SWIFT kämpft um seinen Bestand in einer Blockchain-Welt

Danny de Boer

von Danny de Boer

Am · Lesezeit: 6 Minuten

Danny de Boer

Als Informatiker schaut Danny de Boer kritisch auf die Blockchain-Entwicklung und Kryptographie. Zwischen Komplexität und Hype erklärt er allgemeinverständlich und anwendungsbezogen. Seit 2014 berichtet er für BTC-ECHO aus der Krypto-Szene.

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Transaction Completed message on smart phone screen. Detail of workplace.

Quelle: © daviles - Fotolia.com

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Kann sich Swift überhaupt noch in einer Blockchain Welt behaupten?

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Mark Preuss

Swift wurde im Jahr 1973 als Standardisierung für grenzüberschreitende Zahlungen erschaffen. Es ist das Bilderbuchbeipsiel eines Mittelsmanns. Es agiert zwischen Banken auf dem ganzen Globus und profitiert von Gebühren die durch Transaktionen der Mitglieder untereinander entstehen.

Seit seiner Gründung stieg die Anzahl der Swift Mitglieder von 239 auf 11.000. Letztes Jahr sendete die “kooperative Gruppe” rund 6,1 Milliarden Finanztransaktionen mit einem Umsatz von 710 Millionen US-Dollar.

Dann kam die Blockchain und in vielerlei Hinsicht ist dieses Geld jetzt zum Greifen nahe.

Durch das Angebot einer verteilten Plattform auf der man in Echtzeit Transaktionen ausführen kann, sahen sich einige industrielle Mittelsmänner einer neuen Beurteilung ihrer Rolle gegenüber.

Swift wird nicht kampflos zugrunde gehen, glaubt man zumindest denen an der Front, die daran arbeiten, dass das Netzwerk immer noch relevant bleibt. Dies bedeutet aber nicht, dass es sich nicht ändern wollen würde.

Die Organisation stellt eine neue Zahlungsinitiative vor, die durch einige der größten Banken der Welt angeführt wird. Die Funktionalität ähnelt einer Blockchain. Swift suchte ebenfalls die Zusammenarbeit mit verschiedenen Startups, um den technischen und kulturellen Wind der heutigen Finanzwelt zu erkennen.

Eine neue Basis

Die Basis dieses Plans ist die Funktionsweise von Swift auf grundlegender Ebene zu ändern.

Die Global Payments Initiative wurde letzten Monat als Pilotprojekt veröffentlicht. Es zielt auf die Verbesserung der Transparenz, sowie die Erhöhung der Transaktionsgeschwindigkeit ab.

Im September erklärte Swift CEO Gottfried Leibbrandt einer Zuhörerschaft von 8.000 Leuten beim Sibos-Event, dass das Unternehmen die Blockchain als Katalysator für die GPI sieht.

Einer der 10 globalen Bankenleute, die die Swift GPI Vision Group anführen, sagte dass sein Team mit den potenziell disruptiven – und vorteilhaften – Eigenschaften der Blockchain arbeitet. Sein Team ist außerdem für die Auslegung der langfristigen Ziele der Plattform beauftragt worden.

Tony Brady, Leiter des globalen Produktmanagements bei BNY Mellon Treasury Services, erklärte CoinDesk:

“Während wir die Hürden grenzenüberschreitender Zahlungen mit bereits vorhandenen skalierbaren und sicheren Technologien überwinden… Wollen wir ebenfalls damit Beginnen zu schauen, welche neu aufkommenden Technologien uns in irgendeiner Weise helfen können.”

Laut Swift soll die GPI die Vervollständigung einer Transaktion von fünf Tage auf einen Tag oder weniger reduzieren. Mögliche Bereiche mit Verbesserungen könnten eine transparentere Gebührenstruktur sein, sowie in manchen Fällen, direkte Abwicklungen. Mehr als 80 globale Banken sollen die neue Plattform nächstes Jahr nutzen, wenn sie ans Netz geht.

Die Arbeit der bestehenden Top-Unternehmen der finanziellen Industrie reicht jedoch nur so weit – während der Wettbewerb zusehends aus dem Startup Sektor kommt.

Am 23. September kündigte Marcus Treacher, ehemaliger Vorstand der Swifts Beratergruppe an, dass sein Unternehmen erfolgreich grenzüberschreitende Transaktionen getestet hat.

Der einzige Haken: Er arbeitete nicht mehr für Swift.

Treacher ist nun globaler Leiter der Strategic Accounts für Ripple, einem dezentralen Ledger Startup, dass sich als alternatives Zahlungsnetzwerk für bereits sieben Swift Mitglieder etabliert hat.

Mit dem Versprechen von Echtzeit-Zahlungen und einem 100% transparenten Gebührensystem vor der Transaktion, ist die Nachricht von Ripple an Swift ziemlich klar: seid innovativ, passt euch an oder verschwindet.

