Vom Bitcoin-Jesus zum Zensur-Gott – Craig Wright und die Twitter-Filterblase

David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 3 Minuten

David Scheider

Kryptowährungen sind Davids Leidenschaft. Deshalb studiert er jetzt Digital Currency an der Universität Nicosia – und schreibt nebenher für BTC-ECHO. Von Bitcoin hält David einiges, vom allgemeine Hype um die Blockchain-Technologie eher weniger.

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Nichts hören, nichts sehen, aber viel sagen: Eine der umstrittensten Persönlichkeiten aus dem Bitcoin-Kosmos fiel in letzter Zeit nicht gerade durch seine tolerante, transparente Informations- und Diskurspolitik auf. Nun setzt Craig Wright noch einen drauf: Der Australier stellt sein Twitter-Profil auf privat und gewährt ab sofort nur noch einem erlesenen Publikum Zugang zu seinen Einlassungen.


Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2019 05:05 Uhr von Tanja Giese

Man nennt es Confirmation Bias – Bestätigungsfehler. Wer sich davon freimachen kann, der werfe den ersten Stein. Logisch, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen, die die eigene Position bestätigen, ist bequem. Zumindest bequemer als kritische Meinungen zuzulassen. Was Gift für den Diskurs ist, ist nur allzu menschlich: Wir haben einfach alle gerne recht. Wer aber an mehr interessiert ist, als mit möglichst viel bestätigender Evidenz eigene Thesen in Stein zu meißeln, sollte eine offene Diskussionskultur zulassen. Das fördert die Wahrheitsfindung – und davon profitieren doch alle.

Bestätigungsfehler leichtgemacht

Craig Wright, selbsternannter Satoshi und Bitcoin-Prophet, gibt uns jetzt eine Guideline an die Hand, wie man dem Bestätigungsfehler ohne Zweifel erliegt: Man blockiert einfach munter jeden Twitter-Nutzer, der es wagt, zu seinen Postings kritische Nachfragen zu stellen. Diese Praxis verfolgt Wright seit geraumer Zeit bereits mit einigem Erfolg. Auf noch so kontroverse Tweets kommen selbst bei prominenter Platzierung mit vielen „Herzen“ nur wenige Kommentare. Es scheint sich niemand zu trauen, man fürchtet, blockiert zu werden.

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Dafür reicht einem aktuellen Tweet zufolge bereits das Wort „Altcoin“ nur in den Mund zu nehmen.

„Wenn du meine Meinung zu irgendeinem Coin haben willst, bei dem es sich nicht um den originalen Bitcoin handelt, bist du blockiert.“

Man fragt sich: Ist denn Bitcoin SV nicht de facto auch ein Altcoin?

Wir haben an dieser Stelle einen Screenshot eingebunden, denn neuerdings ist das Twitter-Profil von @ProfFaustus auf privat gestellt. Und damit erreicht der selektive Diskurs die nächste Stufe. Des Pudels Kern ist also jetzt nicht mehr, dass Wright kritischen Gegenwind abstellen kann, sondern ab sofort nur noch einem erlesenen Publikum überhaupt Zugang zu seinen Thesen gibt. Lang lebe die Filterblase!

Es wird einsam um Wright

Man muss aber auch Nachsicht haben. Denn mit der Unterstützung von Bitcoin SV hat sich der Australier nicht nur Freunde gemacht. Im Gegenteil: Nachdem klar war, dass auch Bitcoin Cash (BCH) nicht mehr Satoshis wahrer Vision entspricht, musste SV her. Seither ist weder Bitcoin noch Bitcoin Cash der wahre Bitcoin, sondern eben Bitcoin SV („SV“ steht für Satoshis Vision). Man verliert leicht den Überblick.

Mit der Kampfansage an BCH und dem vom Zaun gebrochenen Hash War vergraulte Wright im November sogar einen seiner treuen Wegbegleiter Roger Ver.

Die Gretchenfrage also lautet: Was bezweckt Craig Wright mit seinem Gebaren? Hier noch eine Kostprobe:

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„Der renommierte Shitcoin-Experte Andreas Antonopoulos ist so weit weg davon, Bitcoin zu verstehen, wie man nur sein kann. Das einzige, was [er] richtig macht, ist Bitcoin richtig zu buchstabieren.“

Die Grenzen des guten Geschmacks hat der Australier auf jeden Fall längst gesprengt.

BTC-ECHO

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