Was ist das Order-Book?

Eine Einführung in das Order-Book, neben den Candlestick Charts einem der wichtigsten Werkzeuge des Traders.

In verschiedenen Tutorials wurde über den Candlestick Chart, über Trends, Indikatoren und Chart Pattern gesprochen. All diese Hilfsmittel zur Beurteilung vergangener und Abschätzung zukünftiger Kursbewegungen werden auch regelmäßig in den Kursanalysen angewandt.

Trades – die Grundlage aller Charts

Doch wie kommen die oben genannten Signale zustande? Wie in den Tutorials angedeutet sind diese im Angebot und der Nachfrage nach einer bestimmten Wertanlage begründet: Steigt die Nachfrage, steigt der Preis.

Konkreter und noch etwas radikaler gesagt entstehen Charts, Pattern, Trends und Indikatoren durch die ständig laufenden An- und Verkäufe eines Assets – also am Verlauf der einzelnen Transaktionen. Auf den meisten Exchanges kann, wie hier in Bittrex dargestellt, dieser Verlauf in Echtzeit studiert werden:

Wir sehen hier, dass zum Zeitpunkt der Aufnahme mehrere Kauf-Order abgeschlossen wurden und so der aktuelle Preis des Assets, im betrachteten Fall von Neo, leicht angehoben wurde.

Order-Buch – für welchen Preis würde ich kaufen und verkaufen?

Selbst in dieser rudimentären Darstellung kann noch ein Schritt weiter zurück gegangen werden: wie entstehen Käufe und Verkäufe und wie kommt es zu einer Preisentwicklung? Ein Käufer muss eine Vorstellung davon besitzen, zu welchem Preis er bereit ist, in eine Wertanlage zu investieren. Dasselbe lässt sich über einen Verkäufer sagen: zu welchem Preis ist dieser bereit, sich von seiner Wertanlage zu trennen?

Leute, die in einen Kurs nur schnell ein- beziehungsweise aussteigen möchten kaufen und verkaufen gerne zum für die Gegenseite günstigsten Preis. Entsprechend springen viele zum letzten Preis auf beziehungsweise veräußern ihr Investment.

Wäre das alles, würden alle Käufe und Verkäufe jeweils dem letzten Preis entsprechen – wenn überhaupt ein Handel entsteht. Der Preis würde sich insgesamt überhaupt nicht ändern.

Es existieren jedoch noch andere Parteien auf dem Markt:

  1. Käufer, die davon überzeugt sind, dass das Asset unterbewertet ist und deshalb gerne möglichst schnell – auch zu einem Preis, der höher als der aktuelle Marktpreis ist – einsteigen wollen.
  2. Käufer, die meinen, dass der Kurs aktuell überbewertet ist, die jedoch bereit sind, zu einem Preis unter dem aktuellen Marktpreis einzusteigen.
  3. Verkäufer, die das Asset aktuell für unterbewertet halten, aber ein bestimmtes Preislevel über dem aktuellen Marktpreis für akzeptabel halten.
  4. Verkäufer, die das Asset für überbewertet halten und so bereit sind, zu einem Preis unter dem aktuellen Markt zu verkaufen.

Schließlich ist auch die Volatilität des Tauschpartners zu berücksichtigen. Das mag bei Tauschgeschäften zwischen einer Kryptowährung und Fiat noch relativ stabil sein, aber bei Wertepaaren wie Ethereum/Bitcoin kann ein Preisanstieg von Bitcoin zu einem relativen Werteverlust von Ethereum führen.

Diese Parteien handeln miteinander. Jeder hat seinen eigenen Plan, seine Einschätzung des realen Wertes eines Assets und seine Zeitskala, die er bei seinen Analysen und Entscheidungen berücksichtigt.

Nebenbei kann man an dieser Stelle lernen, dass die Trading-Weisheit, dass bei einem guten Trade die Gegenseite immer verliert, ja, das man auf Kosten von Marktverlierern Profit mache, zu kurz greift, da sie allen dieselbe Absicht im selben Zeitfenster unterstellt. Weniger abstrakt gesagt: Ein Daytrader wird ein Asset anders als ein Langzeit-Investor einschätzen.