Während Swift mehr Anstrengungen zur Verbesserung seiner GPI unternimmt, verbündet sich die Zahlungsplattform aber auch mit der Startup Szene, die eines Tages seinen Untergang einleiten könnte. Tatsächlich ist es wahrscheinlich Swifts eigene Kultur die sich ändern müsste, wenn sie wirklich eine weitere Chance haben wollen, so Kevin Johnson, Leiter des Innovationsprogramms von Swift.

Johnson erklärte CoinDesk, dass es kein Zufall war, dass beim Sibos-Event in Genf mehr Startups als je zuvor präsent waren.

“Das ist etwas, dass wir bei Swift, ebenfalls in unsere Unternehmenstruktur einbringen wollen”, sagte Johnson, der ebenfalls das Kickstart Accelerator für eine andere Gruppe bei Sibos mit moderierte. “Wir gehen auf die Startups zu, um etwas aus ihrer Szene für uns zu lernen und auch um etwas davon bei uns einzubringen.”

Von Startups unterrichtet

Swift lädt nicht nur Startups in seinen Raum ein – es unterstützt aktiv ihre Ansätze.

Zusätzlich zu der Startup Village die von 25 lokalen FinTech Startups bevölkert wird, zahlte Swift den 10 Gewinnern seiner Startup Challenge und 3 weiteren der Industry Challenge einen Preis aus. Der Startup Accelerator nennt sich Innotribe und wird von Swift selbst gehostet.

Die Aufgabe bestand darin Swift bei der Nutzung der Blockchain Technologie zu unterstützen, die drei Gewinner Startups wurden mit 100.000 US-Dollar Contracts auf Basis ihrer early-stage (zu deutsch: frühe Phase) Arbeit prämiert. Swift bekam aber nichts im Austausch für das Geld. Johnson erklärte, dass das Unternehmen sich lediglich einen Einblick in die Unternehmenskultur der Gewinner erhofft.

Der Gewinner einer dieser Contracts war Sergey Nazarov, Gründer von SmartContract.com. Nazarov entwickelte einen Smart Bond Service, welcher als Brücke zwischen Swifts alter und neuer Unternehmensstruktur agieren könnte.

Nazarovs Proof-of-Concept nutzt einen Smart Contract, um seinen eigenen Interbanken-Angebotzins zu ermitteln. Danach wird eine Anleihe erstellt, welche, statt einer Kryptowährung,  in Echtzeit gehandelt werden kann. Die Anleihe führt dann selber Buch über seine Verlaufshistorie, genau wie die Blockchain bei Bitcoin.

Er betonte, dass die Auslagerung einiger “Kerndienste” von Swift langfristig Geld sparen könnte.

“[Smart Contracts] sind günstiger als das herumkutschieren von Banken zwischen drei Abteilungen über sechs bis 10 Datenbanken, unter Einbezug von zig Leuten… man schreibt einfach den Contract, man soll Daten von diesem bestimmten Platz erreichen können und führt die Operation aus”, erklärte er. “Wenn alles so funktioniert, können die Teilnehmer darauf schauen und auf ihre internen Systeme vertrauen, um diese eine kleine Sache auszuführen, die sie tun wollten.”

Was ‘Effizienz’ wirklich bedeutet

In Wirklichkeit ist die Grenze zwischen innovativem Neueinsteiger und Verdrängtem eher fließend. Besonders wenn die Neueinsteiger mit den eigentlich verdrängten Firmen zusammen arbeiten.

Thorsten Preisl, Gründer der Rise Financial Technologies, war ein anderer Empfänger eines 100.000 US-Dollar Swift Contracts. Der ehemalige Blockchain Leiter bei State Streets aufsteigender Technologie Abteilung arbeitet an einem dezentralen Netzwerk für grenzüberschreitende Multi-asset und Multi-Währungs-Abwicklungen.

Peisl argumentierte, dass es “naiv” sei anzunehmen, dass Swift oder andere noch bestehende Infrastrukturanbieter tatenlos vom Rande aus zuschauen werden, während sie durch neue Technologien ersetzt werden.

Letztendlich ist Swift nicht “ein” Mittelsmann. Es sind 2.328 Mittelsmänner die durch ein Unternehmen zusammen arbeiten – und alle haben ein Interesse an einem weiteren Bestehen.

Peisl geht davon aus, dass die neue Technlogie die durch die Blockchain auftritt eher zu Grauzonen führt, in denen Jobs gewechselt, und weniger Jobs vernichtet werden. Selbst wenn Banken eines Tages in Echtzeit Transaktionen durchführen können, so wird Swift immer noch eine Rolle als Wächter für ein geschlossenes, gut-reguliertes Netzwerk benötigt werden.

“Wenn jemand von uns Erfolg haben sollte, wird sich Swifts Rolle ändern und weiter entwickeln”, sagte er. “Aber es wird immer diese eine Rolle geben.”

BTC-Echo

Englische Originalfassung von Michael Del Castillo via coindesk

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