Videobeweis via Bitcoin-Blockchain

Viktor Gorlow

von Viktor Gorlow

Am · Lesezeit: 2 Minuten

Viktor Gorlow

Viktor Gorlow ist Jurist und Doktorand an der Universität Heidelberg. Seitdem er während seines Forschungs- und Lehraufenthalts in Moskau erstmalig mit der Blockchain in Kontakt kam, erforscht er ihre rechtlichen Implikationen und treibt die rechtliche Entwicklung voran.

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Quelle: CCTV car camera for safety on the road accident via Shutterstock

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Vergangene Woche äußerte sich das Justizministerium des Vereinigten Königreichs fast schon begeistert zu dem Potenzial der Blockchain-Technologie für die Beweissicherung. Betont wurde vor allem die Möglichkeit, Videoaufnahmen von Polizeieinsätzen (oder genauer: deren Hashwerte) manipulationsresistent auf einer Blockchain zu protokollieren, um sie gegebenenfalls gerichtlich zu verwerten.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Tanja Giese

Fast zeitgleich liefern der Jurist Heval Mienert und der Informatikprofessor Bela Gipp ein konkretes Produkt, das mithilfe der Bitcoin-Blockchain verspricht, die Integrität von Videomaterial als Beweismittel vor Gericht sicherzustellen (Zeitschrift für Datenschutz, 2017, Seite 514 ff.). Nicht nur staatliche, sondern auch private Videoaufnahmen sollen mit dem Zeitstempeldienst OriginStamp vor Gericht bestehen. Den ersten Anwendungsfall sehen die Wissenschaftler in Dashcams:

Verwertbarkeit von Videoaufnahmen vor Gericht

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Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern wie Russland, Frankreich, Spanien oder Italien bildet der Einsatz von Dashcams auf deutschen Straßen noch die Ausnahme. Der Grund dafür liegt nicht zuletzt in der Rechtsunsicherheit darüber, ob und unter welchen Umständen die Videoaufnahmen im Ernstfall als Beweismittel vor Gericht verwertet werden können. Problematisch erweisen sich dabei vor allem zwei Aspekte:

Einerseits können Persönlichkeitsrechte anderer Verkehrsteilnehmer und Passanten durch die permanente Videoaufzeichnung verletzt werden. Sofern eine Dashcam aber ihren internen Speicher automatisch überschreibt und Aufnahmen nur anlassbezogen (beispielsweise bei einer Fahrzeugkollision) speichert, ist der Eingriff in das Recht Dritter auf informationelle Selbstbestimmung relativ gering. Nach derzeitiger Rechtlage ist davon auszugehen, dass Dashcam-Aufnahmen unter den bezeichneten Voraussetzungen ein taugliches Beweismittel vor Gericht darstellen. Andererseits muss aber auch die Integrität des Videomaterials in technischer Hinsicht sichergestellt werden. Denn die Beweisqualität einer Aufnahme sinkt zusammen mit ihrer Manipulationsresistenz. Ein Authentizitätsnachweis könnte hier mithilfe der Blockchain-Technologie erbracht werden.

Beweissicherung auf der Bitcoin-Blockchain

Mienert und Gipp stellen zu diesem Zweck die Bitcoin-Blockchain in den Dienst der Wahrheitsfindung: Sie entwickelten eine Smartphone-App, die im Falle eines Verkehrsunfalls einen Hash der relevanten Videodatei erzeugt und über den Zeitstempeldienst OriginStamp auf der Bitcoin-Blockchain verewigt. Zum Nachweis der Authentizität einer Aufnahme muss ein Gericht nur noch den Hashwert der Datei mit dem Wert auf der Bitcoin-Blockchain vergleichen. Stimmen die Werte überein, steht fest, dass die Datei nachträglich nicht verändert wurde. Perspektivisch ließe sich mit der App jeglicher Bild- und Videobeweis verifizieren – unter anderem auch die Aufnahmen polizeilicher Bodycams.

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