experiment, Niederländische Zentralbank vor größtem Blockchain Experiment

Quelle: Photo RNW.org (De Nederlandsche Bank) via flickr.com (CC)

Niederländische Zentralbank vor größtem Blockchain Experiment

Die Zentralbank der Niederlande bereitet ein ehrgeiziges Experiment vor. Es zielt darauf ab zu untersuchen, ob ein gesamter Finanzmarkt auf der Blockchain aufgebaut werden kann.

Viele der sogenannten Smart Contract-Anwendungen der Blockchains können durch bestehende Technologien repliziert werden. Der Mann der jedoch nun für eine Reihe von Experimenten bei der De Nederlandsche Bank verantwortlich ist, sagt, dass die dezentrale Natur der Blockchains zu neuen Finazmarktinfrastrukuren (FMIs) führen könnte. Diese neuen Strukturen seien viel schwieriger zu hacken.

Wie bei dem Bitcoin Netzwerk selbst zielt auch dieses Experiment zu erforschen wie man die internen Operationen einer FMI an teilnehmende Nodes des Netzwerks verteilen kann. Um das System herauszufordern – und die Finanzmarktinfrastruktur zu brechen – müsste ein Angreifer mehr als die Hälfte der Rechenleistung des gesamten Netzwerks besitzen.

Nachrichten über den Verlauf der Experimente sind für das Jahresende angesetzt. Die derzeitigen Bestrebungen sind eine Reaktion auf die Angriffe durch Hacker, die sich die Finanzmarktstrukturen nun vermehrt ausgesetzt sehen. Anfang des Monats ging der Vorstand der Bank for International Settlements (BIS) so weit, dass er direkte Handlungsbereitschaft bei der Suche nach einer Lösung fordert.

In einem Interview mit Marktinfrastrukturleiter der De Nederlandsche Bank, Ron Berndsen, erklärte er, wie die Blockchain der Schlüssel sein könnte um sich gegen häufigere Attacken zu wehren.


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Berndsen erklärte CoinDesk:

“Wenn Hacker sich die Arbeit machen würden zwei bis drei Data Center abzuschalten, wären sie damit auch in der Lage Finanzmarktinfrastrukturen abzuschalten. Mit der Blockchain würde man alles auf die Nodes verteilten und man wüsste nicht mal wo man ist.”

Um herauszufinden ob eine FMI auf eine Blockchain aufgebaut werden kann, nutzt Berndsen wieder einmal ein Team, dass er bereits für frühere Experimente bei der Zentralbank eingesetzt hatte.

Berndsen sagte, dass sein siebenköpfiges Team durch Gespräche am Kaffeeautomaten und durch Email-Einladungen zustande kam. Ihm war es wichtig die Bitcoin Enthusiasten innerhalb der Bank kennen zu lernen.

Der Akademiker und Banker ist ein seltenes Bild in der Welt der globalen Banker. So begann er bereits im Jahr 2013 damit einen Bitcoin Full-Node für das Bitcoin Netzwerk zu starten und schürfte von da an die digitale Währung. Er sagte, dass er zwar nie einen Mining Reward bekommen hätte, aber das er Bitcoin und andere digitale Währungen gekauft habe. Dadurch wollte er die Vorteile und Nachteile der jeweiligen Währungen untersuchen.

Lektionen für Zentralbanken

Aufgrund dieser Vertrautheit war es Berndsen möglich seine Experimente auszuweiten.

Im letzten Monat wurde angekündigt, dass die Zentralbank die Open-Source Bitcoin Software nutzt um die Zustände der Netzwerk-Gründung im Jahr 2009 nachzustellen. Daraus soll ein Modell erstellt werden, welches das System im Jahr 2140 zeigt. Dann soll der letzte Bitcoin geschürft worden sein.

“Als Akademiker liegt es einem nahe zunächst die Extrempunkte des Systems nachzustellen”, sagte Berndsen. Er unterrichtet unter anderem auch als Professor für FMIs und systemisches Risiko an der Tillburg University in den Niederlanden. Er hält zudem einen Doktortitel in Wirtschaft. Doch hält er diesen Test für einen einzigartigen weltweit.

“Ich dachte jede Zentralbank hätte das bereits getan”, sagte er.

“Ich bin auf vielen Zentralbankkomitees und ich habe wirklich erwartet, dass sie das alles tun, aber soweit sind sie scheinbar noch nicht.”

