Nach dem millionenschweren Diebstahl von Kryptowährungen über manipulierte Hardware Wallets ist zwischen Ledger-Chef Pascal Gauthier und dem ehemaligen Mt.-Gox-CEO Mark Karpelès ein öffentlicher Streit ausgebrochen. Karpelès wirft dem französischen Hersteller vor, bereits Monate vor den jüngsten Angriffen von gefährlichen Spionage-Chips gewusst und Nutzer nicht ausreichend gewarnt zu haben. Seiner Ansicht nach hätten frühzeitige Warnungen Verluste von mehr als 90 Millionen US-Dollar verhindern können.
Gauthier wies die Kritik zurück und forderte Karpelès auf, sich an die Fakten zu halten. Anschließend wurde die Auseinandersetzung persönlich, als der Ledger-Chef seinem Kritiker vorhielt: “Das sagt der CEO von Mt. Gox… Komm schon, Mann. Du bist kein weißer Ritter. Sei doch mal realistisch…”. Damit spielte Gauthier auf den Zusammenbruch der einst größten Bitcoin-Börse Mt. Gox im Jahr 2014 an, bei dem rund 850.000 BTC verloren gingen. Karpelès entgegnete, dass er gerade aufgrund seiner Erfahrungen höhere Sicherheitsstandards erwarte.
Ledger soll bereits Monate zuvor von Spionage-Chips gewusst haben
Auslöser des Streits sind manipulierte Ledger-Geräte, in denen Kriminelle zusätzliche Platinen versteckt hatten. Diese konnten die aus 24 Wörtern bestehende Wiederherstellungsphrase beim Einrichten einer Wallet abfangen und an die Angreifer übertragen. Karpelès hatte selbst ein originalverpacktes Gerät geöffnet und einen solchen Chip entdeckt, der hinter dem Bildschirm verborgen war. Mit den erbeuteten Zugangsdaten konnten die Täter anschließend auf die Kryptowährungen ihrer Opfer zugreifen.
Karpelès verweist auf einen Sicherheitsleitfaden von Ledger vom 6. März 2026, in dem bereits manipulierte Geräte beschrieben wurden. Seiner Darstellung zufolge waren darin auch industriell gefertigte Spionage-Chips zu sehen. Allerdings wurde der Artikel im September überarbeitet, weshalb sich bislang nicht eindeutig feststellen lässt, ob die entsprechenden Abbildungen bereits im März enthalten waren.
Hinzu kommt, dass Ledgers eigene Echtheitsprüfung solche Manipulationen nicht zuverlässig erkennen kann. Der Genuine Check überprüft den originalen Sicherheitschip des Geräts, erkennt aber nicht zwangsläufig zusätzlich eingebaute Bauteile. Solange der eigentliche Chip unbeschädigt bleibt, kann eine manipulierte Wallet die Prüfung bestehen. Ledger betont allerdings, dass weder sein Betriebssystem noch die eigenen Server oder Sicherheitschips bei den jüngsten Angriffen kompromittiert wurden.


