Party like it’s 1999: Die Krypto-Blase?

Max Kops

von Max Kops

Am · Lesezeit: 4 Minuten

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Euphorie, Aufbruchsstimmung und Hochmut: Im Jahr 1999 erlebten wir eine Blase, die unglaublich groß wurde und ihr den Namen der “Dotcom-Blase” beschert. Heute, mehr als 15 Jahre später, erleben wir einen regelrechten Hype der Blockchain-Technologien. Sind wir auf dem Weg zu einer neuen Ära der Geschichte, oder laufen wir längst auf die nächste Blase zu?
Kryptowährungen: Eine zahlenmäßige Betrachtung

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Mark Preuss

Kryptowährungen: Eine zahlenmäßige Betrachtung

Dass wir in einer Boom-Phase sind, lässt sich nicht zuletzt an aufregenden Charts der großen Währungen erkennen. Vervielfachungen von zahlreichen Währungen waren in den letzten Wochen die Regel – ein Signal, das zu denken gibt. Die Marktkapitalisierung von 100 Milliarden Euro konnte als großer Meilenstein am 05. Juni geknackt werden.

Erstaunlich ist, dass so gut wie jede der bekannten, großen Kryptowährungen ihren Wert vervielfachen konnte. Der generelle Anstieg schließt zunächst einmal aus, dass es eine technologische Ursache wie beispielsweise die Weiterentwicklung einer konkreten Währung hat.

Da Kryptowährungen keinen wirklichen “inneren Wert” besitzen, scheint es sich dabei um eine Kurssteigerung durch psychologische Einwirkungen zu handeln. Entweder – so ließe sich argumentieren – wurde das Potenzial der Kryptowährungen zunehmend medial bekannt, oder Kryptowährungen wird ein künstlicher Wert zugesprochen, der nur auf Spekulationsaussichten beruht.

Feststellen lässt sich dies nicht, lediglich lassen sich einige Merkmale der aktuellen Marktbewegung analysieren, die für oder gegen einen Hype sprechen.

Indikatoren eines Hypes

1. Übernatürliches Zielgruppenwachstum

Als Crash-Indikator für Aktien wird oft die BILD-Zeitung zu Rate gezogen. Spätestens, wenn die BILD-Zeitung zum Aktienkauf rät, sei die Zeit gekommen, auszusteigen – sagt der Volksmund.
Die Aussage wird letztlich damit gerechtfertigt, dass die BILD-Zeitung eine allgemeine Tageszeitung ohne speziellen Fokus auf Anleger ist. Wenn Sie über Aktien spricht, scheint das Thema somit für die gesamte Bevölkerung interessant zu sein – was in den Regelzeiten des Marktes vergangenheitsbetrachtet nie der Fall war. Damit lässt sich ein Hype erkennen, weil die Zielgruppe nicht mehr nur aus Experten des Themas besteht, sondern sogar von Laien dominiert wird. Diese Tatsache führt ebenfalls zu Indikator Nummer zwei:

2. Nachvollziehbar irrationale Investments

Investments scheinen, als würden sie nicht mehr basierend auf wirklichen Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen getroffen. Ein konkretes Indiz wäre, dass die Anzahl bzw. der Anteil an Projekten, die ihre Fundingsumme erreichen, enorm ansteigt. Denn das dürfte ceteris paribus, also ohne sonstige Einflüsse wie zufälliges Aufeinandertreffen von “wirklich” guten Projekten, dafür sprechen, dass die Investments generell in den Markt gebläht werden (siehe Punkt 3). Jeglichen Projekten wird ein künstlicher Wert zugesprochen, der nur auf die schnelle Wertsteigerung abzielt und damit zu Problemen führt, die wir weiter unten besprechen werden.

3. Marktübergreifende Euphorie

Dieser Punkt allein spräche nicht für einen Hype, stünde er nicht im Zusammenhang mit Punkt 1 oder 2. Festzustellen ist, dass sich die aktuellen Investmentbewegungen über den Gesamtmarkt erstrecken. Das bedeutet: Die Streuung der einzelnen Investments ist relativ gering, die meisten ICO’s schließen mit der zum Ziel gesetzten Summe ab. Das würde bedeuten, dass alle Projekte für die Zielgruppe als erfolgsversprechend erscheint – oder andersherum formuliert, dass möglicherweise nicht basierend auf Individualentscheidungen, sondern allein aufgrund der Eigenschaft einer Kryptowährung investiert wird.
Natürlich lässt sich nie ausschließen, dass es sich naturgegeben um einen aufstrebenden, zukunftsträchtigen Markt handelt, der in vieler Hinsicht enormes Potenzial bietet. Daher gilt er nur in Verbindung mit den anderen Punkten.

Das Problem an einer Blase

Ich persönlich definiere eine Investitionsblase als ein Investitionsverhalten, das vielen Projekten einen künstlichen Wert zuspricht und vor allem von der dominierenden Mehrheit aus Gründen der schnellen Wertsteigerung gekauft wird.
Solange daraus ein temporär funktionierendes Schneeballsystem entsteht, können Investoren Gewinne einfahren. Der Hype bäumt sich immer weiter auf, indem die zunehmende Aufmerksamkeit und euphorieerzeugende Medienberichte weitere Interessenten anziehen, die nun ebenfalls Teil des Erfolgs sein möchten. Die neu dazu gestoßenen Teilnehmer kaufen die Werte, die ihre Vorgänger so schnell wie möglich wieder loswerden möchten, um Gewinne mitzunehmen und zu reinvestieren.
Ein Kreislauf, der sich immer weiter fortsetzt, aber aufgrund der wertmäßigen Vervielfachungen nur solange funktioniert, wie auch die Teilnehmermenge stark steigt. Denn niemand glaubt an den wirklichen Wert, den das Projekt durch den Betrieb generieren kann, sondern nur an den Marktwert, der in diesem Fall stark psychologisch begründet ist. Das bedeutet, dass Projekte unter Umständen nicht in absehbarer Zeit ausreichend Gewinne einfahren können, um die Investitionen zu decken. Somit sind diese bereits überfinanziert.

Es ist anschließend nur noch eine Frage des Zeitpunktes, bis niemand mehr die neuen Tokens auf dem Markt kauft und die riesige Menge an Buy-Orders zu stagnieren beginnt. Erste Investoren beginnen, ihre Preise zu senken. Eine Nachfrage besteht faktisch kaum, das Angebot ist enorm. Anschließend beginnt die Talfahrt, die nicht so schnell wieder aufwärts blickt.

Disclaimer: Die Kolumne gibt die Meinung des jeweiligen Autors und nicht zwingend die Meinung von BTC-ECHO wieder.

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