Welthandelsorganisation: Die Blockchain kommt

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Welthandelsorganisation: Die Blockchain kommt

Die Welthandelsorganisation sieht die Blockchain als eine der Technologien, welche die Zukunft des Welthandels mitprägen werden. In ihrem Report vom 3. Oktober beleuchtet die WTO die Chancen und Risiken der Digitalisierung für den globalen Handel. Darin erkennt sie die Chancen der Technologie, die unter Bitcoin liegt.

Die Spatzen, die eine digitale Zukunft von den Dächern pfiffen, sind längst dem Alterstod erlegen. Mittlerweile bezweifelt wohl kaum noch einer, dass die Digitalisierung praktisch alle Bereiche einer („entwickelten“) Gesellschaft durchzieht wie Fettadern das Wagyu-Steak. Auch für den Welthandel bergen die neuen digitalen Technologien ein enormes Potenzial – im Guten wie im Schlechten. Auf diesem Potenzial lag das Hauptaugenmerk der World Trade Organisation (WTO) bei der Erstellung ihres World Trade Reports 2018.

Die großen Vier – Blockchain inklusive

Dabei hat die WTO vier Technologien ausgemacht, die laut ihrer Studie den größten Einfluss auf das weltweite Handelsgeschehen nehmen könnten. Neben dem Internet der Dinge (IoT), Künstlicher Intelligenz (AI) und 3D-Druckern gehört zu diesen auch die Distributed-Ledger-Technologie (DLT), vertreten durch die Blockchain.

„Das Internet der Dinge (IoT), Künstliche Intelligenz (KI), 3D-Druck und Blockchain haben das Potenzial, die Art und Weise, wie wir handeln, wer handelt und was gehandelt wird, grundlegend zu verändern.  Die weite Verbreitung der digitalen Technologien verändert die Zusammensetzung des Handels mit verschiedenen Dienstleistungen und Waren und definiert die Rechte des geistigen Eigentums im Handel neu.“

Die WTO betont, unter dem Begriff „Blockchain“ alle Distributed-Ledger-Technologien zusammenzufassen. Damit passt sie sich dem allgemeinen Sprachgebrauch an, der auch andere DLTs, wie beispielsweise das Tangle von IOTA, als Blockchain bezeichnet – was technisch nicht ganz korrekt ist. Dabei preist die WTO das Potenzial der Blockchain zur Kosteneinsparung, vor allem im administrativen Bereich und bei Transaktionsgebühren, insbesondere bei länderübergreifenden Transaktionen. Als konkretes Beispiel für Bestrebungen in diesem Bereich nennt die WTO neben Circle auch die Banken-Plattform Ripple. Letztere hat bereits über 100 Kooperationspartner, die mit Ripples Blockchain-Lösungen xVia, xCurrent und xRapid experimentieren. Dass die um den XRP-Token aufgebaute xRapid-Technologie seit Oktober bei einigen Banken im Einsatz ist, hat im Krypto-Space hohe Wellen geschlagen – und sich in massiven Kurszuwächsen für den XRP-Token manifestiert.

Am deutlichsten könnten laut des Reports Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen in Entwicklungsländern von blockchainbedingten Kostenersparnissen profitieren:

„Viele Handelskosten wie Logistik- und Transaktionskosten oder Kosten durch umständliche Zollverfahren belasten KKMUs stark und sind viel höher in Entwicklungsländern. Innovationen bei grenzüberschreitenden Zahlungssystemen haben ihre größte Wirkung in den Bereichen Entwicklungsländer und KKMUs entfaltet. Daher ist das Potenzial der neuen Technologien zur Erleichterung des Handels für KKMU und Entwicklungsländer überproportional groß.“

Die Herausforderungen

Bis die Blockchain-Technologie dieses Potenzial zur Gänze im Welthandel entfalten kann, müssen laut WTO noch einige Herausforderungen überwunden werden:

„Tatsächlich ist es das kritische Zusammenspiel zwischen dem technologiegetriebenen Strukturwandel in der Weltwirtschaft auf der einen Seite und der Fähigkeit des Welthandelssystems, diese Veränderungen und Anpassungen zu bewältigen, auf der anderen Seite, das weitgehend darüber entschieden hat, ob die globale Integration in den letzten zwei Jahrhunderten vorangekommen ist oder sich umgekehrt hat. “

