Prügeln im Reality-TV: Wieso die Blockchain nicht für jeden Anwendungsfall sinnvoll ist

David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 3 Minuten

David Scheider

Kryptowährungen sind Davids Leidenschaft. Deshalb studiert er jetzt Digital Currency an der Universität Nicosia – und schreibt nebenher für BTC-ECHO. Von Bitcoin hält David einiges, vom allgemeine Hype um die Blockchain-Technologie eher weniger.

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Blockchain (Symbolbild)

Quelle: Shutterstock

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Fight to Fame ist eine Realitysendung, bei der angehende Kampfkünstler um ihren Einzug nach Hollywood ringen. Wieso man ausgerecht im Reality-TV eine Blockchain braucht, bleibt allerdings schleierhaft. Es wird Zeit, dass wir mit dem Nutzen der Technologie realistisch umgehen.

Die Blockchain ist nicht die eierlegende Wollmilchsau, für die sie gemeinhin gehalten wird. Zwar ebbt der Blockchain-Hype, auf dessen Höhepunkt auch gänzlich krypto-fremde Unternehmen ihrem börsennotierten Firmennamen das Präfix „Blockchain“ angehängt haben, langsam ab. Gänzlich von der Bildfläche getilgt ist Blockchain aber noch nicht. Zurecht, denn so mancher Anwendungsfall abseits digitaler Währungen scheint durchaus vielversprechend.

In diese Kategorie fällt Fight to Fame, eine sogenannte blockchainbasierte Reality Show, bei der es auch irgendwie um Kampfkunst geht, sicher nicht. Einer Pressemitteilung vom 28. Oktober zufolge handelt es sich bei Fight to Fame um eine Art Reality Show, in deren Zentrum eine Reihe unbekannter Kampfkünstler steht, die ihren Traum von einem Auftritt in Hollywood zu verwirklichen gedenken. Die Kämpfer treten in lokal organisierten Wettkämpfen gegeneinander an und ringen so um den Einzug ins „große Finale“. Dem Gewinner winkt ein Auftritt in einem angeblichen Hollywood-Streifen.

Fight to Fame ist eine globale Plattform, die es Teilnehmern ermöglicht, sich durch Kämpfe den Weg nach Hollywood zu bahnen,

tönt es verführerisch in der Mitteilung.

Kampfkunst auf der Blockchain?


Was hat das Ganze mit der Blockchain-Technologie zu tun? Fight to Fame rechtfertigt den Einsatz der Blockchain-Technologie für ein Reality-Format mit der Begründung, man wolle die Wettbewerbsbedingungen transparenter und letztlich fairer gestalten. Der Einsatz sei daher ein „no brainer“ – also naheliegend. Dass dies eine gewagte These ist, zeigt ein Blick auf die eher mittelmäßige Bilanz der Technologie. Die Blockchain bleibt weit hinter den Erwartungen zurück – an manchen Stellen ist gar eine Art Resignation gegenüber dem vermeintlichen Allheilmittel entstanden. Wieso sie gerade im Reality-TV ihre Renaissance feiern sollte, bleibt also schleierhaft.

Wie genau Fight to Fame die Blockchain in das Format einbauen möchte, bleibt ebenso offen. Einzig, dass es für Fans der Serie einen Token geben wird, lässt sich der Pressemitteilung entnehmen. Immerhin gelobt der Veranstalter aus dem ICO-Desaster von 2017 gelernt zu haben; der FF Token soll nicht zur Bereicherung von Fight to Fame dienen, sondern die Teilhabe der Fans – etwa durch token-basierte Abstimmungen – garantieren. Dass es zur Zeit so gut wie keinen Utility Token gibt, der seinen Verheißungen gerecht geworden ist, sollte an dieser Stelle allerdings nicht unerwähnt bleiben.

Die Blockchain ist eine Technologie, die durch komplizierte, monetäre Incentivierungsprozesse einen Konsens über den Transaktionsstatus und das Regelwerk innerhalb des Netzwerks herzustellen versucht. Dass das nur bei einigen wenigen Anwendungsfällen ein wirklich aussichtsreiches Unterfangen ist, zeigt die geringe Verbreitung der Technologie. Auch zehn Jahre nach Satoshis White Paper gibt es kaum nennenswerte Use Cases außerhalb von Kryptowährungen. Denn im Kern ist eine Blockchain eine äußerst umständliche, langsame und ineffiziente Datenbank. Effizienz zu Gunsten der Dezentralisierung zu substituieren, lohnt sich nur bei einigen sehr heiklen Anwendungen – wie eben Geld.

Und so dürfte die Fight to Fame Blockchain weder dezentral noch sicher sein. Wer ein Beispiel für das sogenannte Blockchain Washing sucht, wird hier also fündig.


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