Spanien: Proteste organisieren sich über dezentrale App Tsunami Democràtic

Moritz Draht

von Moritz Draht

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Moritz Draht

Moritz Draht hat Deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Konstanz studiert. Sein Krypto-Engagement widmet sich den Zusammenhängen zwischen soziokulturellen und technischen Entwicklungen.

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Ausschreitungen auf Barcelonas Straßen
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Die Proteste in Katalonien sind erneut entflammt. Grund für die Demonstrationen sind die am 14. Oktober verhängten Gefängnisstrafen gegen neun Separatistenführer. Die Politiker müssen nun lange Haftstrafen absitzen. Dagegen regt sich Widerstand auf den Straßen Spaniens. Im Zentrum der größtenteils friedlichen Proteste steht eine aktivistische Gruppe: Tsunami Democràtic. Die Gruppe hat eine dezentrale App (dApp) entwickelt, über die sich die Demonstranten organisieren.

Seit dem gescheiterten Referendum zur Unabhängigkeit Kataloniens kommt es immer wieder zu Protesten von separatistischen Befürwortern. Im Oktober 2017 versuchten Politiker, die Souveränität Kataloniens in einem Unabhängigkeitsreferendum zu erreichen. Das Referendum scheiterte, die Politiker wurden verhaftet.


Vergangene Woche, am 14. Oktober, wurden nun die Urteile gegen die Separatistenfüher verkündet: Neun Politiker müssen Haftstrafen zwischen neun und dreizehn Jahren antreten. Gegen die Urteile haben sich in den letzten Tagen größtenteils friedliche Proteste gebildet. Dabei benutzen die Demonstranten eine dApp, mit der sie Informationen über Standorte und geplante Aktionen austauschen.

Proteste reiten auf Tsunamiwelle

Die jüngsten Proteste haben sich maßgeblich über eine dApp organisiert, die eine Aktivistengruppe namens Tsunami Democràtic betreibt. Laut Tsunami Democràtic sei die dApp „eine Plattform für die Koordinierung friedlicher Aktionen zivilen Ungehorsams“. Die Protestgruppe kommuniziert mit den Nutzern über einen In-dApp-Messaging-Dienst und zeigt beispielsweise, in welchen Gebieten Kataloniens Demonstrationen stattfinden.

Die dApp lässt sich nur verwenden, wenn der Nutzer einen QR-Code von jemandem scannt, der bereits über die dApp verfügt. Damit versucht die Gruppe den Teilnehmerkreis auf Vertrauensbasis einzuschränken. Gleichzeitig schützt sich die Gruppe so vor dem Zugriff ungewollter User. Zusätzlich zur Peer-to-Peer-Freigabe des Zugriffs erlaubt die dApp nur neuen Benutzern, sich mit einem QR-Code anzuschließen, der in der gleichen Region generiert wurde.

Die Idee dahinter ist, dass Demonstranten den Zugang nur mit vertrauenswürdigen Mitgliedern ihres unmittelbaren Kontaktkreises teilen.

Die dApp baut auf Retroshare auf, einem dezentralen sozialen Netzwerk nach dem Friend-to-Friend-Prinzip. Während Retroshare Open Source ist, ist der Code der Tsunami-App jedoch nur teilweise öffentlich.

Neben der dezentralen App hat sich auch die Nachrichtenanwendung Telegram bei verschiedenen Protestgruppen durchgesetzt. Tsunami Democràtic hat den Nachrichtendienst genutzt, um die Anhänger über polizeiliche Straßensperren und bevorstehende Demonstrationen zu informieren.

Wer sich letztlich hinter Tsunami Democràtic verbirgt, ist unklar, die Aktivisten agieren bislang anonym. Dies führt immer wieder zu Mutmaßungen und Spekulationen über die wahre Identität der Verantwortlichen. Die Anonymität erklärt sich als Sicherheitsmaßnahme gegen polizeiliche Verfolgung, bedingt aber auch eine intransparente Struktur der Plattform.

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