BTC-ECHO Community Report 

Krypto-Haltefrist-Aus? So hart urteilen 274 Anleger

Die BTC-ECHO Community blickt optimistisch auf den Krypto-Markt, die Pläne des Finanzministeriums sorgen aber für Ärger. 274 Leserinnen und Leser haben uns gesagt, was das Aus der Haltefrist für sie bedeuten würde. Dazu gibt es wie gewohnt die Bitcoin-Prognose der Community.

Sven Wagenknecht
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Man sieht einen Vordruck vom Finanzamt. Rechts davon liegt ein Kugelschreiber ab und mittig oben sind zwei Bitcoin-Münzen auf dem Formular positioniert.

Beitragsbild: Shuttertstock, Bildmontage

| Die Krypto-Haltefrist soll nach Plänen der SPD abgeschafft werden. Die BTC-ECHO Community schlägt Alarm

Was würde die Abschaffung der einjährigen Haltefrist für Kryptowerte für Anleger in Deutschland bedeuten? Diese Frage haben wir im vierten Quartal der BTC-ECHO Community gestellt. Zwischen dem 5. und 12. Oktober haben 274 Leserinnen und Leser teilgenommen und uns gesagt, wie sie die Pläne des Finanzministeriums einschätzen, wie sich Privatanleger dann verhalten würden und wo sie Bitcoin in sechs Monaten sehen.

Politisch ist die Lage weiter offen. Laut Referentenentwurf sollen Gewinne aus Kryptowerten, die ab 2027 angeschafft werden, unabhängig von der Haltedauer besteuert werden. Den geplanten Kabinettstermin am 14. Oktober hat die Bundesregierung allerdings abgesagt, der Entwurf steckt in der Ressortabstimmung.

Die Community-Umfrage führen wir gemeinsam mit der IU Internationalen Hochschule durch, die wissenschaftliche Leitung liegt bei Prof. Dr. David Florysiak. Neu ist in diesem Quartal, dass wir dieselben Fragen zeitgleich auch Krypto-Insidern gestellt haben. Wo es sich anbietet, ordnen wir die Antworten der Community kurz im Vergleich ein.

1. Krypto-Optimismus-Index: Die Zuversicht bleibt

Die Community blickt unverändert zuversichtlich auf die Krypto-Branche. Der Krypto-Optimismus-Index liegt bei 70,3 Punkten (274 Antworten) und damit fast exakt auf dem Niveau des Vorquartals mit 70,6 Punkten. Der Index bildet auf einer Skala von 0 bis 100 ab, wie optimistisch die Befragten auf Unternehmen und Markt blicken.

70,1 Prozent der Teilnehmenden sind optimistischer als im Vorquartal, 8,0 Prozent weniger optimistisch. 21,9 Prozent sehen keine Veränderung. Die Insider kommen mit 69,5 Punkten auf einen nahezu identischen Wert, allerdings nach einem deutlichen Anstieg von zuvor 60,5 Punkten. Die Community war ihnen also schon im Sommer einen Schritt voraus.

2. Bitcoin-Prognose: Knapp unter 100.000 US-Dollar

Bis Anfang April 2027 erwartet die Community im Schnitt einen Bitcoin-Kurs von rund 97.400 US-Dollar (259 gültige Prognosen). Das entspricht einer erwarteten Rendite von 15,4 Prozent gegenüber dem Kurs zum Umfragezeitpunkt. Im Vorquartal lag die Sechs-Monats-Erwartung noch bei rund 89.600 US-Dollar. 82,6 Prozent der Teilnehmenden rechnen mit einem höheren Kurs.

Im Worst-Case-Szenario, mit einer Wahrscheinlichkeit von 10 Prozent, fällt Bitcoin unter rund 64.800 US-Dollar. Im Best-Case-Szenario, ebenfalls mit 10 Prozent Wahrscheinlichkeit, steigt der Kurs über rund 122.300 US-Dollar. Der BTC-6M-Volatilitäts-Index liegt bei 25,6 Punkten und damit klar unter der historischen Volatilität von 31,7. Die Community erwartet also einen ruhigeren Markt als zuletzt.

Beim Kursziel liegen Community und Insider fast gleichauf, die Insider erwarten rund 96.100 US-Dollar. Die Spanne zwischen Worst und Best Case fällt bei der Community aber etwas breiter aus.

3. Haltefrist: Zwei Drittel rechnen mit dem Aus

Im Schnitt halten es die Teilnehmenden zu 68,6 Prozent für wahrscheinlich, dass die Abschaffung der Krypto-Haltefrist innerhalb der nächsten sechs Monate gesetzlich beschlossen wird (254 Antworten, Median 75 Prozent). 66 Prozent setzen die Wahrscheinlichkeit über 50 Prozent an, knapp ein Drittel sogar bei 90 Prozent oder mehr. 15,4 Prozent halten einen Beschluss für eher unwahrscheinlich. 17 Teilnehmende gaben keine Einschätzung ab.

