Announcements, To the moooon! Wie man seine Kryptowährung ohne Mühe pushen kann
Announcements, To the moooon! Wie man seine Kryptowährung ohne Mühe pushen kann

Quelle: Pink rubber duck in bath foam

To the moooon! Wie man seine Kryptowährung ohne Mühe pushen kann

Seiten wie Coinmarketcap führen dazu, dass Marktkapital als eine wertende Größe betrachtet wird. Entsprechend versuchen Projekte, möglichst weit oben auf Coinmarketcap zu erscheinen. Dabei muss nicht jeder Weg gleichbedeutend mit einem guten Use-Case oder großartiger Adaption sein.

Eine Kolumne von Philipp Giese

Es gibt noch die unentdeckten Orte der Erde, die weißen Flecken auf der Landkarte: Neben der Seite zwei der Google-Suchergebnisse sind hier auch die Plätze ab 101 hinsichtlich des Marktkapitals zu nennen. Für Projekte ist es bezüglich des Marktkapitals unglaublich von Vorteil, unter den ersten hundert Plätzen zu sein, da man dann zu dem erlauchten Club gehört, der es in unseren Preisindex schafft. Auch auf Seiten wie Coinmarketcap wird ein erster Blick auf die Top 100 geworfen, nur optional lassen sich Kryptowährungen unter„ferner liefen“ anschauen.

Auf den ersten Blick macht das Sinn, ist doch in einer ersten Betrachtung davon auszugehen, dass Kryptowährungen mit einem hohen Marktkapital eine große Akzeptanz haben beziehungsweise die Nachfrage danach sehr hoch ist. Wenn man davon ausgehen würde, dass dies der Fall wäre, würden sich bei den Währungen mit hohem Marktkapital nur Kryptowährungen mit interessanten Use-Cases oder realem Nutzen finden lassen. Ein Blick auf die Top 100 der Kryptowährungen reicht aus, um zu zeigen, dass dem nicht so ist. In diesem etwas zynischen Guide sollen einige der Methoden zur Krypto-Variante des Growth-Hackings, die seit einigen Monaten besonders beliebt sind, beleuchtet werden.

Airdrops – Wie viele Coins hättens denn gern?


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2017 war das Jahr der ICOs. Daran rüttelt auch nicht, dass über 40 % derselben bisher gescheitert sind. Die Bilanz für Start-ups ist auch nicht besser, was weder etwas am Wert der Start-up-Kultur ändert noch den konstant aufkommenden Neugründungen Einhalt gebietet.

Was jedoch wird das Jahr 2018 sein? Nach chinesischen Kalender das Jahr des Hundes, ob dies für Doge oder Dogethereum eine Mondlandung bedeutet, ist noch nicht abzusehen.

Wie die anderen Strategien sind Airdrops und Forks natürlich keine Erfindung des Jahres 2018, jedoch ist aktuell ein Boom bezüglich beider Phänomene auszumachen.

Ein Grund ist sicherlich in der Gesetzgebung zu sehen: Die regulatorischen Hürden für ICOs werden immer höher. Nicht jedes Projekt kann sich den rechtlichen Beistand im Vorfeld leisten. Außerdem ist natürlich der Fakt, dass Interessierte Geld investieren müssen, manchmal eine Barriere. Wie viele haben schon bei billigsten Handy-Apps Schwierigkeiten („5 Euro für ein iPhone-Spiel! Das ist zu teuer!“), entsprechend zögerlich investieren diese in Projekte mit nur einem White Paper.

Wie schaut es aber im Fall von Airdrops aus? „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“ sagt das Bonmot. Entsprechend gern nimmt man an derartigen Möglichkeiten für Free Money teil – schließlich können die Token gegebenenfalls auf irgendeiner Exchange veräußert werden!

Diese Hoffnung teilt auch der Token-Issuer: Nicht selten haben diese auch nach dem Airdrop noch einen großen Stake, der ihnen im Fall eines Börsen-Listings sehr viel Geld einbringt.

Vollkommen absurd wird es, wenn ein Airdrop mit einer unglaublich großen Menge an Token gestartet wird: Eine Kryptowährung, die einen Supply von mehreren Milliarden besitzt, erscheint nach einem Börsen-Listing schnell weit oben auf Seiten wie Coinmarketcap.

Diesen Vorwurf kann man natürlich auch ICOs machen, speziell wenn eine große Menge an Token emittiert wurde und ein signifikanter Teil davon im Besitz des Projekts bleibt. In beiden Fällen geraten Projekte, die bisher lediglich einen Equity Token geschaffen haben, zu einer hohen Wertung, die durch den geringen Token-Preis sogar noch weiter gerechtfertigt wird – ohne, dass Größen wie die Bitcoin Price Equivalence angeschaut wird.

Hard Forks – Profit durch Namedropping

„Free Money“ ist noch für ein anderes Phänomen ein Stichwort: Hard Fork, eigentlich ein Begriff für ein nicht abwärtskompatibles Protokoll-Update, wird aktuell nur noch als Chain Split wahrgenommen – und entsprechend denken viele nur noch an das kostenlose Geld.

