Robin Hood vs Dark DAO – DAOpocalypse und kein Ende

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Robin Hood vs Dark DAO – DAOpocalypse und kein Ende

Dark DAO und kein Ende: Selbst jetzt, fast einen Monat nach dem großen Heist ist das Schicksal der DAO-Funds noch nicht endgültig bestimmt.

Christoph Jentzsch schrieb die ersten Zeilen der DAO im Sommer 2015 – auf einem Trip von den Vereinigten Staaten zurück nach Hause. Was unschuldig als ein slock.it-spezifischer Crowdfunding-Vertrag anfing mauserte sich zum ersten XXL-Projekt in Ethereum: schnell wurden über 150 Millionen Dollar in Ethereum gesammelt.

Doch auf diesen kometenhaften Aufstieg kam ein genauso schneller und dramatischer Fall: ein weiterhin anonymer Hacker hat eine Lücke im Code zu seinen Gunsten ausgenutzt und geschätzt 60 Millionen Dollar in DAO Tokens entwendet.

Diese Token liegen zur Zeit in durch einen Split geschaffenen DAOs – “Dark DAOs”, wie sie gerne genannt wurden. Bis zum heutigen Tage sind sie in jenen DAOs eingeschlossen und im Besitz Unbekannter. Ab dem 27. Juli könnten die Diebe die gestohlenen DAO Tokens aus der DAO lösen – so wie es der Code vorschreibt.

Christoph Jentzsch hat den Code Open Source zur Verfügung gestellt. Wer ihn konkret gelauncht hat und damit “The DAO” zum Leben erweckte ist bis heute unbekannt – entsprechend existiert keine Person oder Gruppe, die keine einfache Fachautorität ist, sondern offiziell Entscheidungsmacht besitzt.

Damit liegt die Aufgabe, dieses Schlamassel zu lösen, in den Händen von Mitgliedern der Community. Ursprünglich wirden zwei Lösungen vorgeschlagen, doch die letzten Wochen haben gezeigt, dass die Situation komplizierter wurde.

Man schlug vor, über eine Soft Fork die Dark DAO zu blacklisten, so dass von ihr keine Transaktionen hätten ausgehen könnten. Nachdem man eine Sicherheitslücke in dieser Idee fand wurde die Idee verworfen. Aktuell wird noch die Hard Fork diskutiert, die bezüglich der DAO die Zeit auf der Blockchain zurückdrehen würde, so dass die betroffenen Funds in einem neuen Smart Contract gesichert wären. Dieser Smart Contract wäre so designt, dass er nichts anderes kann als die Funds den eigentlichen Besitzern auf Anfrage auszuzahlen.

Eine solche Fork muss einen breiten Konsens in der gesamten Ether Community finden. Das bedeutet, dass das Schicksal des gestohlenen Geldes nicht nur eine Entscheidung der 23000 Stakeholder ist, sondern ein Feldtest für eine Form der Governance, die es so vorher noch nicht gab.

Die Situation im Etherland

Innerhalb der dezentralisierten Community existiert bis zum heutigen Tag keine Einheit bzgl. der nächsten Schritte, was zu einer gewissen Form von Selbstjustiz führte. Als prominentestes Beispiel sei hier die Robin Hood Group genannt.

Diese Gruppe Programmierer, deren real life Identitäten größtenteils unbekannt sind, hat eine whitehat-Attacke auf die Dark DAO gestartet. Diese Aktion wird jedoch eher als Sicherheitsnetz betrachtet, die dann wichtig wird, wenn es zu keiner Hard Fork kommt.

Was in diesem Kampf zwischen den Robin Hood Group und den Dark DAOs auf dem Spiel steht ist mehr als das gestohlene Geld: Letztlich steht die Idee eines Business Model ohne Chefs in Frage.
Einige Leute, beispielsweise Christoph Jentzsch, befürchten, dass es zu behördlichen Schritten kommen wird, sollte die Community keine gemeinsame Lösung finden.

