Solarpraxis Neue Energiewelt: Der Blockchain-Tag

Quelle: Konferenz Digitale Energiewelt via Solarpraxis

Solarpraxis Neue Energiewelt: Der Blockchain-Tag

BTC-ECHO war am 5. September beim Blockchain-Tag im Rahmen der Veranstaltung „Digitale Energiewelt 2017“ von Solarpraxis in den Räumlichkeiten von Vattenfall Europe in Berlin. Neben unserer Rolle als Beobachter der deutschen Blockchain-Szene war BTC-ECHO außerdem aktiv an der Gestaltung des Tages beteiligt. Chefredakteur Sven Wagenknecht moderierte ein Diskussions-Panel mit dem Thema „Blockchain-Währungen in der Energiewirtschaft“.

Der Blockchain-Tag bildet die Auftaktveranstaltung der zweitägigen Solarpraxis-Konferenz „Digitale Energiewelt“. Der Tag stand ganz im Zeichen der Diskussion und des Austausches von Expertisen. Anwesend waren Referenten und Gäste aus den beiden Bereichen Blockchain und Energiewirtschaft, um miteinander in Kontakt zu treten, ihre Erfahrungen auszutauschen und inhaltliche Schnittmengen ihrer Themen auszumachen. Die übergeordnete Frage lautete: Wie kann die Blockchain-Technologie dazu beitragen, die zukünftige (grüne) Energiewirtschaft voranzutreiben?

Ist die Blockchain schon in der Energiewelt angekommen?

Der erste Themenblock der Veranstaltung folgte der ganz allgemeinen Frage: Ist Blockchain in der Energiewelt angekommen? Nach den einleitenden Begrüßungsworten von Tina Barroso, der Prokuristin von Solarpraxis, die durch den Tag führte, sprachen dazu Karl-Heinz Remmers (ebenfalls Solarpraxis), Kilian Leykam (Vattenfall Innovation), Tobias Federico (Energy Brainpool) und Florian Reetz (Stiftung Neue Verantwortung). Remmers betonte die Notwendigkeit einer weiteren Digitalisierung der Energiewirtschaft, vor allem im Hinblick auf einen raschen Übergang zu erneuerbaren Energien. Er sieht in der Dezentralität der Blockchain einen großen Vorteil und hält es für möglich, eine völlig neue Energie-Infrastruktur zu schaffen und somit einen Systemwechsel zu bewerkstelligen.

Auch Kilian Leykam griff diese Idee auf und bezeichnete die Blockchain als idealen Rahmen für das Ziel Vattenfalls, den Energiemarkt komplett erneuerbar und dezentral zu organisieren. Tobias Federico warnte davor, die Blockchain als Allheilmittel zu begreifen, da sie und ihre möglichen Anwendungen nur ein Technikinstrument seien, das immer im Kontext eines Gesamtkonzeptes betrachtet werden müsse. Zudem erachtete er die Phase des Hypes um die Blockchain als vorüber und glaubt, dass es nun stärker um die effektive Einbindung sinnvoller Blockchain-Anwendungen gehen wird. Fabian Reetz sah verschiedene Anwendungsbeispiele der Blockchain-Technologie im Energiebereich, um ein Energiemarktdesign zu schaffen, das zu 100 % regenerativ und digital ist. Zudem betonte er die Teilhabe als wichtiges Element der Energiewende, welche ein sehr politisch besetztes Thema ist.

Der zweite Themenblock drehte sich um die Themen Recht und Sicherheit auf der Blockchain. Dazu waren Dr. Christian Berghoff und Dr. Ute Gebhardt vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, Dr. Nina Siedler von der DWF Germany Rechtsanwaltsgesellschaft und Dr. Dörte Fouquet von Becker Büttner Held geladen, um dem Publikum in Form von Impulsvorträgen die rechtlichen Rahmenbedingungen für Blockchain-Anwendungen, insbesondere Kryptowährungen, näherzubringen. Christian Berghoff betrachtete dabei die Blockchain aus der Sicht des BSI und erachtete die Vertraulichkeit öffentlicher Blockchains, eines der Schutzziele der IT-Sicherheit, als problematisch, da Transparenz einer der Grundpfeiler der Blockchain sei und es keine Zugangsbeschränkung gäbe. Nina Siedler ging vor allem auf das Problem verschiedener Jurisdiktionen bei der Regulierung von Blockchain-Anwendungen und auf die Widersprüchlichkeit von Smart Contracts und rechtlich bindender Verträge in Deutschland ein. Dörte Fouquet schließlich hob die Betrachtung der Blockchain auf die europäische Ebene. So seien vor allem im Europäischen Parlament beachtliche Fortschritte bei der Implementierung von blockchain-basierenden Lösungsansätzen zu bemerken.