Die Community ist damit etwas pessimistischer als die Insider, die auf 65,4 Prozent kommen. Beide Umfragen liefen vor der Absage des Kabinettstermins.

4. Nachfrage: Vier von fünf erwarten einen Rückgang

Fällt die Haltefrist, erwarten 80,1 Prozent der Community, dass die Nachfrage deutscher Privatanleger nach Kryptowerten sinkt. 22,1 Prozent rechnen mit einem deutlichen Rückgang, 25,0 Prozent mit einem Rückgang und 33,1 Prozent mit einem leichten. Nur 14,7 Prozent glauben, dass sich nichts ändert, 4,0 Prozent erwarten sogar mehr Nachfrage.

Das Urteil fällt damit klar härter aus als bei den Insidern, von denen 65,2 Prozent einen Rückgang erwarten, meist nur einen leichten.

5. Anlegerverhalten: Rückzug statt Trading

Als wichtigste Folge nennt die Community weniger neue Investitionen in Kryptowerte (30,9 Prozent). Dahinter folgen verstärktes kurzfristiges Trading (18,8 Prozent) und der Wechsel in Krypto-ETPs, Fonds oder ähnliche Produkte (14,0 Prozent).

Auffällig ist der hohe Anteil an Ausweichbewegungen. Jeweils 12,5 Prozent erwarten vor allem, dass Anleger auf Offshore-Plattformen, dezentrale Börsen oder in die Self-Custody ausweichen, um Meldepflichten oder Steuern zu umgehen, oder dass sie ihren Wohn- oder Steuersitz ins Ausland verlegen. Zusammen ist das jeder Vierte. Nur 6,6 Prozent rechnen mit keiner wesentlichen Änderung. Die Insider sehen dagegen vor allem mehr Trading als Folge.

6. Krypto-Standort Deutschland: Das klarste Urteil

Nirgends ist die Community so geschlossen wie bei der Frage nach dem Standort. 87,5 Prozent erwarten, dass sich Deutschland als Standort für Krypto-Unternehmen verschlechtert, mehr als die Hälfte sogar deutlich (55,3 Prozent). 9,2 Prozent sehen keine Veränderung, nur 2,6 Prozent eine Verbesserung. Bei den Insidern erwarten 73,9 Prozent eine Verschlechterung.

Zum Abschluss sollte die Community schätzen, wie viele von 100 Teilnehmenden in beiden Umfragen mit einer sinkenden Nachfrage rechnen. Bei den Insidern lag sie mit 66,6 fast genau richtig. Den Pessimismus in den eigenen Reihen unterschätzte sie dagegen deutlich, getippt wurden 73,1, tatsächlich sind es 80,1 Prozent.

7. Stimmen aus der Community

Viele Teilnehmende haben ihre Antworten kommentiert. Der Ton ist oft deutlich, die Argumente wiederholen sich aber auffallend häufig.

“Und was ist mit Gold?”

Die häufigste Frage betrifft die Gleichbehandlung mit Edelmetallen. “Ich frage mich, weshalb dies dann nicht auch für Gold gelten soll, schließlich dienen beide als Wertspeicher und es gibt keine Zinsen/Dividenden, doch die Käufer von Edelmetallen genießen nach wie vor die steuerlichen Vorteile”, schreibt Thomas. Der Teilnehmer Gerhard K. fragt “Und was ist mit Gold?” und fügt hinzu, das ursprüngliche Nein der CDU schmelze “wie unsere Gletscher in der Sonne”.

Ein anderer Teilnehmer erwartet, dass die Union nachgibt, hält die Reform dann aber “für verfassungsrechtlich angreifbar, wenn sich bei Gold in der Haltethematik nichts ändert”. Matthias rechnet sogar mit einer Bewegung in diese Richtung. “Da erwarte ich Umschichtungen in die verbliebenen steuerbegünstigten Assets wie Gold und Silber.”

Altersvorsorge: Hodler zahlen, Trader profitieren

Viele Leser sehen in der Haltefrist einen Baustein ihrer Altersvorsorge. Markus G. dreht die Debatte um. “Da klar ist, dass die gesetzliche Rente nicht für die Altersversorgung ausreichen wird, wäre es sozial gerecht und sinnvoll, für alle genannten Assetklassen eine Haltefrist einzuführen, anstatt diejenige von Kryptowährungen abzuschaffen.” Die erwarteten Mehreinnahmen würden “voraussichtlich eine Luftnummer sein, wie man am Beispiel Österreichs sehen kann”.

Ein Teilnehmer fordert, genauer hinzuschauen. “Es muss zwischen Tradern und Haltern/Hodlern unterschieden werden, die auf Altersvorsorge setzen und dem Staat später im Ruhestand nicht zusätzlich belasten wollen. Während Trader eher bevorteilt werden, da die Abgeltungssteuer geringer ist als der jetzige allg. EkSt-Satz, werden Hodler, die auf Altersvorsorge setzen, benachteiligt.” Sebastian kommt zum gleichen Schluss. “Kurzum: eine Abschaffung der Jahreshaltefrist bei gleichzeitiger Herabsetzung der unterjährigen Steuerlast schwächt den Vermögensaufbau von langfristig orientierten Sparerinnen und Sparern und begünstigt Zockerei.”