“Aktuell gibt es keinerlei Fragen seitens der Behörden. Ich hoffe, das dies dank einer Hard Fork Lösung so bleibt. Mit einer Hard Fork würde es weniger Probleme bei dem Wiedererlangen des Geldes geben.”

Der Co-Founder von Slock.it, auf den letztlich der Code für die DAO zurückgeht, sagte, dass er bisher noch nicht von irgendwelchen rechtlichen Autoritäten kontaktiert wurde. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass zumindest die US Securities and Exchange Commission (SEC), die den Wertpapierhandel im Auge hat, die ganze Sache aufmerksam verfolgt.

Konsens in der Krise

Im letzten Monat hat Gary Goldsholle, ein stellvertretender Direktor einer Division von SEC, in einem Wall Street Journal Report betont, dass es genau solche Vorkommnisse wie der Hack sind, die seine Bedenken bezüglich der Nutzersicherheit bestätigen. Um den negativen Einfluss des Hacks auf diese Nutzer zu minimieren wurden laut Christoph Jentzsch einige Maßnahmen innerhalb der Community initiiert.

Hinter den Kulissen gab es einige Debatten: persönlich, telefonisch und schriftlich. Außerdem haben sich Gruppen bezüglich dieses Themas zusammengefunden und debattierten auf Reddit, im DAOHub, auf Twitter und anderen Social Media Seiten.

Ziel all dieser Debatten ist der Konsens. Den zu erreichen gestaltet sich deutlich schwieriger als es gerne von Experten der Kryptoszene dargestellt wurde.

In diesem konkreten Fall bedeutet Konsens nicht weniger als dass entweder eine Hard Fork initiiert wird, bei der die Transaktionen der Dark DAO zu den Status vor dem Hack zurückgesetzt werden – oder dass nichts getan wird und man diesen historischen Raub als harte Lektion verbucht.

Laut Jentzsch wird genau diese letzte Option zum Eingreifen der Gesetzeshüter führen.
Um diese Entscheidung zu fällen werden sogenannte coin-votes von jedem interessierten durchgeführt: Mit einer kleinen Ether-Transaktion wird Geld an eine Adresse gesandt, die entweder für “ja” oder “nein” bezüglich der Hard Fork steht.

Das ist jedoch nicht alles: Die Miner können diese Entscheidung teilen oder ihr widersprechen. Bei einer Beispielwahl auf carbonvote.com in der letzten Woche haben 83% für die Hard Fork gestimmt.

Welche Fork hättens denn gern?

In dem Bemühen um Konsens hat Slock.it einen Vorschlag für eine Hard Fork erarbeitet und die Community um Feedback gebeten. Dem Proposal entsprechend würden die Funds der Dark DAO in einen neuen Smart Contract transferriert. Aus diesem Smart Contract würden die ursprüngliche Token Holders ihre Funds abziehen – Happy End. Slock.it hat den entsprechenden Code an verschiedene Ethereum-Clients wie geth, parity, cpp-ethereum und pyeth geschickt.

Natürlich weiß man in diesem Business Model ohne Chefs nicht, für was man sich entscheiden wird, aber man kann ja spekulieren: In den Tagen vor dem Soft Fork Proposal wurde die Aktivität der Miner hier auf Etherchain geloggt.

Ethereum Entwickler Vlad Zamfir glaubt, dass ein ähnlicher Mining-Prozess bei der Hard Fork stattfinden wird – auch wenn der endgültige Hard Fork – Code nicht unbedingt der von Slock.it sein muß.

Robin Hood vs Dark DAO

Sollte all das fehlschlagen und es zu keiner Fork kommen wird die schon genannte Robin Hood Group, zu denen zumindest einer von Slock.it gehört, das schon erwähnte Sicherheitsnetz realisieren.
Diese Gruppe von White Hat Hackern, deren prominentestes Mitglied Lefteris Karapetsas, Lead Developer von slock.it ist, hat einige Schritte für den Fall der Fälle vorgeschlagen.

