Shitcoins, Tschüss Shitcoins, hallo Ökosystem: Darum ist die Situation besser als gedacht

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Tschüss Shitcoins, hallo Ökosystem: Darum ist die Situation besser als gedacht

Je komplexer ein Thema, desto größer ist die Gefahr, dass Allgemeinplätze entstehen, die nur bedingt die reale Situation wiedergeben. So auch bei Blockchain-Projekten und deren Finanzierung via ICO. Ein zentrales Problem ist hier die mangelnde Unterscheidung zwischen Blockchain-Ökosystemplattformen (setzen am Protocol Layer an) und den Token-Dienstleistungsplattformen (setzen am Application Layer an). Warum Shitcoins, die auf Service-Plattformen genutzt werden, inzwischen kaum noch eine Rolle spielen und Ökosysteme wie Ethereum, EOS oder Lisk wichtiger denn je sind.

Typische Verallgemeinerungen in Bezug zu Kryptowährungen sowie ICOs hören und lesen sich wie folgt:

  • ICOs haben auf ganzer Strecke versagt
  • Token machen keinen Sinn
  • Es fehlt an Business Cases

Diese Aussagen mögen in Teilen auch stimmen. Das Problem ist nur, dass sie sich auf bestimmte Teile, Bereiche oder Unternehmen aus der Krypto-Ökonomie beziehen. Konkret wird sich bei diesen Aussagen vorrangig auf ICOs bzw. Token-Projekte gestützt, die auf Grundlage des ERC20-Token von Ethereum, Services aus dem Boden gestampft haben, ohne ein substanzielles Token-Konzept zu besitzen. Das Mindset: „Token um jeden Preis. Business Case und Community-Mehrwert kommen dann von ganz alleine“, hat zu diesem Imageschaden geführt, der das Bild außerhalb der Krypto-Szene geprägt hat.

Welches Gewicht haben Shitcoins wirklich?

So gerne über die vielen ERC20-Token-Plattformen hergezogen wird, darf nicht vergessen werden, dass diese nur einen sehr kleinen Teil der Krypto-Marktkapitalisierung ausmachen. Schaut man sich die Top-30-Coins gemäß Marktkapitalisierung an, fällt auf, dass hier der Anteil an „selbstständigen“ Ökosystem-Plattformen enorm hoch ist. Je weiter man in der Rankingtabelle nach Marktkapitalisierung nach unten scrollt, desto weniger Ökosysteme und native Blockchain Token findet man am anderen Ende der Krypto-Nahrungskette. Der klassische ERC20-Token, der im ICO-Hype geboren wurde, macht an der gegenwärtigen 120 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung nur noch einen kleinen Teil aus. Schätzungsweise liegen wir hier in einem viel geringeren Prozentbereich als noch vor einem Jahr. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass der Großteil des Kapitals bei innovativeren und seriöseren Projekten liegt.


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Das Gleiche gilt auch für Scam-ICOs. So viele Schrott- oder gar Betrugs-ICOs es in der Vergangenheit auch gab: Nur wenige haben, bis auf wenige Ausnahmen zum Anfang des ICO-Hypes (z. B. Bitconnect), wirklich viel Kapital eingesammelt. Der typische Scam-ICO ist praktisch tot bzw. die Summen, die hier eingesammelt werden, sind inzwischen zu vernachlässigen.

Ökosystem first, Applikation second

Es wäre jetzt allerdings falsch, Applikationen bzw. Services, die auf einer Ökosystem-Plattform wie Ethereum, EOS oder Lisk aufbauen, pauschal zu verurteilen. Schließlich sorgen diese für die finalen Use Cases, für das Entstehen einer Krypto-Ökonomie. Das Problem ist nur, dass diese Krypto-Services auf einem bislang zu schwachen Fundament aufbauen. Ein Haus sollte man schließlich auch nicht in einem Sumpfgebiet errichten, sondern auf einem festen Fundament. Ebendieses Fundament ist allerdings noch nicht ausreichend vorhanden. Es fehlt unter anderem an Usability, Skalierung und Schnittstellen. Die Folge sind Service-Token, die, neben dem oft mangelhaften Business Case, keinen Sinn ergeben. Das Ergebnis erleben wir seit über einem Jahr in Form des Bärenmarktes und einem langsamen Ausbluten dieser vielen hoffnungslosen Projekte.

Das bedeutet aber auch: Es ist umso wichtiger, dass sich Ethereum & Co. weiterentwickeln. Die Ethereum Constantinople Hard Fork wird mit dem Block 7.280.000, also voraussichtlich am 27. Februar, stattfinden. Gemeinsam mit Casper und Sharding leitet sie genau die richtigen Schritte ein. Diese Grundlagenarbeit erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass in Zukunft auch Applikationen zu sehen sind, deren kommerzielle Nutzung nicht nur auf Glücksspiel-dApps begrenzt ist. Auch wenn die aktuellen technologischen Fortschritte, wie zum Beispiel im Bereich Second-Layer-Lösungen, Blockchain Identity oder Reputation Systems positiv stimmen, wird diese Entwicklung nur bedingt vom Krypto-Markt rezipiert. Hier gilt: Dezentrale Ökosysteme können nicht von heute auf morgen entstehen. Die Erwartungen an die Blockchain-Technologie sind nicht zu hochgesteckt, sondern der Glaube daran, dass die Ideen innerhalb weniger Monate umgesetzt werden können.

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