Monero – Kleingeld in der Chain

Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 7 Minuten

Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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Quelle: The Monero Project

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Bei dem Bitcoin in use-Event in Arnheim wurde auch Monero vorgestellt. Was das ist und ob es sich lohnt sei in diesem Artikel vorgestellt.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Mark Preuss

er kategorisiert. Zwar war mir immer klar, dass sie nicht unter Shitcoin zu verbuchen ist, auf Cryptsy hatte ich zwischendurch auch mal etwas Geld in die Kryptowährung geblasen – aber mit einem Market Cap von 11.000 USD war es für mich immer etwas sehr klein.

Wie vor ca zwei Wochen berichtet hat Riccardo Spagni Monero bei dem Bitcoin in use-Event in Arnheim vorgestellt. In besagten Artikel habe ich vorgewarnt, dass ich Monero womöglich einen Artikel widme – was auch nun einlöse. Und hey – aktuell entwickelt sich Monero eigentlich ganz ok:

Wann, wenn nicht jetzt?

Monero ist eine Kryptowährung, die als Fokus anonymisierte, schnelle Zahlungen hat. Damit möchte man letztlich eine Konkurrenz zu DASH und will mit genanntem ein digitales Äquivalent zu Bargeld aufbauen.


Bargeld ist aus Sicht der Idealisten innerhalb der Kryptoszene ein durchaus interessantes System: keine Third Party hat Zugriff auf das Geld und ein Geldtransfer kann wirklich privat zwischen zwei Vertragspartnern abgeschlossen werden. Außerdem ist eine Zahlung sofort getätigt.

Während der erste Punkt auch bei Bitcoin gilt ist es beim zweiten und dritten Punkt schon anders: Bitcoin ist erstmal ein pseudonymes System. Sicher, man kann via CoinJoin etc eine Anonymität aufbauen und zur Zeit tut sich ordentlich was im Rahmen von BIPs, aber ohne Zusätze ist Bitcoin noch nicht anonym.

Das ist insofern nicht mit Bargeld vergleichbar, als dass man auf der Blockchain die Zahlungsverkehre zwischen einzelnen Adressen sehen kann. Zum zweiten ist eine Bargeldzahlung instantan bestätigt – man muss weder eine zentrale Autorität noch ein dezentrales Netzwerk um eine Bestätigung bitten. Im Fall von Bitcoin reden wir von zehn Minuten, bis die Transaktion bestätigt wurde. Und hier reden wir noch nicht mal von Skalierungsproblemen! Zehn Minuten sind für Überweisungen mehr als in Ordnung, aber für einen Ersatz von Bargeld muss es schneller gehen.

Währungen wie DASH und Monero geht es gerade un das: die Schaffung eines digitalen Pendants zu Bargeld. Man hätte damit die Vorteile von Bargeld mit den Vorteilen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs vereint: so könnte man nun ebenso instantan wie dem Gegenüber jemandem am anderen Ende der Welt Geld schicken. In unserer Zeit der Digitalisierung natürlich ein großes Gut!

Soweit zu DASH und Monero. Über DASH wurde an anderer Stelle schon gesprochen, schauen wir also auf Monero. Wenn man die Währung mit einem Satz beschreiben will wäre es dieser: Monero ist privat, dezentral, skalierbar und austauschbar. Betrachten wir mal diese vier Adjektive!

Monero ist privat

Privat ist ist das System in dem Sinn, dass ein Beobachter keine Möglichkeit hat, den Ursprung, das Ziel oder den absoluten übertragenen Wert einer Transaktion ermitteln kann. Perspektivisch geht es Monero um mehr als Geld, so wird auch betont, dass das System auch genutzt werden kann, um privat geschlossene Verträge privat zu lassen. In dem Zusammenhang kann man natürluch auch auf das Internet of things hinweisen, wo Verträge, die nicht unbedingt von jedermann einsehbar sein müssen, wichtig werden. Der Verschlüsselungsmechanismus von Monero geht auf CryptoNote zurück. Die Details würden jetzt zu sehr ins technische gehen, ich lade also interessierte ein, sich im Cryptonote Whitepaper selbst ein Bild zu machen. Wie schon an anderer Stelle erwähnt ist eine besonderheit an dieser Kryptowährung der View-Key, eine Art private Key light: Mit diesem Key kann man sich die Transaktionen des entsprechenden Wallets ansehen, jedoch keine Transaktionen selbst tätigen. Das kann beispielsweise für non profit Organisationen sinnvoll sein.