Hans R. wird grundsätzlich. “Habe nichts dagegen, dass Profis besteuert werden, werde ich ja auch in meinem Job. Aber meine Versuche, mich im Alter unabhängiger zu machen sollen jetzt noch stärker torpediert werden? Einfach schlechte Politik.”

Wut auf die Politik

Einige Kommentare sind offen wütend. “Ich selbst werde alles tun, um keine weiteren Steuern an diesen übergriffigen Staat abzutreten. Das ist mein Geld, das schon mehrfach versteuert wurde und mein Risiko”, schreibt Heiko. Für Dirk sind die Ziele des Finanzministers “ein Angriff auf kluge Altersvorsorge”. Er fordert die Union zum Handeln auf. “Sollte die CDU die SPD nicht an ihrem Vorhaben hindern und endlich verantwortungsvolle und weitsichtige Anleger unterstützen, wird sie weiter rasant am eigenen Ast sägen.”

Ein weiterer Teilnehmer ärgert sich über den Zeitpunkt. “Jetzt haben gerade Volksbanken und Sparkassen mit Kryptos angefangen, und nun stellt die Regierung Ihnen ein Bein.”

Abwanderung und Ausweichen

Wer es sich leisten kann, geht, glauben viele. Kitty erwartet, dass “das wirklich große Kapital, also die Menschen, die mehrere Bitcoin halten, ihre Bitcoin in anderen Ländern mit weniger Steuern veräußern und es fehlt echte Kaufkraft in Deutschland”. Für Alexandra wäre mit der Abschaffung “der letzte Standortvorteil Deutschlands ebenfalls verloren”.

Andere weichen schon heute aus. “Ich kaufe seit dem Inkrafttreten der DAC8 bereits keine Kryptos mehr im Spotmarkt. Nur noch ETC/ETP über die Börse”, schreibt Frank M. Ein Teilnehmer sieht darin ein Problem für den Markt. “Retail wird weniger Spot kaufen, dafür mehr ETF. Finde ich nicht gut, weil der ETF Handel OTC stattfindet… damit weniger Auswirkung auf den Preis…”

Gelassene Stimmen

Nicht alle teilen die Aufregung. Schmatoschi S. hält der Community einen Spiegel vor. “Die BTC-ECHO community ist extrem emotional und größtenteils bereits lange am Markt. Für diese Gruppe ist der Wegfall der Haltefrist deshalb besonders relevant, weil sie Teil der eigenen Investmententscheidung war.” Für neue Anleger hat die Änderung dagegen kaum Einfluss.

Momo H. sieht sogar Gewinner. “Und manch Krypto-Vieltrader freut sich vielleicht sogar, weil eine saubere Jahressteuerbescheinigung vom Broker ihm eine Last von den Schultern nimmt.” Wolfgang erwartet, dass die Anleger trotz Ärger “weiter im Markt bleiben”, weil sie weiterhin von Wertsteigerungen profitieren wollen. C. F. fasst es knapp zusammen. “Anlageentscheidungen sollte man unabhängig von Steuervorteilen treffen.”

Sven B. relativiert die Bedeutung für den Kurs. “Auf den Weltmarktanteil des Kryptomarktes wird der deutsche Anteil kaum Auswirkungen haben, also wird der Bitcoin nicht wie ein Stein fallen, nur weil wir Deutschen jetzt evtl. weniger Handel betreiben.”

Kaufwelle und Marktausblick

Kurzfristig erwarten einige sogar zusätzliche Käufe. “Bis Dezember 2026 wird euphorisch in Kryptowerte investiert, da die Kryptohaltefrist bis Ende 2026 gesichert ist”, glaubt Dinosaurier N.

Beim Blick auf den Markt überwiegt Zuversicht. “Die hohen Staatsschulden weltweit treiben immer mehr Private und Institutionelle in harte Assets. Daher ist der Ausblick für die nächsten Jahre sehr positiv”, schreibt Christian B. Sven B. hält den Boden für ausgeformt und sieht in den nächsten sechs Monaten einen ersten Angriff auf die Marke von 100.000 US-Dollar. Nachhaltig darüber sei Bitcoin aber erst, “wenn er die 106.151 Dollar rausnimmt”.

Die Community bleibt beim Kryptomarkt zuversichtlich und hält die Abschaffung der Haltefrist zugleich für einen Fehler. Viele sehen sich als Langfristanleger, die für ihre Altersvorsorge bestraft werden sollen. Sollte die Bundesregierung an ihren Plänen festhalten, ist zumindest bis Ende 2026 mit zusätzlichen Käufen zu rechnen, danach mit weniger frischem Geld aus Deutschland.

Wer wissen will, wie die Krypto-Insider die Reform bewerten und welche Unterschiede es zur Community gibt, der findet alle Ergebnisse im BTC-ECHO Insider Report für das vierte Quartal.

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