Schweizer Online-Bank ermöglicht Kauf von ICO-Token

Leopold Bosankic

von Leopold Bosankic

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Leopold Bosankic

Leopold Bosankic hat Wirtschaftsinformatik studiert. In seiner Freizeit bloggt und programmiert er für Researchly (researchly.info), einer Plattform für Blockchain- und Krypto-Research.

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Swissquote möchte die Finanzwelt demokratisieren und startet eine ICO-Investment-Plattform. Investoren können auf dieser ab umgerechnet 30 Euro in ICOs investieren. Als erstes Unternehmen nutzt LakeDiamond das Angebot. Eigenen Angaben zufolge ist die Swissquote damit die erste Bank weltweit.

Die in der Schweiz ansässige Online-Bank Swissquote kündigte vor ein paar Tagen in einer Pressemitteilung den Start ihrer ICO-Plattform an. Über diese können Investoren an ICOs teilnehmen. Zudem übernimmt Swissquote nach einem Investment die Aufbewahrung der Token. Investiert wird mittels Schweizer Franken. Hinter dem Vorhaben steht der Gedanke der „Demokratisierung der Finanzwelt“, wie CEO Marc Bürki argumentiert:

„Die Demokratisierung der Finanzwelt ist seit Gründung der Bank unser Leitgedanke. Wir wollen Dienstleistungen vereinfachen und für jeden zugänglich machen. Dementsprechend bekommen unsere Kunden jetzt die Möglichkeit, Start-ups zu unterstützen, über ein Crowdfunding auf Blockchain-Basis, kurz: ICO.“


Diese „Demokratisierung der Finanzwelt“ wird unter anderem durch das Mindestinvestment von 33 Schweizer Franken (umgerechnet ca. 30 Euro) ermöglicht. Das erste ICO (bzw. der Pre-Sale) läuft bereits. Bei diesem handelt es sich um das Schweizer Start-up LakeDiamond. Das Unternehmen produziert Kunstdiamanten für industrielle Anwendungen wie Laser oder Uhrenlaufwerke. Über das ICO will die Firma 60,5 Millionen Schweizer Franken einsammeln. Ein Token entspricht einer Minute Produktionszeit. Mit anderen Worten, jeder Token entspricht einem Bruchteil eines Diamanten, wie der LakeDiamond-CEO Pascal Gallo in einem YouTube-Video erklärt.

Vielfältiges ICO-Umfeld

Auch wenn Swissquote mit ihrer ICO-Plattform laut eigenen Angaben die erste Bank weltweit ist, bieten andere Unternehmen ähnliche Dienste. Beispielsweise hat die Börse Stuttgart im August ein ähnliches Produkt angekündigt. Überdies kommt die Mitteilung ein paar Tage nach dem ICO-Report der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. In diesem berichten sie unter anderem über stark fallende ICO-Renditen und prognostizieren den Rückzug privater ICO-Investoren.

Trotz dieses schwierigen ICO-Umfeldes bleibt die Swissquote mit ihrem Ziel der „Demokratisierung der Finanzwelt“ dem Ziel der Krypto-Ökonomie weiterhin treu. Jedoch etwas konträr ist die Aussage in der Pressemitteilung, dass sich Investoren dank der ICO-Plattform weder mit Blockchain auskennen noch eine Blockchain-Wallet besitzen müssen. Diese technische Vereinfachung erhöht zwar die Nutzerfreundlichkeit und treibt die Marktdurchdringung voran, schwächt aber die Kerneigenschaften von ICOs. Hier das Mittelmaß zwischen Nutzerfreundlichkeit und Revolution zu finden, ist maßgeblich für die Zukunft von ICOs. Werden sie nur eine Investmentklasse von vielen – angeboten von einer Bank – oder ermöglichen ICOs „Your Own Bank“ zu sein?

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Wie dem auch sei, einen großen Vorteil haben solche institutionalisierten ICOs: Sie sind rechtlich und unternehmerisch sicherer als direkte Investments über die Webseiten der jeweiligen ICOs. Obwohl der Totalverlust niemals ausgeschlossen ist, verringert eine professionelle Vorauswahl die Wahrscheinlichkeit. Dementsprechend verlangt Swissquote beispielsweise die Transparenz von den ICOs. Unter anderem erwägt die Bank „nur ausgereifte Projekte, die sofort lanciert werden können, und verlangen, die Geschäftsführung, die Aktivität, die Finanzkennzahlen und die Rechtslage des Unternehmens prüfen zu können.“

Viele Wege führen zu einem ICO

Aktuell können Investoren auf verschiedenste Arten in ICOs investieren. Auch richten sich ICOs immer noch an eine breite Investmentgruppe. Ob sich – wie Ernst & Young prognostizierten – private Investoren zurückziehen und qualifiziertere Investoren (z. B. Fonds) nachrücken, wird sich zeigen. Ebenfalls ist unklar, wie künftig investiert wird; werden es wie bei Swissquote Banken sein, Crowdfunding-Plattformen wie Neufund oder wie bisher direkte Investments? Schlussendlich entscheiden die Investoren. Deswegen ist es marktfördernd, dass Unternehmen Investoren möglichst viele Wege anbieten.

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