Monero ist dezentral

Ein Problem mit Digitalwährungen ist, dass sie mit der Zeit doch zentralisiert werden -auch wenn sie es natürlich nicht wollen. Bitcoins Proof of Work-System versucht das zu verhindern, doch die großen Mining Farms in China zeigen, dass es im Bitcoin ein Zentralisierungsproblem gibt. Proof of Stake birgt die Gefahr in sich, dass die Macht über die Währung in der Hand von einigen Whales liegt, was aus Sicht der Monero-Entwickler noch eine größere Gefahr mit sich bringt. Monero hat sich deshalb für ein besonderes Proof of Work-System entschieden, ist der Mining Algorithmus darauf angelegt, auch von x86 CPUs gemint zu werden. Mining für den kleinen Mann!

Monero ist skalierbar

Moneros Block Size Limit ist dynamisch skalierbar by default. Dazu wird auf Basis der jüngsten Vergangenheit die Block size in regelmäßigen Abständen neu berechnet. Über ein Malus-System wird einem ungezügelten Wachsen derselben Einhalt geboten: So müssen Miner, die einen deutlich größeren Block als der Durchschnitt erzeugen, einen kleineren Reward hinnehmen.

Mit dem Blocksize-Problem hängt das Problem hoher Transaktionsgebühren zusammen. Letztlich existiert die Sorge, dass irgendwann, wenn bei Bitcoin der Block reward gleich null ist und die Haupteinnahmequelle die Transaktionsgebühren sind, die Miner aufhären werden, auf der längsten Kette zu minen. Das würde zu einem zerbrechen der Blockchain führen, bei dem die Miner versuchen werden, hohe Transaktionsgebühren der jüngsten Blöcke zu klauen.

Um solch einem Verhalten für immer entgegen zu wirken, begeht Monero einen Frevel: Es gibt einen permanenten Block reward, der nie unter 0.3 XMR fallen wird. Im Jahr 2022 wird dieses Minimum erreicht. Zu diesem Zeitpunkt wird die Inflation bei einem Prozent liegen und mit jeder Minute, in der neue 0.3 XMR geschaffen werden, weiter fallen. Natürlich mag man es unbefriedigend finden, dass man hier ein inflationäres System geschaffen hat, jedoch zugunsten eines permanenten Mining Rewards.

Monero ist austauschbar

Um diesen Anspruch zu verstehen gehen wir nochmal zu Kleingeld zurück: Bei Kleingeld ist ein Cent ein Cent – deshalb, mal etwas dreist gesagt, funktioniert Geldwäsche. Bei Bitcoin kann man coins auf der Blockchain im Prinzip verfolgen, so dass hier die Coins letztlich nicht austauschbar sind. Deshalb wird auch im Rahmen von Bitcoin empfohlen, dass man einen coin-mixer oder coinjoin nutzt, viele Wallets haben einen entsprechenden Dienst implementiert.

Bei Monero jedoch ist dieser Dienst per Default aktiviert. Dieses Mixing geschieht passiv und kann sogar offline durchgeführt werden. Transaktionen sind dementsprechend so angelegt, dass man auf der Blockchain nicht nur Sender und Empfänger nicht sehen kann, sondern auch keine Möglichkeit hat, zu irgendeine Coinbewegung zu erkennen. Damit sind auf digitalem Weg alle Coins gleich, womit das Ziel verfolgt wird, wirklich digitales Cash zu sein.

Monero, DASH, Bitcoin – which one to choose?

Puh, schwierige Frage. Was mir bei Monero gefällt ist das “Mining des kleinen Mannes”, wie ich es oben nannte, ausserdem klingt die dynamische Block Size äußerst interessant. Jedoch ist mir noch nicht ganz klar, in wiefern der Anonymisierungsprozess von Monero dem von DASH überlegen sein sollte – falls hier ein Leser mehr weiß, immer her damit! Außerdem spricht mich das Master Node System von DASH durchaus an, wobei hier der immense Deposit, den man zurücklegen muss (1000 DASH – thats a lot of cake) für eine extreme Zentralisierung sorgt.

Bitcoin hingegen ist mehr als nur der Gold-Standard: Bitcoin ist zur Zeit DER Krypto-Standard schlechthin. In Kreuzberg kann ich mir gutes Bier und nen ordentlichen Burger für Bitcoin holen – für andere Währungen kann ich mir zur Zeit nix holen. Ich würde aber gerne eine Zukunft sehen, in der die verschiedenen Währungen strategisch genutzt werden. Man würde durch ein Ausweichen auf DASH oder Monero die Skalierungsprobleme von Bitcoin entlasten.

So oder so ist es auf jeden Fall interessant, wenn andere Währungen neue Technologien ausprobieren, denn diese sind es auch, die BIPs inspirieren. Vielleicht bekommen irgendwann die Währungen alle ihre Rolle: Bitcoin als Pendant für Überweisungen, DASH als Analogon für Scheine und Monero als das wirkliche Kleingeld. Die Zeit wird es zeigen.


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