Sucht: Schottische Klinik betreut Kryptojunkies

Christopher Klee

von Christopher Klee

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Christopher Klee

Christopher Klee hat Literatur- und Medienwissenschaften sowie Informatik an der Universität Konstanz studiert. Seit 2017 beschäftigt sich Christopher mit den technischen und politischen Auswirkungen der Krypto-Ökonomie.

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Quelle: A big golden physical bitcoin (digital virtual crypto-currency) lying on a big heap of cigarette butts. via Shutterstock

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In Schottland hat eine Entzugsklinik ihr Klientel vergrößert: Neben den üblichen Verdächtigen, die ihren Drogen- oder Glücksspielkonsum wieder in den Griff bekommen wollen, finden dort nun auch Kryptosüchtige eine Anlaufstelle für die Behandlung ihrer Sucht.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Tanja Giese

Der Handel mit Kryptowährungen kann süchtig machen. Dieser Ansicht sind zumindest Ärzte des Castle Craig Hospital im schottischen Landkreis Peebleshire. So sieht der Suchtexperte Tony Marini die Jagd auf das digitale Geld als eine Form der Spielsucht:

„Krypto-Abhängige platzieren Wetten auf steigende oder sinkende Kurse wie ein Spieler, der am Roulettetisch wettet. Wer das hauptberuflich macht (an der Kryptobörse oder im Casino), ist in der Regel weniger suchtgefährdet. Wer das aber heimlich bei sich zu Hause macht, dem können die Verlockungen eines hohen Gewinns schnell über den Kopf wachsen.“

Anders als bei vielen Alkohol- oder Drogenkranken könne man dem Krypto-Abhängigen seine Sucht nicht an der Nasenspitze ansehen, so Marini weiter. Er halte die Spielsucht für die gefährlichste von allen:

„Ich kenne drei Menschen, die sich aufgrund ihrer Spielsucht umgebracht haben. Studien haben gezeigt, dass die Selbstmordrate bei Spielsüchtigen höher ist als bei allen anderen Abhängigen. Sie benötigen eine große Menge an Geld und ziehen ihren Familien das letzte Hemd aus […].“

Marini spricht aus Erfahrung: Er war selbst jahrelang spiel- und kokainsüchtig, bis er einen Entzug machte und sich zum Therapeuten ausbilden ließ.


Sein Kollege Chris Burn beschreibt indes den Reiz, den der Kryptomarkt auf Suchtgefährdete ausübt:

„Das hochriskante Geschäft mit Kryptowährungen ist für Spielsüchtige attraktiv. Es ist aufregend und ermöglicht eine Flucht aus der Realität. Der Bitcoin wurde zum Beispiel viel gehandelt, wobei riesige Gewinne und Verluste gemacht wurden. Es ist eine klassische Blase.“

Wie sich die Sucht äußert

Auf der Homepage des Castle Craig Hospital findet sich eine Liste mit Hinweisen, die auf eine Kryptosucht schließen lassen. Wer süchtig ist, erfülle einige oder alle der folgenden zwölf Punkte:

  • Zeit und Geld werden komplett in das Online-Trading investiert
  • finanzielle Probleme
  • um Verluste wett zu machen, investiert man immer mehr Geld
  • es wird ständig Geld von Familien und Freunden geliehen, um die Sucht aufrecht zu erhalten
  • die feste Überzeugung, der große Gewinn stehe unmittelbar bevor
  • das Verpfänden persönlicher Habseligkeiten für Investitionskapital
  • seine Verluste vor Freunden und Familie kleinreden
  • Stimmungsschwankungen und das Gefühl der Hoffnungslosigkeit; Depressionen
  • der beständige Gedanke an das nächste Investment
  • Rastlosigkeit oder Reizbarkeit bei dem Versuch, das Traden zu unterlassen oder einzuschränken
  • bestreiten, ein Problem zu haben
  • viele erfolglose Versuche, mit dem Handel aufzuhören

Die Entzugsklinik hat eigens eine Abteilung für – buchstäbliche – Kryptojunkies eingerichtet. Das macht sie weltweit zur ersten Klinik mit einem solchen Angebot. Die Behandlung orientiert sich am Zwölf-Schritte-Programm, das zum Beispiel auch bei den Anonymen Alkoholikern zum Einsatz kommt. Hinzu kommen Erkenntnisse aus der Kognitiven Verhaltenstherapie.

BTC-ECHO


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