Eine der vielen Lektionen die das Experiment brachte ist, dass die Bank in der Lage war Coins viel schneller zu schürfen, wenn der Start-Reward bei 1 Mil. gesetzt wird. Dazu hat das Team einen sogenannten DNBcoin erschaffen. Die Rate mit der DNBcoins geschürft wurden steigerte sich, zusätzlich zu der initialen Reward von 1 Mil. DNBcoins, wurde die Reward alle zwei Minuten halbiert.

Zu beachten sei, dass selbst wenn das Team den “max money parameter” auf 21 Millionen Coins – wie bei Bitcoin – stellen würde, dass sie in der Lage wären 10 Milliarden Coins zu schürfen.

Außerdem haben sie “bewiesen”, dass das Netzwerk alleine auf den Gebühren (Fees) laufen kann, wenn die Bitcoin Belohnung (Reward) beendet wird, so Berndsen.

Hohe Einsätze

Das dritte Experiment soll nun laut Berndsen auf die Bereiche der Finanzmarktinfrastrukturen setzen.

Die Definition für eine FMI wurde in einem Bericht der Bank for Internationals Settlements im Jahr 2012 festgelegt: “ein multilaterales System aus teilnehmenden Institutionen, einschließlich dem Leiter des Systems, um Clearing, Settling oder Zahlungen, Wertpapiere, Derivate oder andere finanzielle Transaktionen aufzuzeichnen.”

Berndsen präsentierte in seiner Rede die Ergebnisse der ersten zwei Experimente. Er listete FMIs als einer der drei zentralen Komponenten auf, die seine Bank als “allumfassendes Ziel der Finanzstabilität” erreichen will.

Jedoch zeigte sich dieses Jahr als Wendepunkt in der Geschichte der FMIs. Sie stehen immer mehr im Visier komplexer internationaler Angriffe.

Im März berichtete Bloomberg von Hacker-Angriffen die mit der iranischen Regierung in Verbindung gebracht werden. So sollen durch sie vier Dutzend US Finanzinstitutionen, darunter die New Yorker Börse und Nasdaq, angegriffen worden sein.

Ein Monat später meldete sich Sicherheitsexperte Eugene Kaspersky zu Wort und sagte eine wachsende Bedrohung für Finanzmärkte voraus. Zuvor wurde die Zentralbank von Bangladesh durch Hacker angegriffen, die, laut einem anderen Bloomberg Bericht, den Tauschkurs des russischen Rubels änderten.

Die Bedrohungen gegen FMIs griffen Anfang des Monats so um sich, dass der Vorstand der BIS, Benoit Coeure, die “Guidance on cyber resilience for financial market infrastructures” [zu deutsch: "Richtlinien zur Cyber-Resilienz für Finanzmarktinfrastrukuren”] veröffentlichte.

In dem Bericht schrieb Coeure:

“FMIs sollten, im Rahmen dieser Richtlinie, sofort die nötigen Schritte in Absprache mit ihren Stakeholdern beginnen, um die Cyber Resilienz zu verbessern. FMIs sollten außerdem innerhalb von 12 Monaten nach Veröffentlichung dieser Richtlinie konkrete Pläne erstellt haben, um ihre Fähigkeiten zu verbessern.”

Vorbereitungen für den großen Tag

Die Niederländische Zentralbank nimmt eine zunehmend führende Position neben den anderen Zentralbanken ein. Sie führt Blockchain-Applikationen als mögliche Lösung für weit-verbreitete Probleme an, so nun auch für Finanzmarktinfrastrukturen.

Zusätzlich zu den Bitcoin Blockchain Experimenten bei der niederländischen Blockchain Conference im letzten Monat, hat die Bank angekündigt, Pläne zur Eröffnung eines offenen Blockchain Campus Anfang September diesen Jahres zu eröffnen.

Berndsen sagte, es wird Jahre dauern, bis das volle Potenzial der Blockchain klar wird. Seine Bank solle dabei helfen die Lernkurve zu beschleunigen.

Als Vorbereitung zu den Experimenten mit den FMI erklärte Berndsen CoinDesk, dass die De Nederlandsche Bank derzeit auch mit anderen Institutionen aus der Industrie- und Bankenwelt in Verbindung steht. Hier sollen mögliche Partner gefunden werden, die sich an dem Experiment beteiligen wollen.

Berndsen sagte:

“Wir sind der Auffassung, dass der nächste Prototyp mehr Code, mehr Ideen und mehr Leute benötigt.”

BTC-Echo

Englische Originalfassung von Michael Del Castillo via coindesk.com

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