Zurück zum Order-Book: Die genannten unterschiedlichen Parteien können unabhängig vom Marktpreis Kauf- und Verkauforder generieren beziehungsweise auf schon bestehende Antworten. Ein Order-Book sieht dann insgesamt wie folgt aus:

Wie zu sehen ist wird zwischen Bids und Asks unterschieden. Bids sind dabei die Kaufpreise, welche Käufer der oben aufgeführten zweiten Gruppe zu bezahlen. Asks sind dazu komplementär die Verkaufspreise, welche Verkäufer der dritten Gruppe akzeptabel finden.

Marktteilnehmer der ersten beziehungsweise vierten Gruppe sind gemeinhin Leute deren Positionen gerne und schnell von Tauschpartnern angenommen werden, handelt es sich dabei doch um für den Tauschpartner sehr lukrative Deals, die auch teilweise schon als Position, also Ask oder Bid, vorhanden sind. Die Kauf- und Verkaufspreise sind im betrachteten Wertepaar in BTC angegeben.

Neben der Angabe der Bid- und Askpreise ist zum Einen die Menge des Assets, die für einen bestimmten Preis gehandelt werden soll, in diesen Listen aufgeführt. Unter “Size (NEO)” kann dem betrachteten Beispiel entnommen werden, wie viele NEO-Token für den unter Bid beziehungsweise Ask angegebenen Preis in BTC gekauft beziehungsweise verkauft werden.

Der Gegenwert in BTC für diese Summe an NEO-Token steht unter “Total”, während unter “Sum” eine kumulative Summe gebildet wird. Für die Bid-Preise wird diese kumulative Summe gebildet, indem für einem bestimmten Preis die Total-Werte aller teureren Bid-Order mit dem Total-Wert des betrachteten Preises aufsummiert wird. Analog wird im Fall der Ask-Preise die Summe aller Total-Werte für preiswertere Ask-Order und dem Total-Wert der betrachteten Ask-Order gebildet.

So wird für die Bid-Order von Leuten, welche NEO für einen Wert von 0,00652703 BTC kaufen würden, die Summe aus den Total-Werten für die Bid-Order selbst, 0,00652704 BTC und 0,006530000 BTC gebildet. Davon ausgehend, dass viele Verkäufer gerne einfach schnell verkaufen, werden sie den höchsten Bid-Wert bedienen wollen.

Das bedeutet, dass davon auszugehen ist, dass vor einem Verkauf von NEO zum Preis von 0,00652703 BTC erst die BID-Order, in denen NEO zum Preis von 0,00652704 BTC und 0,00653000 BTC verkauft werden. Im betrachteten Beispiel muss gemäß des Wertes für Total erst NEO im Wert von 1,0905 BTC Käufer finden.

Buy und Sell Walls – was die Market Depth einem verrät

Auch wenn eine derartige Darstellung die konkreten Bid- und Ask-Order sortiert auflistet, ist eine derartige Darstellung nicht gerade schnell zu erfassen. Deshalb hat sich eine graphische Darstellung des Order-Books etabliert, welche als Market Depth oder Depth of Market, übersetzt Markttiefe bekannt ist.

Als Beispiel wird hier das Wertepaar Ethereum/Bitcoin betrachtet, da an diesem ein wichtiger Nutzen dieser graphischen Darstellung gut illustriert ist. Für die graphische Darstellung werden alle “Sum”-Werte der Bid- und Ask-Order über dem jeweiligen Preis in BTC aufgetragen. Das Ergebnis sieht dann so aus:

Man erkennt eindeutig, dass bei einer Bid-Order in Höhe von 0,07150250 BTC das Total, d.h. die kumulierte Summe aller Order, rapide ansteigt. Man spricht hier von einer Buy Wall. Es wird schwer werden, diesen Preis zu unterbieten, da hierfür eine Menge an Orders erst erfüllt werden müssen. Etwas analoges kann es bei den Ask-Ordern geben, hier wird von einer Sell Wall gesprochen. Große Sell Walls halten entsprechend den Preis unten.

Natürlich ist an dieser Stelle zu betonen, dass derartige Walls auch bewusst gesetzt werden können. Gerade bei kleineren Altcoins existieren nicht wenige Big Player auf dem Markt, die durch Setzen von großen Orders entsprechende Walls setzen und so das Verhalten der weiteren Trader steuern wollen. Dieser Prozess ist als Spoofing bekannt. Entsprechend sind diese Walls, ähnlich wie Supports und Resistances, natürlich auch keine 100%-Garantie, dass sich der Preis in diese oder jene Richtung weiter entwickelt, können aber eine (Ver-)Kaufsentscheidung unterstützen.

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