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Anschließend an die Impulsvorträge wurde das Publikum gebeten, sich in eine Tischdiskussion im Format eines World Cafés zu begeben, geleitet von den drei oben genannten Referenten. Die Ergebnisse der sich daraus ergebenden angeregten Diskussionen wurden anschließend im Panel von den drei Diskussionsleitern zusammengetragen – begleitet und geleitet von Panel-Moderator Sven Wagenknecht (BTC-ECHO) und der Expertin Friederike Ernst vom Blockchain-Bundesverband.

Während des dritten Themenblocks „Geschäftsmodelle entlang der Blockchain“ stellten verschiedene Referenten ihre Ideen für Blockchain-Anwendungen auf Blockchain-Basis vor, darunter Ewand Hesse (Energy Web Foundation), Stefan Thon (Strom DAO), Rex Kempcke (Ponton), Friederike Ernst (Gnosis) und Sebnem Rusitschka (freel.io).

Welche Rolle spielen Kryptowährungen für die Energiewirtschaft?

Der abschließende Themenblock behandelte schließlich Blockchain-Währungen und Digitalisierung in der Industrie. Um der Frage nach der Relevanz von Kryptowährungen in der Energiewirtschaft nachzugehen, kam unter der Leitung von Panel-Moderator und BTC-ECHO-Chefredakteur Sven Wagenknecht eine Diskussionsrunde von Krypto-Experten zusammen: Björn Wagner, Ingenieur beim Ethereum-Start-up Parity, Frank Bolten, Managing Partner von Chainstep, und Dominik Schiener, dem Co-Founder von IOTA.

In der anschließenden Panel-Runde entwickelte sich schnell eine lebhafte und recht kontroverse Diskussion. Zunächst klärte Dominik Schiener das Publikum über die Konzeption und die sich daraus ergebenden Vorteile seines Projektes IOTA auf, das nicht auf einer klassischen Blockchain, sondern auf dem System Tangle basiert – keine Skalierungsprobleme, kein Energieverbrauch durch Mining, keine Transaktionskosten. Björn Wagner erwiderte, herausgefordert durch die Frage von Moderator Wagenknecht, ob die Vorzüge IOTAs ethereum-basierende Ansätze nicht überflüssig machen, dass IOTA zwar eine interessante Technologie sei, jedoch eine andere Richtung als die Ethereum-Blockchain einschlage. Wagner zweifelte zudem an, dass bei IOTA-Anwendungen keine Transaktionskosten und keine Energieverschwendung anfielen, wie Dominik Schiener behauptet hatte. Auf die Skalierungsprobleme angesprochen, zeigte er sich optimistisch, dass diese mit der Optimierung der Stellschrauben auch im Rahmen einer traditionellen Ethereum-Blockchain zu lösen seien. An einem solchen skalierbaren Netzwerk arbeite derzeit auch Parity.

Auch Frank Bolten wies auf Unterschiede zwischen Ethereum und IOTA hin und betonte die Abwesenheit von Smart Contracts im IOTA-Netzwerk. Transaktionen, die die Nutzung von Smart Contracts benötigten, können nicht über das IOTA-Netzwerk vorgenommen werden.


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Abschließend sprach Fred Schulemann über die Digitalisierung, von disruptiven Geschäftsmodellen, die sich im Rahmen dieser ergeben, und der möglichen Übertragung dieser auf die Energiewirtschaft.

Im Anschluss an den Blockchain-Tag setzte sich die Rahmenveranstaltung mit einem Energy-Start-up Networking fort. Der zweite Tag drehte sich schließlich um den Themenblock Künstliche Intelligenz – Big Data – Cyber Security.

BTC-ECHO

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