Deutschlands größte Finanzgruppe steigt in den Krypto-Handel ein. Seit diesem Montag können die ersten Sparkassen-Kunden Bitcoin, Ethereum, XRP, Solana und Polygon direkt über ihre Banking-App kaufen und verkaufen. Das Angebot läuft unter dem Namen “Krypto powered by Deka” und wird von der DekaBank bereitgestellt, dem offiziellen Partner für Wertpapiergeschäfte der Gruppe. Für die Handelsinfrastruktur arbeitet die Deka mit der Börse Stuttgart zusammen, die Verwahrung übernimmt die Bank selbst. Ein eigenes Wertpapierdepot ist dafür nicht erforderlich; die Kosten belaufen sich auf 0,99 Euro pro Order zuzüglich des Spreads zwischen An- und Verkaufspreis.
Starttermine sind unterschiedlich
“Wann eine Sparkasse startet, entscheidet sie selbst”, sagte Joachim Schmalzl, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des DSGV, der dpa. Monatlich sollen 30 bis 40 weitere Institute hinzukommen. Mehr als 230 Sparkassen und damit rund zwei Drittel aller Institute haben signalisiert, das Angebot einführen zu wollen. “Im ersten Halbjahr 2027 wollen wir bereits einen großen Teil der interessierten Sparkassen angebunden haben”, so Schmalzl.
Kaufen ja, beraten nein
Der DSGV bezeichnet Kryptowährungen weiterhin als hochspekulative Anlagen und weist Kunden ausdrücklich auf starke Kursschwankungen und das Risiko eines Totalverlusts hin. Eine Beratung findet nicht statt, aktiv beworben soll es ebenfalls nicht. Außerdem richtet sich das Angebot ausschließlich an volljährige Kunden, die eigenständig entscheiden wollen. Für den langfristigen Vermögensaufbau empfiehlt die Gruppe unverändert Wertpapiere und Sparpläne.
“Wir haben sehr genau abgewogen, ob und wie ein Krypto-Angebot zu uns passt”, sagte Schmalzl. Ausschlaggebend seien die Nachfrage der Kunden gewesen, sowie eine verlässliche europäische MiCA-Verordnung. Wie eng die Zielgruppe gefasst ist, hatte DSGV-Pressesprecher Stefan Marotzke bereits im Juli gegenüber BTC-ECHO erklärt: “Es ist eine kleine Gruppe von volljährigen Selbstentscheidern, die ganz bewusst auf Kryptowährungen setzen. Diese Kunden wissen in aller Regel, welche Risiken sie eingehen.”
Vom Schneeballsystem zur App-Funktion
Einen Haken gibt es allerdings für alle, die ihre Coins selbst verwahren wollen, denn die privaten Schlüssel liegen bei der DekaBank, womit Kunden keine direkte Kontrolle über ihre Bestände haben. Auszahlungen sind zwar möglich, laut Produktseite aber nur an Adressen bestimmter zugelassener Kryptodienstleister. Welche das sind, bleibt bislang offen. Eine direkte Übertragung auf die eigene Hardware-Wallet ist damit nach aktuellem Stand ausgeschlossen.
Während des Krypto-Hypes 2021, gab es bereits erste Pläne für ein Krypto-Angebot, welche aber innerhalb der Sparkassengruppe für erheblichen Streit sorgte. Der damalige DSGV-Präsident Helmut Schleweis verglich Bitcoin seinerzeit mit Schneeballsystemen, im Sommer 2022 landeten die Pläne dann in der Schublade.
Mit dem Start schließen die Sparkassen nun zu einem Feld auf, das längst besetzt ist. Neobanken wie, Trade Republic oder Revolut bieten Krypto-Handel seit Jahren an, zuletzt zogen auch die Volksbanken und die BW-Bank nach.



