NSD: Eine Blockchain ohne gesetzliche Regulierung ist “nutzlos”

Max Kops

von Max Kops

Am · Lesezeit: 3 Minuten

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Blockchains und Regulierung? Das klingt im ersten Moment widersprüchlich – geht es doch bei der Technologie gerade darum, einen Konsens zu erzielen und jegliche Entscheidungen über eine Mehrheitsabstimmung (unter Minern oder Stakeholdern) zu treffen. Das NSD ist sich sicher: Eine Blockchain, die nicht rechtsverbindlich ist, ist nutzlos.
NSD: Post-Trade Spezialist mit Blockchain-Erfahrung

NSD: Post-Trade Spezialist mit Blockchain-Erfahrung

Das NSD (National Settlement Depository) ist der größte Post-Trade Abwickler Russlands. Diese Dienstleister führen bestimmte Aktionen aus, die nach einem Trade durchgeführt werden müssen. Bei einem Börsenhandel von Wertpapieren muss nach der Einigung zwischen Käufer und Verkäufer dafür gesorgt werden, dass die Besitzrechte übertragen werden.

NSD hat klare Vorstellung von einer guten Blockchain


Das NSD hat sich seit nun mehr als zwei Jahren auch mit Blockchain-Technologien auseinandergesetzt. Nach langen Untersuchungen kommt das Post-Trade Kongolomerat zum Entschluss: Blockchains können nur dann sinnvoll eingesetzt werden, wenn sie gesetzlich bindend sind. Genauer gesagt drückt es Artem Duvanov, Director of Innovation, wie folgt aus:

“Eine Blockchain ist nutzlos, wenn sie Informationen speichert, die keine gesetzlichen Konsequenzen haben.”

Was im Anwendungsfall von Kryptowährungen zunächst überflüssig scheint, ist in anderen Use-Cases aber durchaus sinnvoll: Schließlich ist eine Währung wie der Bitcoin letztlich ein Vertrauenskonstrukt. Zwar lassen sich alle Transaktionen über die Blockchain abbilden, eine wirkliche Interpretation wird ihnen aber erst durch uns als Mensch zugesprochen. Ebenso haben sie keinen “physischen” oder “realen” Wert, sondern nur einen Wert, den wir ihnen beimessen. Dafür braucht es also nicht zwingend einen Regulierer, der uns vorschreibt, welchen “Wert” ein Bitcoin hat. So weit, so gut.

Möchte man hingegen Dinge aus der Realwelt über die Blockchain abbilden, dann muss sichergestellt werden, dass die Blockchain zu jedem Zeitpunkt der Realwelt und die Realwelt zu jedem Zeitpunkt den Informationen aus der Blockchain entspricht.

In welchen Fällen die Blockchain einen Regulierer braucht

Weit über Währungen hinaus kann die Blockchain viele Besitztümer abbilden, bspw. den Grundbesitz. Wenn jemand den Bitcoin nicht nutzen möchte, kann er auf ihn verzichten und andere Zahlmethoden nutzen. Anders beim Grundbesitz: Hier kann man sich nicht einfach vom gesamten Geschehen entziehen. Außerdem könnten einzelne Personen in der Realität Flächen besetzen, die Ihnen eigentlich nicht gehören. In einem geschlossenen Blockchain-System ist das nicht möglich. Das bedeutet im Umkehrschluss: In der Blockchain kann gespeichert sein, wem das Grundstück gehört, hat es sich jedoch eine Person oder Gruppe unrechtmäßig angeeignet, hilft es dem wahren Besitzer nur wenig.

Eben deswegen gelangt NSD zu der Aussage, dass eine Blockchain immer auch eine Partei haben müsse, die für die Verbindlichkeit der Informationen sorgt. Das Argument, man handle über dezentrale Systeme autonom, klingt für viele Enthusiasten im ersten Moment positiv, funktioniert aber nicht in allen Use-Cases.

Meinung des Autors (Max):

Es ist immer ein Trade-Off zwischen Regulierung und Autonomie zu treffen: Es ist möglich, dass sich Kryptowährungen wie der Bitcoin über eine Blockchain verwalten lassen, ohne dass hierzu eine zentrale Partei notwendig ist. Genau so unumstritten ist aber auch, dass es in anderen Anwendungsfällen jemandem bedarf, der durchsetzt, was in der Blockchain steht. Genau so, wie es Polizei und Sicherheitsbehörden in einem funktionierenden Staat mit den Informationen machen, die auf dem Papier stehen.

BTC-ECHO

Englische Originalfassung von Pete Rizzo via CoinDesk

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