Vitalik Buterin: „Ich zerstöre Jobs und schaffe bessere“

Tobias Schmidt

von Tobias Schmidt

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Tobias Schmidt

Tobias Schmidt ist seit August 2017 als Redakteur im Team von BTC-ECHO tätig. Sein Fachgebiet im Krypto-Bereich sind die vielen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Quelle: Vitalik Buttern via Romanpoet

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Der Gründer der Blockchain-Plattform Ethereum ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Krypto-Community und hat sich als so etwas wie der „Posterboy“ der Blockchain-Technologie herauskristallisiert. Am Wochenende sprach Buterin in zwei Interviews über die Krypto-Szene und seine Rolle darin. Dabei gab er einige spannende Einblicke in sein Leben, sein Blockchain-Projekt Ethereum und seine Sicht der Dinge.

Menschen sind soziale Wesen, denen Visualisierung und Personalisierung hilft, sich mit einer Sache, einem Projekt oder einer Idee zu identifizieren. Dies ist erkennbar im Personenkult einer politischen Partei oder der Heroisierung einzelner Sportler aus einer Mannschaft. Auch in der Krypto-Szene ist dies nicht anders – Menschen wollen Personen, die Ideen verkörpern.


Betrachtet man den Bitcoin als Platzhalter für die gesamte Krypto-Szene oder gar für den gesamten Blockchain-Bereich, so liegt zunächst der oder die Erfinder der ersten Blockchain als potentielle Gallionsfigur der Community auf der Hand: Satoshi Nakamoto. Da sich jedoch verschiedene Mythen um die wahre Identität des Bitcoin-Entwicklers ranken, muss man davon ausgehen, dass Nakamoto auch bis auf weiteres als Identifikationsfigur ausscheidet. Einer der Köpfe, der in die sich auftuende Lücke stößt, ist Ethereum-Gründer Vitalik Buterin.

Buterin ist mit seinen 24 Jahren eine der schillerndsten Persönlichkeiten und gibt der jungen und aufstrebenden Krypto-Szene ein Gesicht. Er selbst sieht sich, neben seiner Rolle als Chef von Ethereum, auch als Botschafter der Blockchain-Technologie und möchte das positive Image von Anwendungen weiter fördern.

Blockchain: Epochale Veränderung

Unter anderem darüber sprach er in einem Interview mit dem Vice Magazin. Er berichtete von seinen Anfängen im Krypto-Bereich, damals noch synonym mit der Nutzung des Bitcoin. Er begann 2011, sich mit der Technologie hinter der Kryptowährung auseinanderzusetzen und ließ sich in seinem Studentenjob dafür in Bitcoin bezahlen. Überzeugt von der Idee, dass eine Gruppe von Menschen mit der Blockchain ihr eigenes unabhängiges Finanzsystem aufbauen kann, machte er sich schließlich an die Entwicklung einer eigenen Plattform.

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Die Möglichkeiten der Blockchain beschreibt Buterin als „epochale Veränderung der bestehenden Verhältnisse“. Bitcoin mache durch Peer-to-Peer-Transaktionen Banken überflüssig, Ethereum weitet dies auf digitale bindende Übereinkünfte aus – durch den Gebrauch von Smart Contracts. Ob er sich als „Zerstörer der alten Welt“ sehe, angesichts der Masse an Jobs, die er potentiell überflüssig machen könnte, wird Buterin gefragt. „Ich zerstöre Jobs und schaffe bessere“, gibt Buterin trocken zurück.

Kritischer Blick auf ICOs

Tiefere Einblicke in die Krypto-Szene gab er in einem zweiten Interview, dieses Mal in der Financial Times. Dort ging er zum Teil hart mit Initial Coin Offerings ins Gericht, von denen viele die Krypto-Szene nicht weiter bringen. Es gebe Projekte, die „niemals eine Seele gehabt hätten“. An einer Stelle wurde er sogar konkret und stellte den Token TRON als Beispiel heraus.

Seiner persönlichen Rolle als Figur des öffentlichen Raumes sei er sich bewusst, auch wenn er nicht danach gestrebt habe. Vielmehr sei er in diese Rolle hineingeraten, weil sein Projekt Ethereum so groß geworden sei. Mit der Berühmtheit sei es dennoch phasenweise schwer umzugehen, besonders wenn man am Flughafen von Menschen bedrängt wird, die mit einem sprechen möchten.

Buterin hatte sich bereits in der Vergangenheit sehr kritisch zur Welle an ICOs geäußert – ungeachtet dessen, dass die meisten, wie etwa auch TRON, auf seiner eigenen Plattform laufen. Auch die Attitüden vieler Investoren, hauptsächlich den Investment-Case von Kryptowährungen, nicht jedoch ihren konkreten Anwendungszweck zu betrachten, stößt bei ihm sauer auf. Im Dezember twitterte er leicht überspitzt, er werde die Community bald verlassen, wenn es nur noch um Lambo-Memes und die Möglichkeit auf schnelles Geld ginge.

Das genau dies nicht geschehen wird, dürfte ihm selbst am allermeisten klar sein. Zu wichtig scheint ihm die Verbreitung seiner Vision zu sein und Teil der Blockchain-Revolution zu bleiben. Daher wird man wohl auch in Zukunft mit Interviews wie jenen am Wochenende rechnen dürfen.

BTC-ECHO

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