Am 4. Juli wurden zwei Proposals für ein Duell der Hacker von Karapetsas vorgestellt. Natürlich kann er nicht alle Details seiner Strategie preisgeben – der Feind liest ja mit -, aber folgendes konnte er mitteilen:

Als erstes versuchte man, die Funds zurück zur originalen DAO zu bewegen. Im zweiten Schritt versuchte man, eine Methode zu finden, mit der man den Dieb die Möglichkeit raubt, die Funds auszugeben.

“Der DAO-Angreifer kann entweder gegen uns kämpfen oder gar nichts tun – und dafür sollten wir ihm nicht zu viel des Planes preisgeben. Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass es mehrere Dark DAOs gibt und dass die Robin Hood Group versucht, so viele von denen wie möglich anzugreifen. Nicht bei allen Dark DAOS sind wir genauso weit: Bei manchen sind wir in einer besseren Position, bei anderen in einer schlechteren.”

Neben den kleineren Dark DAOs gab es einen “white hat” Hack, mit dem man die noch in der DAO gebliebenen Funds in einen Account ihrer Kontrolle transferierten. Die vorgeschlagenen Maßnahmen wurden einstimmig angenommen, was bedeutet, dass zwei andere vorgeschlagene Proposals nicht implementiert werden müssen. Natürlich gibt es aber bei einstimmigen Abstimmungen ein gewisses Gschmäckle…

Schadensbegrenzung

Die verschiedenen Ideen, die DAO zu retten sind derart extrem, dass seitens einer prominenten Akademikerstimme starke Bedenken geäußert wurden. So wird von Emin Gün Sirer, einem Professor der Cornell University, moniert, dass alle Vorschläge, die bezüglich der Rettung der DAO ein ziemlich starker Bias hinsichtlich Zustimmungen herrsche.

Laut Sirer würden Leute, die mit “Nein” hinsichtlich irgendeines Proposal stimmen für einige Zeit den Zugriff auf ihre Funds verlieren – das würde natürlich für Leute von der Wahl abhalten, wenn sie gegen die Vorschläge zur Rettung der DAO sind. Dadurch entsteht der Eindruck, dass der Großteil der Community für die Aktionen der White Hat Hacker wären – was aber mit dem wirklichen Konsens nichts zu tun hätte.

Nun muss man bei Sirer auch sehen, dass er sich schon häufiger als harscher Kritiker der Art und Weise zeigte, wie Slock.it die ganze DAO-Geschichte angegangen ist. Im letzten Monat behauptete er sogar, dass er die Ethereum Community dazu aufrief, Slock.it zu ächten. Bei einer Sache jedoch stimmt Gün Sirer den Leuten von Slock.it zu: Die Hard Fork sollte seiner Meinung nach geschehen.

“Jeder, der ordentlich viel Geld in die DAO gesteckt hat will die Hard Fork. Selbst Leute, deren Interessen in keinem Konflikt mit der DAO stehen, möchten diese Hard Fork. Die Leute von Slock.it werden so oder so zur Rechenschaft gezogen werden, aber mit der Hard Fork würde das am angenehmsten für sie ausfallen.”

Kommentar des Autors (Philipp Giese): Damit das Zitat von Emin Gün Sirer nicht das letzte Wort hat: Ich weiß nicht, ob man die Leute von Slock.it derart verantwortlich machen kann. Den Fehler hat jedes Mitglied der Community, der Geld in die DAO investiert hat, gemacht, wir alle hätten auch schon vorher auf den Code schauen können. Andere Leute, wie anscheinend Emin Gün Sirer haben sich auf Basis des Codes gegen ein Investment in die DAO entschieden.

BTC-ECHO

Englische Originalfassung von Michael del Castillo via CoinDesk

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