Warum digitale Währungen in Deutschland nicht funktionieren

Max Kops

von Max Kops

Am · Lesezeit: 3 Minuten

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“Digitale Währungen funktionieren nicht” – eine gewagte These. Aber ich glaube, in den letzten Jahren genug Beispiele erfahren zu haben, die das bestätigen – nicht nur auf Bitcoin-, sondern auf viel tieferer Ebene. Natürlich ist alles eine Frage der Zeit – aber die dürfte im deutschen Raum womöglich eine lange Wartedauer beanspruchen.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Sven Wagenknecht

Eine Kolumne von Maximilian Kops

Digitale Währungen fordern die Gesellschaft heraus

Auch wenn ich die definitorischen Annahmen hinter Technologien hier nicht vertiefen möchte, sei gesagt, dass nicht nur die Nutzer einer Technologie Anforderungen an sie stellen, sondern oft auch Technologien ein Umdenken der Menschen erfordern. Paradox klingt das, nutzen wir sie doch eigentlich, um unser Leben zu vereinfachen. Das mag wahr sein, aber gerade dann, wenn eine Technologie einflussstark, revolutionierend oder neudeutsch “disruptiv” ist, ändert sie Konzepte und Gewohnheiten, an die wir uns über unser gesamtes Leben gewöhnt haben. So war es mit der ersten Eisenbahn, die gefürchtet wurde, weil sie Schwindel erregen und Menschen wahnsinnig machen sollte.

Warum Deutsche digitale Währungen eher vermeiden

Einen besonderen Aspekt, auf den sich meiner Meinung nach alle anderen Aspekte zurückführen lassen, ist die Angst, zu verlieren. Ich glaube, dass die deutsche Kultur besonders risikoavers ist. Sie versucht, den Großteil der Risiken zu vermeiden, indem sie  “beim Alten bleibt”. Da ich glaube, dass wir Risiken zu vermeiden versuchen, sind wir nicht sonderlich offen gegenüber Veränderungen. Das ist der erste Effekt, der es digitalen Währungen in Deutschland zu schaffen macht.


Zweitens kommt hinzu, dass – ebenfalls auf Angst begründet – im konkreten Fall der digitalen Währungen ein Element fehlt, auf dass man sich gern verlässt: Einen Verantwortungsträger. Den gibt es schließlich nicht. Bringen wir unser Geld zur Bank, ist die Bank unser Sündenbock – für Negativzinsen, unfaire Gebühren und im Schadensfall für den Geldverlust. Was immer auch passieren mag – unmöglich könnte es unsere Schuld sein.
Es ist offensichtlich, dass dieses Mindset nicht nur nicht zu digitalen Währungen passt, sondern ihnen sogar gänzlich widerspricht: Denn Kryptowährungen (die ich in dieser Kolumne übrigens synonym zu digitalen Währungen verwende), zeichnen sich für mich nicht nur dadurch aus, dass sie digital sind, sondern vor allem dadurch, dass Verantwortlichkeiten verschoben werden. Der Nutzer ist Besitzer und Herrscher über seinen Private Key  – das einzig ihm Zugriff auf sein Vermögen gewährende Objekt.

Risikoablehnung nicht mit Ignoranz zu verwechseln

Dass die USA bekannt für Innovationen im Digitalbereich und schnelle Akzeptanz neuer Technologien bekannt sind und Deutschland in diesem Punkt eher hinten anstehen muss, liegt keinesfalls nur daran, dass es uns an Intelligenz mangelt, um die neuen Technologien verstehen. Bewusst sage ich “nur”, da sicher auch die Fehlleitungen des deutschen Schulsystems, an denen technologische Entwicklungen unserer Zeit nahezu gänzlich vorbeigehen, zu diesem Ergebnis beitragen.

Viel entscheidender als das bloße Verständnis selbst ist in meinen Augen allerdings die Offenheit gegenüber den Technologien. Es lässt sich also nicht sagen, dass wir grundsätzlich ignoranter sind und deshalb die Akzeptanz neuer Technologien in der Bevölkerung scheitert – viel mehr ist es unsere kulturelle Prägung, die die Einstellung bestimmt, mit der wir an die Technologie herangehen – und damit auch, wie aufnahmefreudig wir ihr gegenüber sind.

Ob es nun “besser” oder “schlechter” ist, offener oder zurückhaltender gegenüber neuen Technologien zu sein, entscheidet schließlich jeder Mensch selbst.

Disclaimer: Die Kolumne gibt die Meinung des jeweiligen Autors und nicht immer die Meinung des Anbieters wieder.

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