch größere Probleme verursachen.