Dass dieser Strukturwandel auch mit Fehlschlägen verbunden ist, ist auch der WTO bewusst. Zwar bescheinigt sie der Blockchain-Technologie an sich ein sehr hohes Maß an Sicherheit – doch böten stümperhaft programmierte Smart Contracts und Bedienoberflächen von Blockchain-Anwendungen auf Smartphones und Tablets Angriffsflächen für teils verheerende Hacks. Die Welthandelsorganisation führt hier den DAO-Hack von 2016 als mahnendes Beispiel an. Ein weiteres Problem sei die bislang noch größtenteils fehlende Interkompatibilität von Blockchains – Litecoin „spricht“ kein Bitcoin. Allerdings werden technische Bestrebungen zur Beseitigung dieses Umstandes (z. B. in Form von Atomic Swaps) von der WTO anerkannt. Auch die Normierungsbehörde ISO setzt sich mittlerweile mit dem Thema auseinander und beleuchtet die Probleme dieser digitalen „Inselbildung“.

Schließlich sei auch die bislang noch dürftige Skalierbarkeit von Bitcoin & Co. ein Problem. Bitcoin und Ethereum könnten mit ihren zehn bis 20 Transaktionen pro Sekunde etablierten Zahlungsdienstleistern wie Visa nicht das Wasser reichen. Auch hier erwähnt die WTO, dass Lösungsansätze bereits vorhanden seien – auch wenn es sich dabei hauptsächlich um private Blockchain-Lösungen handelt.

Gartner: Blockchain wird Billionen-US-Dollar-Markt

Ein drittes Problem stellt für die Welthandelsorganisation die bislang noch weit verbreitete regulatorische Unklarheit dar. Wie steht es rechtlich um die Anerkennung von Blockchain-Transaktionen? Wie werden Krypto-Assets wie Bitcoin oder XRP eingestuft? Auch in der Frage der Haftbarkeit gebe es noch erheblichen Klärungsbedarf. Der Erfolg der Blockchain-Technolgie bei der Digitalisierung des Welthandels stehe und falle mit dem Handeln der zuständigen Regulierungsbehörden:

„Letztendlich hängt es davon ab, ob die Blockchain bei der Digitalisierung der Handelsfinanzierung erfolgreich sein wird, ob die aktuellen regulatorischen Herausforderungen effektiv angegangen werden und ob die Vorteile, die mit dem Einsatz der Technologie verbunden sind, die Kosten für den Wechsel von bestehenden Systemen überwiegen – was lediglich den Versand digitaler Versionen von Dokumenten beinhaltet. Das derzeitige System mag teuer, papierintensiv und lästig sein, aber es ist effizient in Bezug auf den Rechtsschutz.“

Die Marktforscher von Gartner Inc, die der WTO-Report zitiert, zeichnen indes schon einmal einen Ausblick für die Marktauswirkungen der Blockchain-Technologien in den kommenden Jahren. Demnach befindet sich die Technologie derzeit noch in Phase 1, die von „irrationalem Überschwang“ sowie „wenigen Riesenerfolgen“ geprägt sei. Diese Phase soll noch bis 2021 andauern. Zwischen 2022 und 2026 prognostiziert Gartner einen Anstieg fokussierter Investitionen, begleitet von zahlreichen erfolgreichen Geschäftsmodellen. Bis zum Jahr 2030 werde die Technologie dann eine „globale, großflächige Wertschöpfung“ vorweisen, um 2030 schließlich durch eine Kombination von Kostenersparnissen und Gewinnsteigerungen für die beteiligten Unternehmen eine Billion US-Dollar in den Welthandel spülen – eine Prognose, der sich viele Hodler begeistert anschließen dürften.

Money talks, bullshit walks

Eine der Branchen, die besonders von der Blockchain-Technolgie profitieren werden, ist der Logistik-Sektor. Das hat auch die Welthandelsorganisation erkannt. Als Fallbeispiel wird hier konkret das Transportunternehmen Maersk genannt, das mit dem Projekt TradeLens in Zusammenarbeit mit IBM Container per Blockchain verschicken möchte, um vor allem den Dokumentations- und Bürokratieaufwand einzugrenzen. Dieser mache nämlich bis zu einem Fünftel der Kosten pro verschickten Container aus.

Money talks, bullshit walks. Das gilt auch für Regulierungsbehörden. Je lauter die Rufe der Unternehmen nach regulatorischen Rahmenbedingungen für Bitcoin, Blockchain & Co. werden, desto schneller werden auch die Gesetzgeber dieser Welt in Bewegung geraten – vorausgesetzt, es kommt ihnen keine Graswurzelrevolution zuvor.

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