Natürlich können Hard Forks durchaus sinnvoll sein. Schließlich stellen sie sogar einen wichtigen Aspekt der dezentralen Governance dar. Wer immer neue Ideen für eine bestimmte Blockchain hat, kann diese dem Markt schnell vorschlagen. Kein Proposal, über das zentral entschieden wird, kein Testnet, welches von sehr wenigen Krypto-Enthusiasten überhaupt verfolgt wird, sondern die reale Welt und der echte Markt entscheiden dann über Protokoll-Neuerungen.

Dennoch ist es ein Problem, dass auch hier eine Art Krypto-Äquivalent für Growth-Hacking praktiziert wird. Forks, die auf große Währungen zurückgehen beziehungsweise sich mit deren Namen schmücken, nutzen die Assoziation mit der ursprünglichen Kryptowährung gerne aus. Das nimmt groteske Züge an, wenn eine Währung nichts mit der Codebase des Namensgebers zu tun hat oder wenn entgegen der erbetenen Sicherheitsmaßnahmen der Ursprungswährung das Claimen von Coins auf der Fork motiviert wird. Gepaart mit Announcements kann dies für einen ordentlichen Pump sorgen.

Announcements – Pump durch Ankündigungen

Was aber, wenn man schon eine Währung draußen hat und in den erlauchten Club der Top 100 kommen will? Hier muss man die Marketing-Maschine anwerfen! Es braucht dann weniger interessante Protokoll-Updates wie eine Off-Chain-Skalierung von Transaktionen – das ist schon viel zu weit gedacht.

Der Kryptomarkt ist schnell und nervös. Viele Investoren kaufen und verkaufen nicht auf Basis eines skalierbaren Protokolls oder einer fantastischen User-Experience, sondern wegen krasser News. Und die lassen sich schnell bringen: Partnerschaften, (angebliche) ehemalige Mitarbeiter von großen Unternehmen, die sich dem Projekt anschließen, Börsen-Listings oder sonstige Announcements sind seit einiger Zeit ein probates Mittel, um das Interesse der Käufer zu wecken.

Partnerschaften sind immer eine feine Sache. Ob diese nun real sind oder mehr als ein Lippenbekenntnis, ist sekundär. Wichtig ist, dass der Name der Kryptowährung neben irgendeinem anderen Projekt steht. Zynismus beiseite gelassen: Sicherlich sind Partnerschaften mit Microsoft, BMW, SAP oder ähnlichen Unternehmen ein Meilenstein. Es erinnert jedoch zu oft an die Lippenbekenntnisse, die man von Vertretern der großen Unternehmen bezüglich der Start-up-Kultur hörte. Dennoch kamen keine großartigen, durch Joint Ventures mit Start-ups entstandenen Innovationen zustande. Solange eine Partnerschaft nicht mit einem konkreten Ziel verbunden ist, handelt es sich erstmal um eine reine Werbepause.

Rebrands sind ebenso oft eine vollkommen nachvollziehbare Sache. Die User-Experience aller Produkte zu überarbeiten, im Rahmen einer Neuausrichtung der Projektziele das Logo redesignen, eine neue Roadmap aufstellen, vielleicht sogar den Namen ändern – alles nachvollziehbar. Aber oft tut man so, als wäre ein Rebrand ein großartiges Ereignis, welches den Wert einer Kryptowährung dramatisch anheben wird. Hier gilt wie bei den Partnerschaften: Ohne beispielsweise eine Verbesserung der Funktionalität hat man es nur mit einem kurzfristigen Pump zu tun.

Wahrscheinlich ist mein Problem mit Partnerschaften und Rebrands die Inflation an Announcements, die es aktuell von Kryptowährungen gibt. Es werden Partnerschaften angekündigt (aber nicht genannt), ein Rebrand wird angekündigt, ein Börsen-Listing wird angekündigt, ja, ein Announcement wird angekündigt – und der Markt dreht durch.

Wobei fairerweise die korrekte Form die Vergangenheitsform wäre. Während Anfang des Jahres die Leute nervös auf jede Ankündigung reagierten, verhält sich der Markt aktuell wieder etwas ruhiger.

(Nicht) Alles ist Windhauch!

Gilt nun das biblische „Windhauch, Windhauch, alles ist Windhauch”? Keineswegs! Sicher, vor einigen Monaten habe ich eine Kolumne zum leidigen Thema Blasen im Krypto-Ökosystem geschrieben. Ich habe dargestellt, dass die Kryptowährungen keine einzelne Blase sind, sondern eher einem Schaumbad gleichen. Viele dieser Announcements, Airdrops und Hard Forks sind kleine Bläschen in diesem Schaumbad. Entsprechend sind sie auch zu bewerten: Sie bauen den  Kryptomarkt weder nachhaltig auf, ruinieren ihn aber auch nicht. Damit der Markt weiter nachhaltig wachsen kann, ist wichtig, dass gerade die jüngeren Projekte nun liefern. Ich bin davon überzeugt, dass das geschehen wird und dieses Jahr viel mehr sein kann als ein Jahr der Announcements!

BTC-ECHO

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