Patrick Bont von der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein: „Crypto Valley und Crypto Country ergänzen sich sehr gut“

Patrick Bont von der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein: „Crypto Valley und Crypto Country ergänzen sich sehr gut“

Das Fürstentum Liechtenstein hat am 26. Februar mit der Nachricht, den ersten krypto-basierten Fonds in Europa zugelassen zu haben, Schlagzeilen gemacht. Liechtenstein nimmt somit eine Pionierrolle in Bezug auf staatliche Regulierung des Krypto-Finanzmarktes. Wir haben mit Patrick Bont, Leiter im Bereich Banken bei der Finanzmarktaufsicht (FMA) Liechtenstein und Leiter des Regulierungslabors über die Krypto-Ökonomie gesprochen.



Welche Haltung nimmt die FMA zu Kryptowährungen und Blockchain ein?

Der Finanzplatz Liechtenstein ist offen gegenüber innovativen Ideen und Entwicklungen. Dazu gehören FinTech-Geschäftsmodelle, inklusive Kryptowährungen und blockchain-basierten Finanzdienstleistungen. Wichtig anzumerken ist, dass die geltenden Gesetze von allen Teilnehmern am Finanzplatz einzuhalten sind, seien es „klassische“ Finanzintermediäre oder FinTechs. Die FMA ist zuständig für die Gewährleistung des Kundenschutzes, des Vertrauens in den Finanzplatz und für die Finanzstabilität. Das sind die Leitplanken für neue digitale Geschäftsmodelle.

Die FMA selbst hat intern ein FinTech-Kompetenzteam „Regulierungslabor“ aufgebaut. Dieses Team ist Ansprechpartner für Unternehmen mit innovativen Geschäftsmodellen und befasst sich mit regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Fragestellungen. Das Regulierungslabor besteht nun seit rund zwei Jahren. Wir konnten uns in dieser Zeit im Bereich FinTech ein umfangreiches Fachwissen aneignen, was zur rechtlichen Beurteilung der FinTech-Geschäftsmodelle auch unbedingt erforderlich ist.

Das Regulierungslabor hat bislang über 200 Anfragen bearbeitet. Etwa zwei Drittel davon haben einen Bezug zu Blockchain, Kryptowährungen und ICOs.

Wurden bereits Schritte zur Token-Regulierung unternommen oder gibt es etwaige Regulierungsbestrebungen?

Liechtenstein ist Mitglied im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und übernimmt deshalb das Recht der Europäischen Union. Der überwiegende Teil der Finanzmarktregulierung entspricht den europäischen Standards. Alle Token oder Kryptowährungen werden folglich nach diesen Regeln beurteilt. Wir machen uns aber intensiv Gedanken über die langfristigen Auswirkungen der Token-Economy und überlegen uns, welche regulatorischen Rahmenbedingungen in Zukunft notwendig sein werden. Dies betrifft nicht nur die Finanzindustrie. Wir beraten in solchen Fragestellungen auch die Regierung. Die Entscheidung über neue rechtliche Rahmenbedingungen liegt aber immer bei den politischen Instanzen.

Gibt es seitens der FMA Pläne, die Blockchain-Technologie zukünftig in das liechtensteinische Finanzwesen zu implementieren?

Regulierung und Aufsicht sind grundsätzlich technologieneutral. Welche Technologie die Finanzintermediäre nutzen, ist für uns nicht entscheidend, solange diese Technologie unseren Anforderungen zu Datenschutz und IT-Sicherheit genügt. Sollte es vonseiten des Marktes Initiativen geben, um Projekte oder Systeme auf Basis der Blockchain-Technologie umzusetzen, so werden wir dies im Rahmen unserer Möglichkeiten und Aufgaben unterstützen.

Die FMA hat den Postera Fund – Crypto I eine Fondszulassung erteilt. Können Sie die Gründe für diesen Schritt nennen? Immerhin ist dies der weltweit erste gemäß europäischer Richtlinie regulierte Fonds mit einem aktiv gemanagten Portfolio aus Krypto-Assets. Sind weitere ähnliche Anträge in der Pipeline?

Die genannten Fonds haben auf dem ordentlichen Weg, wie dies für jeden Fonds üblich ist, einen Antrag auf Zulassung gestellt und wurden nach der geltenden Gesetzgebung beurteilt.

