Vernetzte Industrie: 100 Japanische Hersteller teilen Produktionsdaten via Blockchain

David Barkhausen

von David Barkhausen

Am · Lesezeit: 3 Minuten

David Barkhausen

David Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.

Quelle: Shutterstock

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Insgesamt 100 japanische Hersteller von Industriegütern wollen künftig Produktionsdaten über ein gemeinsames Blockchain-System miteinander austauschen. Damit soll die derzeit lahmende Industrie effizienter werden. Dabei soll das Projekt vor allem kleineren Unternehmen unter die Arme greifen, konkurrenzfähig zu bleiben. Aufgrund internationaler Konkurrenz und Einbußen im Exportgeschäft sieht sich die japanische Industrie steigendem Druck ausgesetzt.

Kaum etwas scheint der weltweiten Industrie so heilig, wie die eigene Produktion. Gerade für kleinere Unternehmen sind die Daten der eigenen Herstellung der Garant des eigenen Überlebens. Diese Geschäftsgeheimnisse zu hüten, gilt als wichtigste Tugend.


Japans lahmende Wirtschaft jedoch hat sich für einen anderen Weg entschieden. Um künftig marktfähig zu bleiben und effizient zu produzieren, setzt sie auf Kooperation und Austausch.

Nach Insiderberichten, die dem Asian Nikkei Review vorliegen, wollen künftig insgesamt 100 japanische Industriehersteller, darunter auch Marktführer Mitsubishi und Yaskawa, Produktionsdaten via Blockchain miteinander austauschen.

Distributed-Ledger-Technologie soll die Informationen dabei einerseits sicher lagern. Andererseits will es das Blockchain-Projekt Beteiligten ermöglichen, selbst zu entscheiden, welche und wie viele ihrer Produktionsdaten an welches Konkurrenzunternehmen weitergegeben werden.

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Datentausch dezentral: IOTA macht’s vor

Bereits im kommenden Frühling soll der Startschuss für die Kooperation fallen. Kontrolle und Steuerung sollen dann in der Hand der Industrial Value Chain Initiative [zu Deutsch: industrielle Wertschöpfungsketteninitiative] liegen. Der Zusammenschluss von Industrievertretern hatte sich 2015 gegründet und verfolgt das Ziel, das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) in der japanischen Industrie voranzutreiben. Bis zum offiziellen Start erwarten die Organisationen weiteren Zuwachs. Im Gespräch sind dabei neben anderen weltweit aktiven Wettbewerbern etwa der Bielefelder Werkzeugbauer DMG Mori.

Wie es in dem Bericht weiter heißt, gehe es bei dem Blockchain-Projekt in erster Linie jedoch darum, kleinen und mittleren Herstellern, die unter der Konkurrenz am Markt am stärksten ächzen, unter die Arme zu greifen. Geteilte Informationen zu Produktdesign, der Qualitätssicherung sowie den Status der Betriebsanlagen sollen ihnen helfen, marktfähig zu bleiben. Künftig könnten so beispielsweise Werkzeugbauer ihre Produktionschargen auf die Abnutzung ihrer Großkunden anpassen.

Dass ein solcher Austausch von Industriedaten über ein dezentrales Netzwerk gelingen kann, hierfür spricht der Datenmarktplatz der IOTA-Stiftung. Abgesichert mithilfe der dezentralen Technologien bieten auf diesem derzeit 70 Unternehmen der Konkurrenz ihre Produktionsdaten zum Kauf an. Unter den teilnehmenden Firmen sind unter anderem Bosch, die Deutsche Telekom oder auch der japanische Technologieriese Fujitsu.

Japanische Wirtschaft schrumpft, vor allem Elektrohersteller leiden

Dass die japanische Industrie nun ein gemeinsames Kooperationsprojekt wagt, kommt nicht von ungefähr. Zwar geht es vor allem den Maschinenbausparten der japanischen Großkonzerne gut. Japanische Spezialmaschinen wie Industrieroboter oder Gesundheitstechnik etwa bekleiden nach wie vor Spitzenränge im Rennen der weltweiten Konkurrenz. Dennoch wankt die einst tragende Säule der japanischen Wirtschaft.

Heute etwa lahmt vor allem die Elektronikbranche auf der ostasiatischen Zwillingsinsel. Nach einem rasanten Aufstieg in den siebziger und achtziger Jahren legt die Konkurrenz aus China, Taiwan und nicht zuletzt Südkorea und den USA stetig zu. Im Februar dieses Jahres war Japans Industrie in der Folge seit mehr als zweieinhalb Jahren erstmalig geschrumpft. Experten zufolge soll hieran neben der internationalen Konkurrenz vor allem die einbrechenden Exporte nach China schuld sein. Denn Pekings Wirtschaft hinkt derzeit im Feuer des andauernden Handelsstreits mit den USA und importiert weniger von seinem östlichen Nachbarn. Japans Industrie hofft derweil auf ein Freihandelsabkommen mit den USA. Dieses könnte helfen, die Exporte über den Pazifik wieder anzukurbeln.


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