Bitcoin, Prügelknabe Bitcoin – Bank of Finland findet: BTC ist keine Währung

Quelle: Helsinki (Finland) The Bank of Finland, or "Suomen Pankki" in Finnish, has been the main central bank of Finland since 1812, making it the fourth oldest Central Bank in the world. Summer 01.09.2017. via shutterstock

Prügelknabe Bitcoin – Bank of Finland findet: BTC ist keine Währung

Die finnische Zentralbank Bank of Finland spricht digitalen Währungen wie dem Bitcoin jegliches Potenzial ab, Bargeld und bereits etablierte Währungen ersetzen zu können. 

Letzte Woche hat die Finnische Zentralbank eine Studie veröffentlicht, in der sie ihre kritische Haltung gegenüber Kryptowährungen untermauert. Das Paper trägt den vielsagenden Namen „The great illusion of digital currencies“ und wurde von Aleksi Grym, dem Digitalisierungsbeauftragten der Bank of Finland, herausgegeben. In der Analyse kommt sie zu dem Ergebnis, dass es sich bei Kryptowährungen nicht um Währungen, sondern um „Buchhaltungssysteme für nicht-existente Anlagengegenstände“ handelt. Grym sieht in Kryptowährungen einen Sonderfall von digitaler Währung. Eine Währung zu digitalisieren sei indes nicht möglich, zumindest nicht ohne dass es dabei auf eine zentralisierte Form der Kontoverwaltung hinausläuft. Der Innovationswert von Kryptowährungen sei, von der technischen Seite abgesehen, sehr gering.

Was ist Geld?

Bevor Grym zu seiner vernichtenden Kritik an Kryptowährungen ausholt, versucht er zunächst die Klärung der Frage, was Geld eigentlich sei. Er bezieht sich dabei auf die verbreitete und allgemein akzeptierte Auffassung, dass Geld folgende drei Funktionen erfüllen muss: Erstens muss es als Wertaufbewahrungsmittel dienen, das heißt, sein Tauschwert sollte über die Zeit annähernd konstant bleiben. Das bedeutet auch, dass es in der Menge begrenzt sein muss.

Zweitens soll Geld als Transportmedium für Werte dienen. Seine Akzeptanz beruht dabei allein auf der Annahme, dass man es später gegen andere Güter und Dienstleistungen tauschen kann. Zuletzt muss Geld das Kriterium der Rechnungseinheit erfüllen, es muss also in vorher festgelegte kleinste Einheiten zerlegbar sein. Dadurch wird es überhaupt erst möglich, Produktionskosten und Verkaufspreis einer Ware oder Dienstleistung in ein Verhältnis zu setzen. Als Währung versteht Grym indes Geld, das sich im Umlauf befindet und in entsprechenden geographischen oder wirtschaftlichen Regionen als Zahlungsmittel anerkannt ist. Sie sei als „Sonderfall“ des Geldes „praktisch synonym zu Münzen und Banknoten“.

Prügelknabe Bitcoin

Warum eine digitale Währung eine fragwürdige Idee ist, versucht Grym am Beispiel der Kryptowährungen deutlich zu machen. Aufgrund seiner Vorreiterrolle und seiner Verbreitung muss Bitcoin als Prügelknabe herhalten.


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Zunächst kritisiert Grym, dass es irreführend sei, von „digitalen Münzen“ zu reden, da es im Bitcoin-System nichts gebe, was einer Münze ähnelt. Stattdessen bildeten Transaktionen den Kern des Bitcoin-Ökosystems. Da Transaktionen von Minern bestätigt werden müssen, würden sie entgegen der Behauptung Satoshi Nakamotos eben nicht ohne Mittelsmann auskommen.

Grym vergisst dabei, dass es theoretisch durchaus möglich ist, seine eigenen Transaktionen zu minen. Außerdem ist die Emission von neuen Bitcoins – anders als die von neuen Banknoten – einem dezentralen Konsens unterworfen. Schließlich wird die Rolle der Full Nodes – ebenfalls eine Rolle, die prinzipiell jeder Teilnehmer innehaben kann – von ihm komplett ignoriert.

