Altcoins: Was steckt hinter der Kurs-Ralley von Ripple, Ethereum, NEM und Bytecoin?

Hot air balloons flying over spectacular Cappadocia

Die letzten Wochen waren von dramatischen Kursbewegungen in der Altcoin-Welt geprägt. Einige Gründe werden hier diskutiert.



Wenn wir nur auf die letzte Woche schauen sehen wir, dass das Marktkapital unglaublich gewachsen ist:

Wir haben also innerhalb einer Woche eine Zunahme des Marktkapitals von ca. 36%. Das liegt natürlich auch an der guten Performance von Bitcoin und Ether, jedoch fanden in den letzten Tagen bis Wochen noch andere Rallyes statt.

Rise of Ripple

Ripple bzw. die zum Distributed Ledger-System zugehörige Kryptowährung XRP erfuhr in der letzten Zeit einen krassen Pump. Fairerweise ist diese Rallye schon etwas her; generell war der Mai von einem dramatischen Anstieg von Ripple geprägt hier gegen USDT dargestellt, damit etwaige Einflüsse durch einen ansteigenden Bitcoin nicht berücksichtigt werden müssen:

Das Marktkapital von Ripple ist innerhalb eines Monats um 1.000% gewachsen.

Wie konnte es soweit kommen? Ein wichtiger Grund ist, dass Ende April zehn große Banken in Ripple eingestiegen sind. Zwar ist das Ripple-Netzwerk größer als XRP. Letzteres dient in den eigentlichen Ripple-Transaktionen lediglich als Spamschutz, d.h. Ripple-Transaktionen müssen immer einen kleinen Betrag an XRP zahlen. In diesem Zusammenhang kann man sich jedoch vorstellen, dass jene Banken, die das System nutzen wollen, ordentlich XRP eingekauft haben.

Das kann auch seitens der Banken andere Gründe haben: Sollte in Zukunft XRP DIE Kryptowährung schlechthin sein, wäre der disruptive Gedanke von Bitcoin etc. passé – verschwörungstheoretisch gesprochen. Fairerweise kann man es auch so herum ausdrücken, dass den Banken eine zentrale Institution, die für einen reibungslosen Transaktionsablauf verantwortlich ist, ganz lieb ist.

Neben diesen Punkten haben natürlich Trader eine Chance auf Profit gewittert und wahrgenommen. Unser Slack-Channel war voll von Empfehlungen, in XRP einzusteigen. Generell war, speziell nach dem letzten Anstieg Bitcoins auf über 1.700 Euro (und dem weiter proppenvollen Mempool) die Sorge um einen Verlust des bisherigen Gewinns sehr hoch, so dass am Markt eifrig diversifiziert wurde. Mit dem Initial Push, der womöglich aus der Richtung der Banken kam, sind viele auf die XRP-Train aufgesprungen.

Aktuell schwächelt XRP. Ich denke nicht, dass das “das Ende” ist oder ähnliches, aber die Kraft des ersten Anschubs ist vorbei. Man sollte bei Ripple ein Auge darauf haben, was es für News gibt, sollten wieder mehrere Banken einsteigen, könnte es noch einmal nach oben gehen.

Ethereum holt auf

Erinnert ihr euch noch an den Sommer 2016? Seinerzeit, vor dem DAO-Exploit erreichte Ethereum unglaubliche Höhen – ganze 18 Euro war ein Ether wert.

Heute würde man müde lächeln oder eher eine Kaufmöglichkeit sehen, denn derartige Level hat der Kurs nun schon seit einer Weile hinter sich. Inzwischen würde man von einem dramatischen Kurssturz sprechen, wenn Ethereum unter hundert Euro fallen würde.

Sicherlich haben hiermit viele ICOs in letzter Zeit zu tun; wir haben von Gnosis und Aragon berichtet, die ihren Anteil an den letzten beiden gewaltigen Kursanstiegen haben. Natürlich haben auch andere Ereignisse wie die heutige Aufnahme von 86 neuen Mitgliedern in die Ethereum Enterprise Alliance ihren Einfluss gehabt. Schließlich sind noch die ETH-Domains zu nennen, die ihren eigenen Anteil am rapiden Anstieg von Ethereum haben.

Vor diesen beiden ICOs war jedoch ein anderes Ereignis eine Art Initialzündung für Ethereum: Anfang März hat das SEC-Denial einige alte Kritikpunkte an Bitcoin wieder hochkochen lassen. Die Skalierungs-Debatte hat dafür gesorgt, dass einige Leute ihr Geld neben Bitcoin in anderen Währungen anlegten.

NEM nimmt sich sein Stück vom Kuchen

Neben Ripple gab es jedoch noch andere Kryptowährungen, die in letzter Zeit hochkochten: NEM ist ebenfalls seit Anfang März am steigen. Das New Economic Movement hat seitdem ein exponentielles Wachstum gezeigt.

Woran das genau liegt ist nicht ganz klar. Einige Quellen vermuten, dass Catapult, eine private Blockchain-Applikation, die aktuell in der Mache ist, zu dieser Begeisterung führt. Andere vermuten dahinter das jüngste Voting vom Exchange BTCC, mit dem jener darüber abstimmen ließ, welche Kryptowährung zum Portfolio von BTCC hinzugefügt werden sollte. NEM wurde zwar nicht gewählt, es war jedoch zwischen Ripple und NEM ein Kopf an Kopf Rennen.

Schließlich könnten die Gerüchte um eine Unterstützung von NEM beim Exodus-Wallet auch ein Grund sein.

Bytecoin beisst sich in den Top 10 fest

Schließlich kam aus dem Nichts ein weiterer Coin: Bytecoin, von dem bis Anfang April sicherlich niemand was gehört hat – Ende März lag das Marktkapital noch bei acht Millionen Euro.

Bytecoin ist, ähnlich wie Monero und DASH eine Kryptowährung, welche sich komplette Anonymität zum Ziel gesetzt hat. Die Coins der Währung sind nicht verfolgbar, so dass, ähnlich wie bei Monero, durchaus ein Markt hierfür im Darknet vorhanden ist.

Woran liegt jetzt aber der konkrete Anstieg? Ein Punkt könnte sein, dass Bytecoin letztlich zwei Welten miteinander verbinden möchte: Die Nichtverfolgbarkeit von auf Anonymität und Fungibilität setzenden Kryptowährungen soll mit dem aktuellen Token-Craze vereint werden. So hätte man nicht verfolgbare, doch trotzdem eingefärbte Token geschaffen. Digitale Assets, bei denen gegebenenfalls eine Rückverfolgbarkeit nicht gewünscht ist, wären damit ähnlich einfach wie bei Ethereum etc. realisierbar.

Ob diese Neuerung ausreicht, um den Anstieg zu erklären ist ebenso unklar wie die Zukunft von Bytecoin: Wie im unteren Chart gezeigt, ist der Kurs innerhalb eines Tages um fast 50% gefallen.

Soweit zu den jüngsten Kursentwicklungen. Wir sehen nicht nur in dem Artikel, dass seit einiger Zeit der Altcoin-Markt am Kochen ist. Ja, auch Bitcoin steigt dramatisch an, aber viele Kryptowährungen ziehen nicht nur nach, sondern erhöhen die Schlagzahl. Sicherlich sind ein paar generelle Gründe hierfür, dass Bitcoin-Holder ihre Assets etwas diversifizieren wollen. Andere, speziell jene, die “zu spät” auf den Bitcoin-Zug aufgesprungen sind, erhoffen sich durch diese Investments eine schnelle Rendite-Aufholjagd.

BTC-ECHO

Über Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp GieseDr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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