Warum viele Krypto-Start-ups die nächsten Monate nicht überleben werden

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Quelle: Shutterstock

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Betrachtet man den Krypto-Markt von der Seitenlinie, sieht es ziemlich gut aus. Die Qualität der Krypto-Start-ups wie beispielsweise Börsen hat signifikant zugenommen. Die Kurse konnten sich seit Jahresanfang aus ihren Tiefen befreien und immer mehr große Konzerne, allen voran Facebook, haben öffentlichkeitswirksam klargemacht, dass kein Weg an der Blockchain-Technologie vorbeigeht. Dennoch ist davon auszugehen, dass auch in den nächsten Monaten einige Blockchain-Unternehmen das Handtuch werfen müssen. Warum es trotz positiver Marktentwicklung vielen Krypto-Börsen an den Kragen gehen wird, welche Rolle dabei STO-Plattformen spielen und wieso eine bevorstehende Gesetzesänderung die Situation verschärft.

Verdrängungswettbewerb existiert nicht nur bei Essenslieferanten, Mobility-Plattformen und Mobilfunkanbietern, sondern zunehmend auch im Krypto-Sektor. Am deutlichsten zeigt sich dies bei Krypto-Börsen, deren Kampf um Marktanteile immer aggressiver wird.

Die Handelsgebühren und Spreads sinken zu Gunsten der Kunden immer weiter. Es ist ein immer größeres Handelsvolumen notwendig, um schrumpfende Einnahmen durch Handelsgebühren zu kompensieren. Neben einbrechenden Einnahmen steigen gleichzeitig die Kosten, die eine Professionalisierung mit sich bringt. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss immer mehr in UX, Marketing und Service investiert werden. Doch sind es nicht nur die hohen Betriebs- und Investitionskosten. Des Weiteren steigen auch die Kosten für Lizenzanforderungen und Beachtung regulatorischer Anforderungen, wie unter anderem KYC und AML.

Es reicht nicht mehr, nur gut zu sein

Die Folgen dieser Entwicklung lässt sich schon seit einigen Monaten beobachten. Entsprechend haben kleinere Broker und Börsen, wie beispielsweise liqui.io, keine Chance mehr, zu bestehen. Während das Schicksal auf den unteren Rängen bereits besiegelt ist – sofern es keine außergewöhnlichen Differenzierungsmerkmale gibt – wird es auch für die Börsen im Mittelfeld immer schwieriger, bestehen zu können. Die Frage ist: Welche Börse hat die meisten Rücklagen, um sich erfolgreich dem Verdrängungskampf zu stellen?


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Selbst, wenn das Handelsvolumen und das Marktwachstum enorm anziehen sollten, wird das nicht das Überangebot an Dienstleistern rechtfertigen. Gegen Börsen-Schwergewichte wie Binance, Huobi oder Bitfinex, Broker wie Coinbase, Bitpanda oder eToro und nicht zuletzt traditionelle Finanzdienstleister wie eine Börse Stuttgart, die ebenfalls ins Krypto-Geschäft eindringen, wird es extrem hart sein, zu bestehen.

Das Big Money der institutionellen Investoren wird daran nichts ändern. Deren Kapital fließt schließlich nur den etabliertesten und am besten regulierten Playern zu. Kleine Dienstleister können von den steigenden Investitionen von institutioneller Seite kaum profitieren.

Dabei geht es nicht nur um Börsen und Broker. Auch für Anbieter von beispielsweise Krypto-Debitkarten oder Hardware-Wallet-Herstellern wird die Luft immer dünner. So sehr sich Verbraucher über immer günstigere Handelskosten und Hardware Wallets freuen, bedeutet dies am Ende eine Kürzung der Marge für die Unternehmen.

Initial Exchange Offerings (IEOs) und Security Token Offerings (STOs) kommen nur langsam in Fahrt

Der erhoffte STO- oder IEO-Boom ist bislang ausgeblieben. Um an notwendiges Kapital zu kommen, führt für die meisten Krypto-Start-ups kein Weg an klassischen VCs vorbei. Nur wenige Start-ups schaffen es, ihr Funding-Ziel bei einem STO oder IEO zu erreichen. Der Geldsegen für Blockchain-Projekte bleibt bislang aus. Selbst das erste Public STO auf deutschem Boden, der Bitbond STO, blieb weit hinter den Erwartungen zurück und sammelte nur einen Bruchteil der anvisierten Funding-Summe ein. Insbesondere unter Berücksichtigung der nach wie vor hohen Kosten, vor allem beim Wertpapierprospekt, sind die Hürden für Krypto-Start-ups hoch.

Besserung verspricht der neu entstehende Markt der STO-Plattformen, die es immer einfacher und günstiger machen, einen STO durchzuführen. Auch hier gibt es bereits unzählige Anbieter für einen noch viel zu kleinen Markt. Genau wie bei Krypto-Börsen wird es hier langfristig auch zu einem Verdrängungskampf kommen. Allerdings bietet der Markt der STO-Plattformen mehr Ausdifferenzierungsmöglichkeiten, als es beispielsweise bei Krypto-Börsen der Fall ist. Sprich, es können mehr STO-Plattformen parallel zueinander existieren als Bitcoin-Handelsplätze.

Regulierung: Wie die Bundesregierung die Messlatte hochsetzt

Ein Beispiel für herausfordernde Regulierung ist ein neuer Beschluss der Bundesregierung. So wurde diese Woche bekannt, dass Verwahrstellen für Krypto-Werte, also z. B. Wallet-Anbieter oder Börsen, ab nächstem Jahr der deutschen Finanzaufsicht BaFin unterstehen werden. Das bedeutet, dass Krypto-Unternehmen, die bislang in diesem Bereich aktiv sind, im nächsten Jahr eine Genehmigung der Aufsichtsbehörde einholen müssen. Gerade für kleine Unternehmen, ohne die entsprechende Inhouse-Kompetenzen im Bereich Compliance und Regulatorik, wird das keine leichte Aufgabe sein.

Timing ist alles – Vor allem für Krypto-Start-ups

Kurzum: Die nächsten Monate werden verdammt hart werden. Waren es nach Platzen der ICO-Blase vor allem Unternehmen ohne jede Substanz, werden es immer häufiger auch durchdachte Krypto-Start-ups sein, die es nicht schaffen, am Markt zu bestehen. Die insgesamt positive Marktentwicklung im Bereich Blockchain und Kryptowährungen ist nicht mit hohen Unternehmensgewinnen in der Breite gleichzusetzen.

Viele der innovativen Blockchain-Plattformen verdienen aktuell noch kein Geld. Deshalb besteht die Gefahr, dass selbst vielversprechendste Unternehmen mit einem potentiell grandiosen Business Case vor der Ziellinie scheitern, da der Markt noch nicht weit genug entwickelt ist und nicht genügend Funding zufließt. Die Abhängigkeit vom Ökosystem und dem Bitcoin-Kurs ist Fluch und Segen zugleich. War es 2017 kinderleicht, an Kapital für Blockchain-Projekte zu kommen, ist es zwei Jahre später umso schwerer. Das ist zwar nicht rational, aber dennoch die Realität mit der die Krypto-Start-ups zu kämpfen haben.


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