Auch von der Blockchain als Transaktionshistorie zeigt sich Grym wenig beeindruckt:

„Der zugrundeliegende Mechanismus der Aufzeichnung […] unterscheidet sich nicht von den Hauptbüchern, die seit Hunderten von Jahren zur Anwendung kommen.“

Er geht sogar soweit, der Blockchain ihren dezentralen Charakter abzusprechen:

„Für alle Zwecke und Absichten ist [die Blockchain] ein zentralisiertes Hauptbuch. Die Tatsache, dass es von diesem mehrere, synchronisierte und über ein Netzwerk verteilte Kopien gibt, ist irrelevant, weil alle dieselben Daten haben.“

Ein Satz, wie er nur von einem Zentralbanker kommen kann. Grym übersieht dabei großzügig die Tatsache, dass die Vorteile der Dezentralität erst dann wirklich zum Tragen kommen, wenn jemand versucht, etwas an seiner Kopie des Hauptbuches zu ändern. Freilich: Als Zentralbanker hat man wenig Lust, einer Dezentralisierung des Bankwesens das Wort zu reden. Deshalb kann man Grym auch schwer verübeln, dass er nicht an dem Ast sägen will, auf dem er sitzt.

„Keine Vorteile gegenüber klassischem Bankwesen”

Dass blockchainbasierte Transaktionen (pseudo-)anonymisiert stattfinden, ist für Grym ebenfalls kein durchschlagendes Argument:

„Das Bitcoin-System wurde nur dezentralisiert gebaut, um Anonymität zu gewährleisten. Dies geht jedoch zu Lasten der Effizienz, so ist das Bitcoin-System weitaus langsamer und kostspieliger im Unterhalt als jedes andere existierende Bezahlsystem.“

Natürlich spielen Visa, PayPal & Co. in einer ganz anderen Liga, wenn es um die maximal mögliche Zahl an Transaktionen pro Sekunde geht. Sicherheit, Dezentralität und Transparenz haben nun einmal ihren Preis. Es ist ein klassischer Strohmann der Zentralbanken, wenn sie statt über die eigentliche Motivation über Skalierbarkeit und Effizienz sprechen.

Außerdem hat ein Bitcoin-User zumindest die Möglichkeit, seine Transaktionen schneller abgewickelt zu sehen. Er muss dazu lediglich den Minern eine höhere Transaktionsgebühr in Aussicht stellen. Die Kunden von zentralisierten Zahlungsdienstleistern haben diese Möglichkeit nicht und sind auf Gedeih und Verderb deren Konditionen ausgeliefert. Die Skalierungsfrage ist so alt wie Bitcoin selbst. Zahlreiche alternative Kryptowährungen haben sich der Problematik bereits angenommen und die Anzahl möglicher Transaktionen pro Sekunde (tx/s) steigt ständig. Ein Payment-Channel in Ripple kann theoretisch auf über 50.000 tx/s hochskaliert werden und würde sich damit auf Augenhöhe mit Visa befinden. Das für den Bitcoin entwickelte Lightning Network könnte diesen Wert noch um ein Vielfaches übertreffen.

Lektüre der Analyse lohnt sich dennoch

Grym schließt mit der These, dass Kryptowährungen in ihrer Essenz nichts anderes seien, als Buchhaltungssysteme für nicht-existente Einlagen. Er begründet dies damit, dass Geld immer in zwei Formen vorliegen muss: als Münzen bzw. Banknoten und als institutionell gedecktes Buchgeld. Wenn dieses Geld nur digitalisiert wird, steht am Ende nur noch eine Rechnungseinheit. Nun kann man nur solange von institutioneller Deckung sprechen, wie Bürger und Anleger in diese Institutionen – sprich: Staaten und Zentralbanken – vertrauen. Die Deckung besteht in der vermeintlichen Gewährleistung von Preisniveaustabilität. Die USA und Europa hatten länger mehr mit einer Hyperinflation zu kämpfen. Das bedeutet aber nicht, dass das Vertrauen in Zentralbanken uneingeschränkt zu rechtfertigen ist. Griechische Bürger zum Beispiel, die im Zuge der Finanzkrise 2010 nur noch eingeschränkten Zugriff auf ihre Konten hatten, werden das bestätigen.

Trotzdem lohnt sich eine Lektüre der Studie aus Finnland – und sei es nur, um sein Verständnis von Geld zu hinterfragen und das Denken von Bitcoin-Gegnern nachzuvollziehen.

BTC-ECHO

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