Sri Lanka: Zentralbank will gemeinsame KYC-Prüfung im Finanzsektor

Jutta Schwengsbier

von Jutta Schwengsbier

Am · Lesezeit: 2 Minuten

Jutta Schwengsbier

Jutta Schwengsbier arbeitet seit rund 30 Jahren als Journalistin und berichtet aus vielen Ländern über Themen, die die Welt verändern. Auch beherrscht sie mehrere Programmiersprachen und ist im Zuge dessen auf die Blockchain-Technologie aufmerksam geworden.

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Die Zentralbank Sri Lankas hat Blockchain-Firmen dazu aufgerufen, eine gemeinsame Identitätsplattform für die Finanzbranche aufzubauen.

Die Central Bank of Sri Lanka (CBSL) hat IT-Unternehmen aufgerufen, Konzepte für eine gemeinsame Blockchain-Plattform zur vorgeschriebenen Identitätsprüfung von Kunden zu entwickeln („Know-Your-Customer“, KYC).

Wie alle Blockchain-Entwicklungen in Sri Lanka soll auch dieser Proof of Concept (PoC) auf freiwilliger Basis erfolgen. Firmen sollen ihre Expertise bei der Blockchain-Entwicklung demonstrieren können und entsprechend gewürdigt werden, wie die CBSL in ihrem Aufruf angibt.

Die vorgeschriebene KYC-Prüfung über Blockchain solle dabei nur einmal erfolgen und dann die gesammelten Informationen mit Banken teilen. Die CBSL hofft dadurch einerseits, Identitätsprüfungen effizienter zu machen. Andererseits sollen mehr Menschen Zugang zum Finanzsystem erhalten. Im besten Fall sollte dann also ein Knopfdruck für die Identitätsfeststellung von Neukundinnen und Neukunden genügen.

Wird Sri Lanka Vorreiter bei KYC-Prüfung?

Um Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung zu verhindern, müssen bislang alle Kreditinstitute die persönlichen Daten und Geschäftsdaten von Neukunden selbst prüfen. Ob eine einmalige gemeinsame Prüfung für die Finanzbranche diesen Anforderungen entspricht, ist noch völlig unklar. Wer haftet, wenn sich eine Bank auf eine gemeinsame Identitätsprüfung verlässt, aber trotz aller Sorgfalt doch ein Betrugsfall vorliegt? Was passiert, wenn gleich mehrere Banken eine gefälschte Identität ohne eigene Prüfung akzeptieren und sich dadurch vielleicht Terroristen finanzieren?

Unabhängig von den technischen Herausforderungen wäre ein gemeinsamer KYC wegen möglicher Betrugsfälle in vielen Ländern derzeit rechtlich nicht zulässig. Sri Lanka will da offensichtlich Vorreiter werden.

Langfristig werden sich gemeinsame KYC-Prozesse aus Kostengründen im Finanzsektor sicher durchsetzen, gibt sich der internationale Wirtschaftsberatungsspezialist Deloite in einem Thesenpapier überzeugt.

Welche Technologie dafür aber wirklich geeignet ist, stehe noch in den Sternen. Alle Papiere zur Identitätsfeststellung an einem zentralen Ort zu speichern, erscheint aus Datenschutzgründen eher ungeeignet. Dezentrale Modelle, in denen die Nutzer selbst darüber entscheiden können, wem sie welche Informationen preisgeben wollen, erfüllen nicht die erhöhten Anforderungen an Identitätsprüfungen bei Verdacht auf Geldwäsche oder Terrorismus.

Sri Lanka kann allerdings auch schon erfolgreiche Blockchain-Entwicklungen vorweisen, etwa beim Angebot von Mikroversicherungen für seine Reisbauern.


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