US-Ökonom Roubini: „Es ist höchste Zeit, den Blockchain-Hype zu beenden“

Gregor Hallmann

von Gregor Hallmann

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Gregor Hallmann

Gregor Hallmann ist seit 20 Jahren Wirtschaftsjournalist. Als Redakteur einer Nachrichtenagentur verfolgte der studierte Politologe um die Jahrtausendwende hautnah den Internet-Boom und das folgende Platzen der Dotcom-Blase. Seitdem schreibt er als freier Journalist kritisch über Wirtschaft, Finanzen und Geldanlage – und hat dabei auch Kryptowährungen und Blockchain im Blick.

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Quelle: American economist Nouriel Roubini posing to press on january 19, 2009 on Istanbul, Turkey via Shutterstock

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Nouriel Roubini und Preston Byrne Fellow von der britischen Denkfabrik Adam Smith Institute sehen den Blockchain-Hype skeptisch. Die Wissenschaftler schreiben in einem Artikel, Blockchain könne „eine der am übermäßigsten hochgejubelten Technologien aller Zeiten“ sein. Roubini, früher auch für die US-Regierung, den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank tätig, trägt wegen vieler pessimistischer Prognosen zwar den Spitznamen „Dr. Doom“, doch in einigen Fällen lag er richtig. Der Ökonom warnte beispielsweise frühzeitig vor dem Platzen der Immobilienblase in den Vereinigten Staaten und den daraus resultierenden Folgen.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Tobias Schmidt

Roubini und Byrne lassen kaum ein gutes Haar an Kryptowährungen und Blockchains. Letztere seien weniger effizient als bestehende Datenbanken, die Latenz sei höher, und sie bräuchten deutlich mehr Speicherplatz und Rechenleistung als zentralisierte Anwendungen, heißt es in dem Artikel. Blockchains mit Proof-of-Stake- oder Zero-Knowledge-Mechanismus würden durch die kryptografische Verifizierung aller Transaktionen verlangsamt. Blockchains, die auf der bei vielen Kryptowährungen genutzen Proof-of-Work-Methode beruhen, bräuchten zudem enorme Energiemengen. Zwar könnten Blockchains in Fällen sinnvoll sein, in denen sich ein Kompromiss zwischen Geschwindigkeit und Verifizierbarkeit lohnt. So werde die Technologie aber nur selten angepriesen, monieren Roubini und Byrne:

„Blockchain-Investmentvorschläge machen üblicherweise wilde Versprechungen eines Umsturzes ganzer Branchen, etwa des Cloud-Computing, ohne offensichtliche Beschränkungen der Technologie einzuräumen.“

Die Wissenschaftler werfen die Fragen auf, warum Banken, die bereits täglich effiziente Systeme zur Verarbeitung von Millionen Transaktionen einsetzen, auf merklich langsamere und weniger effiziente Technologien umsteigen sollten. Für die Zwecke von Finanzinstitutionen könne eine einzelne, global verteilte Blockchain wie Ethereum „niemals von Nutzen sein“.

„Kein universelles Basisprotokoll“


Falsch sei die Annahme, die Blockchain sei ein neues, universelles Protokoll, so wie es TCP-IP oder HTML für das Internet waren. Blockchains stützten sich selber auf Basisprotokolle. Außerdem müssten Blockchains die Beschränkungen der Hardware ihrer Nutzer berücksichtigen und sich vor Attacken schützen. Dies mache erklärbar, warum der Bitcoin-Client Bitcoin Core pro Sekunde nur fünf bis sieben Transaktionen verarbeiten könne, während bei Visa 25.000 Transaktionen pro Sekunde möglich seien. Das Problem der Blockchain-Skalierung halten Roubini und Byrne für noch „mehr oder weniger ungelöst“. Hart gehen die Wissenschaftler auch mit der Utopie der „Vertrauenslosigkeit“ ins Gericht, die die Blockchain angeblich hervorbringe, indem sie Intermediäre überflüssig mache. Dies sei schon aus einem einfachen Grund „absurd“:

„Jeder bestehende finanzielle Vertrag kann von Vertragsparteien entweder verändert oder vorsätzlich gebrochen werden. Diese Möglichkeiten durch eine rigide ‚Vertrauenslosigkeit‘ weg zu automatisieren, ist wirtschaftlich nicht umsetzbar, nicht zuletzt, weil alle finanziellen Verträge dann zu 100 % bar besichert werden müssten, was aus Kapitalkostenperspektive verrückt ist.“

„Energie-ineffizienter Dinosaurier“

„Es ist höchste Zeit, den Hype zu beenden“, resümieren Roubini und Byrne. Bitcoin sei ein langsamer, energie-ineffizienter Dinosaurier, der nie imstande sein werde, Transaktionen so schnell oder preiswert zu verarbeiten wie ein Excel-Spreadsheet. Ethereum werde durch die Pläne für ein unsicheres Proof-of-Stake-Authentifizierungssystem anfällig für Manipulationen. Und die Ripple-Technologie für grenzüberschreitende Interbanken-Finanztransfers werde schon bald durch Swift „im Staub zurückgelassen“. Dass Roubini und Byrne Swift in ihrem Artikel als „Non-Blockchain“-Konsortium bezeichnen, ist allerdings nicht ganz korrekt: Wie BTC Echo berichtete, beschäftigt sich die Organisation, die den Nachrichten- und Transaktionsverkehr zwischen Finanzinstitutionen weltweit standardisiert, durchaus mit Distributed-Ledger-Technologien (DLT), etwa für Anwendungen an Wertpapiermärkten oder zum Abgleich von Nostro-Konten.

Das Fazit der Wissenschaftler: „Letztlich wird der Blockchain-Einsatz auf bestimmte, fest umrissene, komplexe Anwendungen beschränkt sein, die Transparenz und Manipulationssicherheit brauchen mehr als Geschwindigkeit.” Ein Beispiel sei die Kommunikation mit selbstfahrenden Autos oder Drohnen. In Sachen Kryptowährungen fällt das Fazit noch pessimistischer aus. „Die meisten Coins unterscheiden sich kaum von Eisenbahnaktien der 1840er-Jahre, die zusammenbrachen, als die Blase – wie die meisten Blasen – platzte.“

BTC-ECHO


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