Wahlen über die Blockchain? Schaut nach Sierra Leone!

Wahlen über die Blockchain? Schaut nach Sierra Leone!

Das afrikanische Land Sierra Leone verwendete bei der jüngst durchgeführten Präsidentschaftswahl die Blockchain-Technologie zur Stimmabgabe und -auswertung. Damit ist es der erste Staat, der die Blockchain bei Wahlen auf nationaler Ebene nutzt. Das lässt auch einen Rückschluss auf das Potential der Technologie in Staaten mit schwachen Institutionen zu.



Sierra Leone zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Auf eine jahrzehntelange Unterdrückung durch westliche Kolonialherrscher folgte eine anhaltende Misswirtschaft der postkolonialen Herrschaftseliten. Zudem litt das Land in diesem Jahrzehnt unter Seuchen wie der Ebola-Epidemie oder Umweltkatastrophen wie Überschwemmungen. Beides kostete Tausende von Leben, die Wirtschaft brach weiter ein.

Vor diesem Hintergrund fanden am 7. März die Parlamentswahlen in Sierra Leone statt, bei der sich nach dem ersten Wahlgang ein Kopf-an-Kopf-Rennen abzeichnete. Das Besondere an diesen Wahlen: Zum ersten Mal verwendeten sie die Blockchain als Hilfsmittel. Im westlichen Bezirk Sierra Leones hielt man die Wahlen auf einem Permissioned Ledger fest. Bereitgestellt wurde dieser von der Schweizer Stiftung Agora, die sich auf Lösungen für digitale Wahlen spezialisiert hat.

Im Wahlprozess halten die Wahlleiter so jede abgegebene Stimme auf der Blockchain fest. Die Einträge auf der Blockchain können von jedem frei eingesehen werden, müssen jedoch von autorisierten Personen validiert werden. Damit sorgt Agora für eine höhere Transparenz bei den Wahlen und ein gesteigertes Vertrauen. In der Vergangenheit hatte es häufig Fälle von Wahlmanipulation und großem öffentlichen Misstrauen gegeben.

Ein Vorbild für andere afrikanische Staaten?

Die Schweizer Stiftung schaut weiter. Der CEO von Agora, Leonardo Gammar, hofft, dass sich das, was in Sierra Leone erfolgreich funktionieren konnte, auch in anderen Staaten durchsetzen wird. „Wenn wir es in Sierra Leone schaffen, warum dann nicht woanders?“ fragt er sich. Die Faktoren, die Sierra Leone für die Blockchain interessant machen, finden sich auch in vielen anderen afrikanischen Staaten. Die Regionen sind schlecht vernetzt, die Alphabetisierung ist gering und es herrscht alltägliche Gewalt.

Eine spezielle Chance für die Implementierung der Blockchain bei nationalen Wahlen liegt in der Schwäche der heimischen Institutionen. So wie Kryptowährungen erst dadurch möglich wurden, dass das Vertrauen in Finanzinstitutionen erschüttert wurde, ruft das Scheitern staatlicher Institutionen Blockchain-Wahlen auf den Plan. Die dezentrale Technologie kann dort funktionieren, wo es der zentralisierte Staat nicht (mehr) tut.

Von dieser Entwicklung könnten beide Seiten profitieren. Für die betreffenden Staaten bietet eine Blockchain-Lösung Sicherheit und neues Vertrauen in die Demokratie. Die Technologie selbst und deren Entwickler hingegen können die sensible Anwendung Blockchain-Wahlen in vergleichsweise kleinem Rahmen testen.

BTC-ECHO

Über Tobias Schmidt

Tobias SchmidtTobias Schmidt ist seit August 2017 als Redakteur im Team von BTC-ECHO tätig. Sein Fachgebiet im Krypto-Bereich sind die vielen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

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