Wie ein Bitcoin White-Hat Hacker bei der Lösung eines Mordfalls half

Danny de Boer

von Danny de Boer

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Danny de Boer

Als Informatiker schaut Danny de Boer kritisch auf die Blockchain-Entwicklung und Kryptographie. Zwischen Komplexität und Hype erklärt er allgemeinverständlich und anwendungsbezogen. Seit 2014 berichtet er für BTC-ECHO aus der Krypto-Szene.

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Quelle: igorstevanovic via Shutterstock

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Im November 2016 fanden die Behörden der US-Bundespolizei eine tote Frau in Cottage Grove, Minnesota. Man meldete den Beamten einen Selbstmord. Eine 9-mm Pistole fand sich neben ihrem Ellbogen. Die Beamten schlossen aufgrund der Beweislage allerdings einen Selbstmord aus.
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Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Sven Wagenknecht

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Die Geschichte nahm bereits im Mai 2016 ihren Lauf. Der Hacker “bRpsd” brach in die Datenbank einer Darknet-Webseite für Auftragsmörder ein. Die Seite mit dem Namen “Besa Mafia” bot eine Plattform für die Verbindung von Auftragsgebern und Auftragsmördern. Ein Auftragsmord kostete zwischen 5.000 US-Dollar und 200.000 US-Dollar. Die Kunden, die keine Todesfälle provozieren wollten, konnten ein Opfer für 500 US-Dollar zusammenschlagen, oder das Auto für 1.000 US-Dollar anzünden lassen.

Der Hacker konnte mehrere Ordner ausfindig machen, unter anderem auch Chatverläufe zwischen Kunden und Administratoren der Webseite. Die Funde lud der Hacker auf eine öffentliche Internetseite hoch. Für alle war von nun an plötzlich ersichtlich: “Besa Mafia” war ein Fake.

Die Verbindung

Der unabhängige Wissenschaftler, Chris Monteiro, hackte die Seite ebenfalls. Er untersuchte unter anderem den Geldzufluss auf der Seite. White-Hat Hacker sehen sich als ethisch und moralisch handelnde Hacker. Da der Begriff “Hacker” in den letzten Jahren zusehend negativ bewertet wurde, entwickelte sich eine Abspaltung zum Begriff “White-Hat Hacker”, welcher seine Fähigkeiten für moralische Zwecke einsetzt.


Durch die Fake-Angebote der Besa Mafia wurden mindestens 50 Bitcoins gesammelt (rund 113.000 Euro beim aktuellen Kurs 05.07.2017). Als weitere Nachforschungen angestellt wurden, fand sich eine Nachricht eines Besa Mafia-Administrators:

“Diese Webseite soll Kriminelle abzocken. Wir melden sie [die Kriminellen] aus zwei Gründen: um Mord zu verhindern, was gut und gerecht ist; und um Theorien aus dem Weg zu gehen, dass wir mit Mördern verkehren, falls wir erwischt werden.”

Der Besa Mafia-Leak half letztendlich der Polizei. Nachdem Amy Allwine tot aufgefunden wurde, beschlagnahmte die Polizei unter anderem Elektronikgegenstände. Auf einem Laptop fand sich das Pseudonym “dogdaygod” und die damit verbundene E-Mail-Adresse “[email protected]”. Die Ermittler fanden ebenfalls Bitcoin-Adressen und Chatverläufe zwischen der Besa Mafia und dogdaygod. Das Pseudonym ließ sich zweifelsfrei als Amy Allwines Mann, Stephen Carl Allwine, identifizieren.

Das Ziel

Nach der Analyse der gefunden Daten und der Einschränkung auf Allwines E-Mail-Adresse fand sich ein Beschwerdeschreiben. Allwine soll zwischen 10.000 und 15.00 US-Dollar bezahlt haben, damit ein Auftragsmörder seine Frau erschießt und danach das Haus in Brand setzt.

Der Besa Mafia-Administrator soll daraufhin Mr. Allwine in Kenntnis darüber gesetzt haben, dass der Auftragsmörder von den lokalen Polizeibehörden festgenommen wurde, nachdem man ihn beobachtet haben soll, wie er ein Fahrzeug gestohlen haben soll. Spätere Informationen konnten keine Rückschlüsse darauf geben, ob dies wirklich passierte.

Am 24. März 2017 wurde Stephen Allwine wegen Mordes verurteilt. Zusätzlich zu den elektronischen Beweisen, fand sich das Medikament Scopolamine in Mrs. Allwines Körper. Die Dosis überschritt das 45-fache der normalen Dosis, was im Regelfall zu einer Apathie führt. Mehrere Beweise deuteten darauf hin, dass Mr. Allwine das Medikament ebenfalls über einen Darknet-Marktplatz erworben hatte.

BTC-ECHO


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