Es handelt sich dabei um Fonds, die sich ausschliesslich an professionelle Anleger richten. Generell besteht derzeit ein großes Interesse von Fondsgesellschaften, Kryptowährungsfonds aufzusetzen. Wir rechnen mit weiteren Anträgen.

Halten Sie das erklärte Ziel der „Crypto Country Association“, aus Liechtenstein ein ähnliches Krypto-Zentrum wie Zug zu machen, für realistisch?

Liechtenstein hat eine sehr aktive Krypto-Community. Es gibt etwa ein Dutzend Unternehmen, die in diesem Bereich aktiv sind. Einige davon haben Mitarbeitende rund um den Globus. An den regelmässig stattfindenden Blockchain-Meetups in Vaduz nehmen jeweils über 100 Personen teil. In Relation zur Größe des Landes und des Finanzplatzes sind das eindrückliche Zahlen.

Liechtenstein hat eine etwas andere Ausgangslage als Zug. Als EWR-Land profitiert es vom Marktzugang in die ganze EU. Gleichzeitig besteht ein gemeinsamer Währungs- und Wirtschaftsraum mit der Schweiz. Neben dem Finanzsektor gibt es hierzulande auch eine international ausgerichtete Hightech-Industrie. Dies sind gute Voraussetzungen, um in Zukunft als Krypto-Standort erfolgreich zu sein. Persönlich denke ich, dass sich „Crypto Valley“ und „Crypto Country“ sehr gut ergänzen. Es gibt auch regelmäßige Kontakte zwischen diesen beiden Standorten.

Welche Herausforderung und Chancen sehen Sie für Liechtenstein in dieser Materie?

Wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung, deren Auswirkungen noch nicht absehbar sind. Die Blockchain-Technologie hat das Potential, die Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig zu verändern. Kryptowährungen und ICOs sind nur ein kleiner Ausschnitt der Möglichkeiten, die sich eröffnen. Die Herausforderung für einen Standort wie Liechtenstein ist es, möglichst optimale Rahmenbedingungen zu schaffen, damit innovative Ideen und Geschäftsmodelle entwickelt und umgesetzt werden können. Internationale Standards und Regeln müssen dabei immer berücksichtigt werden. Und für uns als Aufsichtsbehörde ist auch klar, dass wir die Risiken dieser Entwicklung laufend beurteilen und managen müssen. Wir müssen dafür sorgen, dass der Kundenschutz und das Vertrauen in den Finanzplatz sowie die Finanzstabilität gewährleistet sind. Die digitale Transformation und die Vernetzung von Allem und Jedem bedeutet aber auch, dass ein regionaler Finanzplatz eine globale Reichweite haben kann. Das ist eine sehr große Chance für Liechtenstein.

Was glauben sie, wohin wird der Krypto-Markt in 2018 steuern?

Wir erhalten sehr viele Anfragen zur Gründung von Krypto-Börsen und zu Geschäftsmodellen, welche Analysen und/oder Investitionen in Kryptowährungen und Token planen. Ich denke, es werden weiterhin sehr viele Start-ups gegründet und wir werden dann sehr rasch eine Konsolidierung bei diesen Unternehmen erleben. Gleichzeit sehen wir, dass sich etablierte Finanzinstitute zunehmend für die Blockchain-Technologie und Kryptowährungen interessieren. Auch von dort ist einiges zu erwarten. Was die Kryptowährungen selbst betrifft, denke ich, dass die Volatilität weiterhin hoch bleiben wird und die Marktanteile stark schwanken werden.

BTC-ECHO

Über Christian von Fellenberg

Christian von FellenbergChristian von Fellenberg y Palma studiert an der EBS in Oestrich Winkel General Management. Da Christian unter anderem in Chile aufgewachsen ist, konnte er bereits Studien- und Arbeitserfahrung in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern sammeln. Zuletzt hat Christian bei einer der größten Investmentbanken Lateinamerikas, Banco BCI, in den Bereichen Asset Management, M&A, Market Making und Brokerage gearbeitet. Darüber hinaus verfügt er über Arbeitserfahrung in der privaten Vermögensverwaltung bei Family Offices. Anfang 2017 gründete er zusammen mit zwei anderen Kommilitonen die studentische Unternehmensberatung Virtatis. Christian ist überzeugt, dass sich Kryptowährungen als eine feste Anlageklasse etablieren werden. Diesem Bedeutungsgewinn möchte er zuvorkommen und sein Wissen aus dem traditionellen Finanzsektor auf den neuen Markt der Kryptowährungen anwenden.

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