Wie die Blockchain die Wohnungssuche erleichtern kann

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Seit einem knappen Monat suche ich in Berlin eine Wohnung – bislang ohne Erfolg. Auf den einschlägigen Immobilienportalen stößt man für gewöhnlich schnell auf die immer gleichen Makler bzw. Wohnungsbaugesellschaften. Da kam mir der Gedanke, dass die ein oder andere Blockchain-Lösung hilfreich sein könnte.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Mark Preuss

Die Funktion des Maklers beschränkt sich meistens auf das Aufschließen der Wohnungstür und das Verteilen von Formularen zur Mieterselbstauskunft. Allerdings ist selbst das einigen Wohnungsvermittlern zu viel geworden. Die Nachfrage auf dem Berliner Wohnungsmarkt ist inzwischen so stark angestiegen, dass Schlüssel zur Wohnungsbesichtigung per Pfand im Büro des Vermittlers abgeholt werden können. So kann der Makler bequem in seinem Büro sitzen bleiben, während sich die potentiellen Mieter die Wohnung alleine anschauen.

Eine Reservierung der Schlüssel ist dabei nicht möglich, was bedeutet, dass man auf gut Glück zum Büro der Wohnungsvermittlung fährt, dann von dort aus zur vermietbaren Wohnung und dann wieder zurück zum Vermittlungsbüro, um die Schlüssel abzugeben und seinen Pfand zurück zu erhalten.

Kurz um: Es braucht gute Nerven und viel Zeit, wenn man “nur” über ein durchschnittliches Monatseinkommen verfügt und es vermeiden möchte in der Peripherie oder den unschönen Hochhaussiedlungen zu wohnen.

Warum eine Blockchain bei der Wohnungssuche helfen kann


In diesem Zusammenhang musste ich bei meiner Wohnungsodyssee an das Blockchain-Startup Slock.it denken. Das Startup arbeitet unter anderem daran intelligente Schlösser zu entwickeln, die über Smart Contracts gesteuert werden.

Diese Schlösser werden dabei mit der Ethereum-Blockchain verbunden. Das Projekt adressiert vor allem die Sharing Economy (z.B. AirBnb), sodass alles, was abgeschlossen werden kann, auch vermietet bzw. anderen zur Nutzung weitergegeben werden kann – ohne, dass ein Makler oder Vermieter vor Ort mit den Schlüsseln sein muss.

Zwar handelt es sich bei der klassischen Wohnungssuche nicht um eine Spielart der Sharing Economy – das Prinzip, dass ein Schloss aufgeschlossen werden muss, ist aber das gleiche. Es wäre auch nicht nötig das ganze Schloss auszutauschen, da ein Aufsatz genügen würde, um als Schnittstelle für das digitale Schloss zu dienen (es wäre also nach wie vor möglich, konventionelle, physische Schlüssel zu benutzen).

Durch elektronischen Datenaustausch könnte dann dem Wohnungsinteressenten eine digitale Signatur zugesendet werden – sicher und transparent über die Ethereum-Blockchain, um Missbrauch zu unterbinden.

Natürlich müsste vorher eine Registrierung bzw. Verifizierung des Wohnungsinteressenten gemacht werden, um die digitale ID zu erfassen.

Blockchain-Plattform für Bewerbungsunterlagen

Ein weiterer, zeitraubender Aufwand besteht bei der Wohnungssuche darin, jedes mal aufs Neue seine Unterlagen der Wohnungsbaugesellschaft oder dem Makler zuzusenden. Auch hier wäre eine Blockchain-Lösung hilfreich – funktionierende Praxisbeispiele gibt es bereits.

Zum einen wäre eine Blockchain-Plattform nach dem Vorbild Estlands denkbar. Hier sind innerhalb eines dezentralen Netzwerkes (der so genannten X-Road) alle Daten der Einwohner abgespeichert, sodass jeder mit der entsprechenden digitalen Signatur, also beispielsweise ein Beamter, Zugriff auf die jeweiligen Daten hat, ohne, dass ständig neue Formulare ausgefüllt und versendet werden müssen.

X-Road am Beispiel von Estland:

Ähnlich könnte eine solche Plattform für den Wohnungsmarkt funktionieren. Alle Wohnungsbaugesellschaften und Makler könnten mit einem Key ausgestattet werden, der ihnen das Recht einräumt, auf eine Plattform zuzugreifen, auf der die Bewerberunterlagen abgelegt sind.

Folglich müssten die Unterlagen zur Wohnungsbewerbung nur einmal hochgeladen werden. Auch hier kann für jedes Dokument eine digitale Signatur mit einem individuellen Hash erstellt werden und über die Bitcoin- oder Ethereum-Blockchain getrackt werden. Diese Form der Dokumentenzertifizierung könnte gut mit Stampery durchgeführt werden, das bereits als Add-In für Microsoft Office verfügbar ist und sowohl über die Bitcoin- als auch über die Ethereum-Blockchain läuft.

Wie realistisch ist das?

Technisch gesehen sind die oben dargestellten Szenarien durchaus realistisch. Dennoch besteht auf kurz- bis mittelfristige Sicht nur wenig Hoffnung, dass Wohnungsgesellschaften ihre Wohnungen mit intelligenten Schlössern ausstatten oder sonstige Blockchain-Lösungen implementieren.

Es fehlt der ökonomische Anreiz, da die Wohnungen so oder so einen Mieter finden, auch wenn der Makler nicht mehr vor Ort ist. Die Vermittlungsgesellschaften hätten zusätzliche Kosten durch die Umrüstung sowie den Aufwand die neue Technologie nach innen wie außen verständlich zu kommunizieren.

Darüber hinaus würde der Beruf des Maklers oder Vermittlers, der ohnehin schon stark durch die Digitalisierung in Frage gestellt wird, noch weiter in Erklärungsnot geraten. Die Frage wofür man Wohnungsmakler braucht, wenn selbst die Türen automatisiert über Smart Contracts aufgeschlossen werden können, würde noch stärker in den Diskurs rücken.

Der Interessenskonflikt, die gewöhnliche Skepsis gegenüber neuen Technologien sowie wirtschaftliche Gründe verhindern gegenwärtig einen schnellen Blockchain-Rollout im Maklergeschäft.

Bevor intelligente Schlösser Alltag werden, wird wahrscheinlich noch etwas Zeit ins Land gehen, bis  die Use Cases besser erforscht und die Blockchain-Usability  weiter gereift ist.

Wer mehr über Slock.it und seine Projekte erfahren möchte, kann sich unser Interview mit Stephan Tual von Slock.it durchlesen.

BTC-ECHO


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